Donnerstag, 29. Oktober 2009

SOWI besetzt, Vorbeikommen erwünscht

Die SOWI-Aula an der Uni Innsbruck ist seit heute Nachmittag besetzt. Damit solidarisieren sich die Innsbrucker Studierenden mit den Besetzungen an vielen anderen Unis und fordern eine ausreichende Finanzierung der Universitäten und Stopp den Zugangbeschränkungen. Ich komme gerade von dort, die Stimmung ist friedlich, aber bestimmt. Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass Rektor Karlheinz Töchterle in einer Stellungnahme festgestellt hat, dass Studierende und Rektorat für das selbe Ziel kämpfen, und dass die Besetzung geduldet wird.

Vorbeikommen ist jedenfalls jederzeit erwünscht, mehr Informationen gibts unter www.unbeschraenkt.at.tf

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

1.) Guten Morgen, Herr Mair. Die Aktion läuft schon eine Weile.

2.) Gegenvorschläge wären jetzt interessant. Und zum freien Hochschulzugang sei folgendes gesagt: Wir brauchen nicht tausende ÄgyptologInnen, PädagogInnen, PhilosophInnen. Ganz ehrlich, Gebi, nenn mir einen großen Philosophen, den Österreich in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Nur einen, der metaphysisch oder metatheoretisch irgend etwas zum empirischen Fortschritt beigetragen hat. Ausgebildet haben wir zehntausende. Ich glaub, es ist einfach verlogen, den Leuten zu sagen, dass sie studieren können was sie grad wollen, und sie dann später draufkommen, das alles um sonst war (sind nämlich genug, die später deswegen einen ordentlichen anfraß haben). Mittlerweile ist es ja so, dass bereits die Leute mit Dreifachstudien (!!!) die mit Doppelstudium auf dem Arbeitsmarkt verdrängen (ich weiß, du arbeitest in einer geschützten Werkstätte, würde dir aber nicht schaden, dich mal umzuhören). So sehr ich die ÖVP sonst verachte, aber da hat sie mit ihrer Kritik des Bildungsdumpings recht.

3.) Bologna-Prozess: Ebenfalls guten Morgen. Das Ding läuft schon seit Jahren. Da hat man auch von dir nix dazu gehört. Jetzt, wo ´s "ernst" wird, sich populistisch draufzuhocken, das ist billig.

4.) Studiengebühren: In der jetzigen Form untragbar, gibts nix zu deuten.

5.) Lösung aus meiner Sicht: Abschaffung der Studiengebühren; Studieren wird als Arbeit anerkannt (mit Entlohnung). Dafür aber strenge Zugangsbeschränkungen. Gerade bei Philosophie hat sich eine Verluderung des Studiums eingeschlichen, das kann man kaum in Worte fassen. Von einem angehenden Philosophen kann ich mir erwarten, dass er die Vorsokratiker, Sokrates, Platon, Aristoteles im altgriechischen Original gelesen hat. Von einem Philosphen kann ich mir erwarten, dass er anhand eines philosophischen Textes Übersetzung sowie eine "Fallprüfung" vornimmt. Mindestens muss ein Philosoph also Latein und Altgriechisch können, gut wären noch hebräisch, arabisch und han/dravida. Philosophie muss man klassisch lehren. Kein "lernts des Skripterl, is eh ois ganz locka". Da wunderts mich nicht, dass die Hörsäle überlaufen. Es gibt noch Profs, die verlangen auch in Philosophie ordentlich was ab. Da braucht man sich in Ibk. z.B. bloß mal die Listen für gewisse Prüfer anschauen (V. Pittioni z.B.). Da würd man nix davon merken, dass das Studium überlaufen ist. So heb ich auch das Niveau, und so bekommen die wirklich guten, motivierten Studenten auch später Stellen. Man braucht ja nur in die USA schauen. Da sind Philosophen, Philologen, Archäologen (!!!) Berater multinationaler Konzerne und der Regierung. Ums kurz zu fassen: Das Stichwort lautet Elitenbildung. Und jetzt darfst jammern.
Schließlich noch all die Studien, die eigentlich Berufsausbildung sind, aus der Uni wegbringen. Dazu zähl ich mal v.a. BWL (was auf einer Uni nix verloren hat), Jus, Medizin.

Anonym hat gesagt…

P.S.: Dafür muss man dann aber auch die Studienzeiten ausweiten. Jeder der z.B. ein geisteswissenschaftliches Studium mit Ernst betreibt, also auch intensiv Primärquellenforschung betreibt, kann unmöglich in der vorgeschriebenen Studiendauer fertig werden. Das ist dann wirklich nur mehr "Scheine sammeln". Wenige Studierende, aber für die dann die Mittel verwenden.