Montag, 13. Oktober 2008

Der Blick von außen

Manchmal ist der Blick von außen auf ein politisches System recht hilfreich. In Kärnten selbst ist "die Sonne vom Himmel gefallen" (c Gerhard Dörfler), deshalb sieht man dort vielleicht nicht so klar. Und dass jetzt einmal alle Menschen den Angehörigen von Jörg Haider ihr Beileid ausdrücken ist ja auch in Ordnung.

"De mortuis nil nisi bene", über die Toten nur Gutes zu reden das kann in der Politik aber auch nicht funktionieren. Der von mir sehr geschätzte israelische Historiker Tom Segev erklärte, der "Haiderismus" lebe auch ohne Haider weiter, und Österreich habe sich mit Haider nach der Waldheim-Affäre selbst wieder in einen "ekelhaften Staat" verwandelt. Nachzulesen hier.

Also gut, die Wortwahl würde man in Österreich vermutlich nicht so treffen. Aber Segev macht zumindest einen Punkt, den wir bedenken sollten: Bevor Haider jetzt zum absoluten Guten oder zum absoluten Bösen erklärt wird sollten wir uns die Frage stellen, welchen Gehalt denn der "Haiderismus" hat, den er geprägt hat, und wie er über Haider selbst hinausgestrahlt hat.

Der Haiderismus, das ist wohl eine Mischung aus Narzissmus, unsicherem Selbst, der Abwertung anderer, dem ungenierten Setzen auf das Nichtwissen des Publikums, die Selbstaufgabe der Redlichkeit, politischer und sprachlicher Brutalität, Feschismus (Achtung! e, nicht a!) und Verachtung für den Rechtsstaat. Für mich ist nicht so sehr Haiders "ordentliche Beschäftigungspolitik" der Nationalsozialisten Ausdruck dieses Haiderismus, viel mehr schon die Antwort Peter Westenthalers auf Armin Wolfs Frage, wie man denn 300.000 AusländerInnen aus Österreich abschieben will, wie vom BZÖ vorgeschlagen. "Mit dem Zug und mit dem Bus", so die damalige Antwort, in der so viel Verachtung nicht nur für MigrantInnen, sondern vor allem für das Publikum lag, das sich vermutlich eine substantiellere Antwort über die volkswirtschaftlichen Auswirkungen solcher Deportationen erwartet hatte. Haider selbst brachte es wohl vor allem rund um seinen Besuch bei Saddam Hussein und rund um das Ortstafel-Verrücken zu derartiger Meisterschaft im Haiderismus, knapp gefolgt von den bedrohlichen Männern rund um die Eurofighter-Beschaffung.

Der Haiderismus ohne Haider, das ist vielleicht ein bisschen so wie der Zauberlehrling. Die Kräfte die Haider gerufen hat, wird dieses Land nun nicht mehr los und sie haben sich verselbständigt. Und um zu sehen, wie diese Kräfte aussehen, dafür kann der Blick von außen manchmal auch einen hilfreichen Beitrag liefern.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

1. komisch, dass die leute die nicht in kärnten leben und die politik vom haider nicht selbst erlebt haben, sondern nur vom hören und sagen und vorurteilen kennen, gegen haider sind. die meisten kärntner sind aber anderer meinung. warum wohl? weil es ihnen schlechter geht als zuvor? denk mal nach!
wenn du hier von israel redest, die österreich verurteilen, ist dies eine frechheit. wenn du das unterstützt, würde ich ihnen raten etwas geschichte zu lernen. (bildung schadete auch keinen grünen!) (von wo stammt die idee vom staate israel? ist israel nicht der staat, der mit so ziemlich jedem nachbarstaat schon min. einmal im krieg war, oder noch ist? ist es der staat, der einen un-beobachtungsstützpunkt unter beschuss genommen hat, und einen österr. un-soldaten getötet hat? ist das nicht der staat, der auf demokratische wahlen mit abzug seiner botschafter reagiert? ist das nicht der staat, der im eigenen land krieg hat? ist das nicht der staat....

du beschreibst haiderismus mit: abwertung anderer, ungenierten setzen auf nichtwissen des publikums, politischer und sprachlicher brutalität, verachtung für den rechtsstaat. dies ist eigentlich die beschreibung der grünen, welche sich mit unzähligen beispielen belegen lassen.

also, nur weil sie nicht einen funken des talents und des können des versorbenen kärntner landeshauptmann haben, solltest du trotzdem nicht so viel müll über einen verstorbenen reden.

wäre ein grüner politiker gestorben, jörg haider hätte sicher nicht auf diesem niveau gearbeitet.

Anonym hat gesagt…

ad) Haider-Kärnten: die Zahlen sprechen ein anderes Bild, auch wenn's so manchem Haider-Fan nicht in den Kram passt (schlechte Wirtschaftsdaten, Volksvermögen verscherbelt etc.)
ad Israel: das ist die klassische antisemitische Propaganda: Was war 1948? Sicher kein Angriffskrieg durch Israel.
ad) Haider-Spruch: hier hilft der Podcast von Misik: http://tv.derstandard.at/?catid=3&vidid=1876

Gebi Mair hat gesagt…

Ob Tom Segev etwas Kluges oder weniger Kluges sagt hängt wohl nicht damit zusammen, ob Israel gute oder schlechte Dinge tut - das ist eine völkische Weltsicht, die ich schon sehr eigenartig finde.

Anonym hat gesagt…

also, wenn man die politik israels kritisiert, ist dies antisemitisch? du musst ja einen festen knall haben, mir judenfeindlichkeit vorzuwerfen, nur weil ich mit der politik israels nicht einverstanden bin.
fakt ist, israel hat mit jedem land in der umgebung krieg geführt, und hat im eigenen land krieg. wer hat siedlungen in palästin. gebiet gebaut? wer hat vor wenigen jahren libanon angegriffen? wer hat einen unstützpunkt angegriffen? das zu nennen ist also judenfeindlich?

zu haider: die kärntner lieben haider also, weil es ihnen nun schlechter geht als zuvor?
zu volksvermögen verscherbeln: komisch, die spö kärnten hat genau dies behauptet bei der hypo alpe adria, die spd hat genau das gegenteil in bayern behauptet.... was nun? aber du hast sicher täglich mit geschäften dieser größenordnung zu tun, dass du dich so ut auskennst, um solche geschäfte objektiv zu beurteilen.

gebi: kluge aussage ist dies meiner meinung nach nicht. schon gar nicht, wenn man 1000km entfernt sitzt, die eigenen probleme nicht anspricht, aber in weit entfernten ländern probleme erkennen will. wie oft und wie lange war dieser mensch in kärnten während der amtszeit von jörg haider? oder kannte er die politik auch nur von den medien, und selbst gebildeten vorurteilen?

was anderes, wie oft habt ihr persönlich mit jörg haider gesprochen?

Anonym hat gesagt…

ad) iserael: wer sich nur die ihm genehmen daten aus der geschichte herauspickt, verkürzt und diese absicht habe ich kritisiert. es ist zumeist eine strategie der antisemiten, so Du/sie sich davon angesprochen fühlen, überlsass ich Dir/ihnen
ad) haider: man muss nicht mit jemand gesprochen haben, um eine person und seine taten beurteilen zu können. sonst könnte geschichte nicht betrieben werden, denn niemand, der heute lebt, hat mit nero oder karl dem großen etc. gesprochen, trotzdem kann ich mir ein urteil über deren wirken bilden

Anonym hat gesagt…

zu israel:
1. du hast meine aussage als klassische antisemitische propaganda bezeichnet. steht oben schwarz. verdreh hier nichts und bleib bei der wahrheit. wenn du schon solche schmutzkübelaktionen machst, dann steh dazu, oder entschuldige dich, falls du dies nicht wolltest.
2. du hast einen einzigen punkt aus der geschichte israels herausgenommen (1948). es tut mir leid, wenn es dir nicht passt, dass ich einen angriffskrieg gegen libanon, provokationen gegen die paläst. bevölkerung (siedlungsbau in paläst. gebiet), bombardierung eines un-beobachtungsstützpunktes, ... verurteile.

zu haider:
1. dein vergleich mit nero ist wohl mehr als dämlich. das wirken von nero und anderen hist. persönlichkeiten wurde wissenschaftlich von historikern aufgearbeitet. wetten, du bist kein historiker, der das wirken haiders wissenschaftlich aufgearbeitet hat.
2. mir und meiner familie hat haider in zwei situationen durch seinen persönlichen einsat sehr geholffen, und wir sind keine fpö/bzö parteimitglieder! ich habe das wirken haiders persönlich erlebt! du hingegen hast dir nicht einmal die mühe gemacht, mit ihm zu reden (so kommt es halt aus deinem text hervor), und machst dein bild aufgrund deinen vorurteilen und berichten in medien (vielleicht sogar politischen medien)
preisfrage: wer kann nun sein wirken für die kärntner bevölkerung besser beurteilen?

Anonym hat gesagt…

1,8promille hatte er, dein held. unglaublich.
mit alkolenkern habe ich persönlich wenig mitleid. ich bin nur froh, dass er durch seine dummheit nicht noch jemanden in den tod mitgerissen hat.


(bin ein anderer anonymer)