Donnerstag, 22. Januar 2009

Der Tiroliban

Von Lukas Kindl, http://www.denk-zettel.org/

Welch kreative Köpfe es doch in Innsbruck gibt...

Aber nicht nur hierzulande, sondern auch in Wien, wie eine heutige Aussendung der ÖVP zeigt - darin wird Hofer sogar zur "Integrationsfigur":

Gahr: Wirken Andreas Hofers als Vorbild für heute und morgen

Utl.: Tourstart anlässlich des Tiroler Gedenkjahres am Heldenplatz

Wien (ÖVP-PK) - "Die Erinnerung an den Menschen Andreas Hofer ist zukünftig aufrechtzuerhalten, der Sandwirt war ein Vorbild in vielem, eine schillernde Integrationsfigur und ein besonderer Mensch", erklärt ÖVP-Südtirolsprecher Abg. Hermann Gahr anlässlich der heutigen Präsentation des Andreas Hofer Busses am Wiener Heldenplatz.****

Kommentare:

Paul hat gesagt…

super!!!!! (nachdem mich die denkzettel-homepage nicht mag: wo hing das denn?)

Andi Pichler hat gesagt…

Hofer ist sicherlich unter heutigen (aufgeklärten) Gesichtspunkten kein Vorbild für uns Tiroler. Es ist aber wahr, dass er im Trentino, dem damaligen Welschtirol italienisch gelernt hat und scheinbar nie einen Unterschied zwischen deutschen, italienischen oder ladinischen Tirolern gemacht hat.
Davon könnten sich heute einige (Süd-)Tiroler etwas abschauen.

Gebi Mair hat gesagt…

Hofer ist eine ambivalente Figur, bei allen "Vorbild"-Diskussionen sollte aber keinesfalls vergessen werden, dass er für die Errichtung eines theokratischen Gottesstaates und gegen die bürgerliche Moderne kämpfte.

wome hat gesagt…

Was ist die "bürgerliche Moderne"? Zunächst einmal kämpfte Hofer und seine Genoss/innen gegen die Bayern und in der Folge degen die Franzosen (also gegen Napoleon). Bayern hatte keine Demokratie im heutigen Sinne vor, sondern wollte einen zentralistischen Absolutismus errichten. Das mag vielen sympathischer klingen, als eine "Theokratie", ist aber von einer modernen Demokratie (die es in Ansatzen zu dieser Zeit schon anderswo gegeben hat) weit entfernt. Und Frankreich hat sich zu dieser Zeit von den Idealen der Französischen Revolution auch schon weit entfernt und Napoleon zum Ersatzkaiser erkoren. Nicht, dass ich Hofer und seine Gesinnung verteidigen möchte, aber nach 200 Jahren sollte eine nüchtern Bewertung doch möglich sein. Lesenswert in diesem Zusammenhang die Aussagen von Tobias Moretti, das hätte ich dem gar nicht zugetraut, der Napoleon als "bourgeioise Verselbstständigung der Revolution" bezeichnet, der in einer puren Allmachtsherrschaft geendet habe.
Hofer war kaisertreu und gottesfürchtigbis in den Tod. Nicht gerade die Freiheit, die wir heute darunter verstehen, auch das stellt Moretti mit Recht fest.

Gebi Mair hat gesagt…

Demokratie habe ich auch nicht gesagt - die bürgerliche Moderne funktioniert, quod erat demonstrandum, auch ganz wunderbar ohne Demokratie.

Ich zähle die Bayern unter anderem deshalb zur bürgerlichen Moderne, weil sie ein beamtetes Verwaltungssystem einführen. Sie versuchen, die Macht der Pfarrer zu brechen und ihr die Macht des Bürgermeisters entgegen zu setzen. Also die Erfindung der politischen Gemeinde anstelle der alten Realgemeinde. Das halte ich für ein wesentliches Merkmal eines modernen Staates, und das gehört schließlich auch zu jenen Entwicklungen, die grundlegend für den Aufstand der Tiroliban rund um Hofer sind.

Anonym hat gesagt…

als bayerischer Verwaltungsbeamter hast es halt leichter: entweder katholisch oder evangelisch, obwohl man damit dem "saupreissn" schon recht ähnlich wirt

Anonym hat gesagt…

es ist eine absolute frechheit, ein t shirt zu drucken, in dem tirol und andreas hoder mit einem massenmörderischen und menschenverachtenden regime in afghanistan verglichen wird!