Montag, 7. November 2011

Wenn Türen mühsam werden

Zugegeben: ich habe mir über Barrierefreiheit bisher nur bedingt Gedanken gemacht. Das heißt, ich war natürlich schon immer dafür, weil ich weiß dass sie für andere Menschen wichtig ist. Seit zwei Wochen habe ich allerdings ein anderes Verständnis dafür, nach einem Sportunfall nämlich, und zwar deshalb:


Ein gebrochenes Sprunggelenk, gerissene Bänder und dementsprechend eine Reihe von Metallplatten und Schrauben im Bein und folglich das Verbot, mit dem Fuß aufzutreten machen mich zum Teilzeit-Invaliden, und seitdem verstehe ich Manches besser.

Zum Beispiel: Türen mit automatischem Schließmechanismus sind ziemlich mühsam, weil ich auf einem Fuß und einer Krücke balancieren muss und die Tür gleichzeitig irgendwie aufkriegen. Geht schon, ist aber mühsam. Genauso mühsam wie Einkaufen: Wenn man weder einen Einkaufskorb noch einen Einkaufswagen verwenden kann, was dann? Ein Rucksack nach vorne geschnallt bringt Abhilfe, aber mehr als im Rucksack Platz hat, kann man dann halt nicht einkaufen. Überhaupt verstehe ich jetzt, warum man so wenige Menschen mit Krücken in der Stadt sieht: So zu gehen ist ziemlich anstrengend, dabei bilde ich mir eigentlich ein, halbwegs fit zu sein. Wie anstrengend muss das aber für Menschen sein, die körperlich nicht fit sind? Strecken in der Innenstadt gehen ja halbwegs, obwohl ich vergangene Woche bei einer Veranstaltung zwanzig Minuten zu spät war, weil ich als Veranstaltungsort das falsche Landhaus aufgeschrieben hatte - normalerweise eine Frage von zwei Minuten zu Fuß, aber derzeit...

Wobei ich jetzt auch erst wieder richtig draufgekommen bin, wie weit von einander entfernt die Sitzgelegenheiten in der Stadt eigentlich stehen, um sich zwischendurch ein bisschen auszurasten. Alten Menschen muss das ja jeden Tag so gehen wie mir derzeit, dass sie ab und zu ganz gerne ein bisschen sitzen würden.

Zu Hause ist die Sache nicht wesentlich einfacher: Teller von A nach B zu tragen ist schon eine ziemliche Herausforderung, und seit einigen Tagen hasse ich Dinge, die am Boden liegen. Andererseits wird man auch effizienter, was die Wege in der Wohnung angeht. Wenn ich alleine wohnen würde hätte ich jetzt jedenfalls ein ordentliches Problem: versuch einmal, auf einem Bein eine ausgehängte Tür wieder einzuhängen...

Auf der anderen Seite ist es rührend zu sehen, wie Menschen plötzlich hilfsbereit sind: Da werden Türen von Bussen aufgehalten zum Beispiel, wenn ich zur Haltestelle sprinte, Sitzplätze freigemacht damit ich mich hinsetzen kann. Ich lerne derzeit am lebendigen Leib, wie es Menschen mit Gehbehinderungen gehen muss. Nicht, dass ich diese Erfahrung freiwillig gerne mache, aber sie lohnt sich jedenfalls.

Kommentare:

der anonyme hat gesagt…

klingt ja eher beschissen, wenn ich das so sagen darf. aber wie hängt sich denn deine türe einfach selbst aus? und 20 minuten zwischen den beiden landhäusern? find ich, trotz krücken, sehr lang. ich hatte schon selbst einmal das "vergnügen" eines kaputten beins und bin sicher nicht so trainiert wie du, aber ok.

naja, ich muss ja nicht alles verstehen... trotzdem weiterhin gute genesung!

Christian Warum hat gesagt…

Der Gebi ist bei den Grünen nicht der einzige, der auf Krücken geht ...
Wenn Sie ähnlicher Meinung sind, dann schreiben sie mir: christian.warum@live.at

Gebi Mair hat gesagt…

Jepp, meine Tür hat sich selbst ausgehängt, weil das ein wunderbarer Altbau ist und die obere Zarge locker geworden ist.

Mit Raumsuche, nachdem ich draufgekommen bin, dass ich falsch bin, das braucht die Zeit dann.

unwählbar hat gesagt…

klingt nach einer ziemlich kuriosen geschichte! aber der teufel schläft ja nicht...
auch von mir weiterhin gute besserung!

Anonym hat gesagt…

Was soll diese Mitleidtour?
Es gibt noch ärmere Menschen als Du?
Du hast Glück, dass Du ein Spital in Österreich hast.
Ich find das zum Kotzen.
blabla

Gebi Mair hat gesagt…

Ja viel ärmere Menschen, das weiß ich. Ich habe in den vergangenen Wochen aber doch etwas für mich persönlich gelernt, und an diesem Lernfortschritt will ich gerne auch andere teilhaben lassen, ich hoffe das ist in Ordnung.

christian warum hat gesagt…

Gebi wir haben uns gerade gestern wegen dem Faker persönlich unterhalten. Ich würde mich nie über eine Verletzung bzw. körperliche Beeinträchtigung lustig machen. Ich hoffe diese Angelegenheit ist damit geklärt...