Samstag, 4. Oktober 2008

Ein Ende kann ein Anfang sein

"Schaut's nicht so traurig, es ist ja keiner gestorben" erklärte Alexander Van der Bellen gestern im Erweiterten Bundesvorstand der Grünen, nachdem er seinen Rücktritt als Bundessprecher bekannt gegeben hatte. Er habe die vergangenen 11 Jahre gerne an der Spitze der Grünen gearbeitet und wünsche nun denjenigen viel Glück, die die Partei weiter führen. Das sei auch eine Chance.

Ich war sicherlich nicht immer einer Meinung mit VdB, aber hier hat er Recht. Die Chance, die im Ende seiner Ära liegt, muss aber richtig genutzt werden. Es reicht eben nicht aus, lediglich VdB an der Spitze durch Eva Glawischnig zu ersetzen. Die gesamte Partei braucht eine Frischzellenkur - im Inhalt ebenso wie in der Form.

Doch für diese Frischzellenkur gibt es jetzt ein Window of Opportunity. Selten habe ich im Erweiterten Bundesvorstand eine so offene Debatte erlebt wie gestern. Da wurde nun plötzlich thematisiert, warum eigentlich "Mit mir nicht" statt "Mit uns nicht" auf den Plakaten stand und welche Implikationen das hatte. Ebenso wurde über die Arroganz von "Heizkosten halbieren. Raus aus Öl und Gas" diskutiert, das im Wahlkampf mehr als Vorwurf denn als Grüner Lösungsvorschlag erschien. Alle Anwesenden dankten VdB für seine Arbeit, die Wortmeldungen waren aber differenziert, und darin liegt die große Chance für uns.

Ein Neubeginn ist eine Phase der Unsicherheit, aber auch eine Phase der Gestaltungsmöglichkeit. Diese Gestaltungsmöglichkeit zu nutzen ist jetzt Aufgabe der Aktiven in der Partei und gleichzeitig eine Einladung an Menschen von außerhalb der Grünen, sich ebenfalls einzubringen. Ich würde mich jedenfalls über Menschen freuen, die diese Chance für eine Frischzellenkur bei den Grünen ebenfalls sehen und gerade deshalb aktiv werden wollen - in welcher Form auch immer. Über Vorschläge freue ich mich als Kommentare hier ebenso wie per Mail unter gebi.mair@gruene.at So kann das Ende einer Ära auch zum Anfang für ganz neue politische Arbeit werden.

Ein Teil dessen ist auch die offene und damit öffentliche Diskussion über Sinn und Zweck der Grünen. Eine kleine Auswahl an Grünen Blogs zum Rücktritt von Alexander Van der Bellen (ja ich weiß, die Frauenquote ist mies - vielleicht posten ja irgendwann auch Frauen bei den Grünen zur Tatsache, dass wir bald eine Bundessprecherin haben werden...)


Johannes Rauch
Christoph Chorherr
Peter Pilz
Harald Walser
Marco Schreuder
Peter Kraus
Ulrike Lunacek
Oliver Ritter

1 Kommentar:

Raimund Bahr hat gesagt…

Lieber Gebi!

Ich bin ganz deiner Meinung, daß es einen Neubeginn geben muß und wird. Ich teile deinen Optimismus nicht, daß sich die Basis durchsetzen wird. Dazu wurde sie in den letzten Jahren viel zu sehr in ihren Entscheidungen ausgehölt. Nur eine radikale Rückkehr zum bottom up Prinzip könnte da Abhilfe schaffen. Das würde zwar voraus setzen, daß sich die Partei neue Strukturen geben müßte und sich vielleicht einmal ein, zwei Jahre nach Innen wenden müßte, statt dauernd darauf zu schauen, wo noch ein Stück Machtbeteiligung möglich ist. Denn diese permanente Machtbeteiligung mit 10% Stimmenanteil belastet die Struktur der Partei und auch die mittleren Funktionäre ungeheurlich. Die ja zum größten teil unentgeltlich arbeiten. Dadurch kommt es zu einem enormen Erosionsprozeß der Loyalität der Basis und zu Absetzbewegungen. Das kann doch die Parteielite nicht wollen, oder? Denn langfristig wird auch die Spitze, um mit Randy Newman zu sprechen: Lonley at the top, sein.
Nun gut, ich unterhalte mich gerne über diese Probleme. Ich bin der erste, der sich für Strukturreformen einsetzen würde, aber nur wenn die Parteispitze es ernst damit meint und un snicht nur zum Schein einbindet. Irgendwelche Gremien beschäftigt, um dann mit einem Vorschlag genau diese gremien zu befassen, ohne einen Gegenvorschlag auf dem Tisch zu haben.
ich dneke es wird Zeit, daß sich die Unzufriedenen organisieren und Gegenvorschläge einbringen.

Lg
Raimund