Donnerstag, 24. Mai 2012

Nachhaltig und öffentlich fürs Stubai

Meine Mailbox geht derzeit über: Es scheint, als ob ziemlich viele Menschen eine Meinung zur Stubaitalbahn hätten. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe im Landtag beantragt, dass die Tourismusverbände im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung dazu verpflichtet werden sollen, Konzepte für den öffentlichen Verkehr für ihre Gäste vorzulegen. Was das am Beispiel des Stubaitales bedeuten könnte, habe ich dann auch selbst erklärt: Das könnte zum Beispiel bedeuten, darüber nachzudenken, die Stubaitalbahn von Fulpmes bis zum Stubaier Gletscher auszubauen.


Stubai auf einer größeren Karte anzeigen
In der Hochsaison fahren derzeit 5.000 Autos täglich zum Gletscher und wieder zurück, 200.000 Kilometer Autoverkehr. Dabei hat die Preisentwicklung im Stubaier Tourismus auch damit zu tun, dass man eben nicht vom Hotel zu Fuß zur Gondelbahn gehen kann, wie etwa in Sölden oder in Hintertux oder auch in St. Anton am Arlberg.

Ein innovativer und nachhaltiger Tourismus bietet den Gästen hier endlich eine komfortable und umweltfreundliche Alternative. Dann kann man sogar darüber nachdenken, ob man die Straße ab Ranalt für den Autoverkehr sperren soll, weil es eine lawinensichere Verbindung mit der Bahn gäbe.

Fürs Stubai wäre das eine enorme Aufwertung, weil das Tal zusammenrückt. Man stelle sich nur etwa vor, wie auch im Sommer die Bahn das Radfahren im Tal attraktiver machen kann, weil der Radtransport plötzlich sehr leicht wird.

Damit die Bahn auch für Einheimische attraktiv ist, ist klar: Es braucht auch ein Begradigungs- und Beschleunigungsprogramm für die Strecke Innsbruck-Fulpmes. Das liegt schon lange in der Schublade und harrt nur der Umsetzung.

Und wer soll's zahlen? Von Ranalt bis zur Mutterbergalm betreiben die Stubaier Gletscherbahnen derzeit eine Privatstraße. Ich denke, sie wären an einer komfortablen und umweltfreundlichen Anreise genauso interessiert wie die Touristiker des Tales. Und die TIWAG hat im Zuge einer Kraftwerksplanung vor Jahrzehnten schon einmal daran gedacht, die Bahn bis Volderau auszubauen. So wie es derzeit aussieht, wird es im Stubai zwar zu Wasserableitungen durch die TIWAG für ihre Speicher im Sellrain kommen, aber die Gemeinden erhalten nur ein Butterbrot dafür. Das ist natürlich nicht akzeptabel.


Eine Reaktion, die mir sehr wichtig ist, kam auch von der Arbeitsgemeinschaft Innsbrucker Nahverkehr (AIN), sie schreiben unter anderem: "Die Tram ist das technisch beste und zugleich kostengünstigste schienengebundene Massentransportmittel. Durch Kuppeln zweier 35 m langer Triebwagen erreicht man bei einem Zehn- Minuten-Intervall eine Transportkapazität von rund 2.500 Personen pro Stunde und Richtung. Das reicht aus, um selbst den stärksten Andrang zum Gletscher zu bewältigen. Die Strecke Fulpmes – Gletscherbahn-Talstation könnte durch die Tram in rund 25 Minuten bewältigt werden. (...) Vorteile einer “Gletscher-Tram” für Fulpmes, Neustift und das ganze Stubaital ·  Autofreiheit bedeutet eine touristische Aufwertung für die gesamte Region ·  Das innere Stubaital, ein ökologisch sensibles hochalpines Gebiet, und der Gletscher werden vor den negativen lokalen Auswirkungen des Autoverkehrs geschützt ·  Die landschaftlich unattraktiven Großparkplätze an der Gletscherbahn-Talstation werden nicht mehr benötigt und können rückgebaut werden. ·  Den AnwohnerInnen und Feriengästen steht ein modernes Schienenverkehrsmittel zur Verfügung, das das gesamte Tal erschließt und sie an die Park-and-Ride–Anlage oder auch direkt an das Stadtzentrum anbindet. · Das Stubaital nimmt eine Vorreiterrolle im “sanften Tourismus” ein, die international Beachtung finden wird."


Artikel im Bezirksblatt Stubai von Arno Cincelli

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Jetzt rechne einmal die mittlere Geschwindigkeit bei 25 min Fahrzeit aus. Und dann rechtenst die mittlere Steigerung aus. Und dann machst eine realistische Kostenschätzung (nicht nur "die anderen sollen zahlen")
und dann reden wir weiter

Anonym hat gesagt…

Sorry, sollte "Steigung" heissen

Manni Schneiderbauer hat gesagt…

@Anonym: 28 Streckenkilometer lassen sich mit 60 km/h in unter 30 Minuten bewältigen, bei möglicher vmax 70 (die nicht zwangsweise die Obergrenze ist - es gibt auch Stadtregionalbahnfahrzeuge, die bis zu 110 km/h fahren können). Durch Übergangsbögen und Überhöhungen ist die Tram immer mit 50 - 70 km/h unterwegs, Steigungen von bis zu 60% verlangsamen die Geschwindigkeit nicht, wenn die Triebwagen etwas stärker motorisiert werden.
Für Haltestellenaufenthalte müssen etwa 20 Sekunden pro Haltestelle abgezogen werden, aber viele Haltestellen würde es nicht geben.

Die Anfangsinvestition ist natürlich hoch, amortisiert sich aber auf vielen Ebenen. Ein intakter Naturraum frei von Auto-Staus und donnernden Motorrädern ist unbezahlbar.

Manni Schneiderbauer hat gesagt…

Sorry, sollte natürlich "Steigungen von bis zu 6%" heißen.

Anonym hat gesagt…

Hätte noch ein paar Fragen:
1. Wäre es mit einer Seilbahn nicht leichter zu schaffen (von Volderau, Neustift oder Fulpmes)?
2. Wie siehts grundsätzlich mit der Willigkeit der Gletscherbahn aus? Wenn die nicht mitzahlt, ist die Chance eher gering.
3. Hat man eigentlich den neuen Lift Richtung Glamesgrube schon genehmigt? Den sehen ja teilweise Einheimische ziemlich kritisch, da ein schönes, für Einsteiger leicht zugängliches Gebiet dem Skitourismus geopfert wird...

Anonym hat gesagt…

Es gibt ja einen Seilbahn und Schigebietskonzept, in dem definiert ist, was technische Verbesserungen und was Neuerschließungen sind.
Die Schigebietsbetreiber investieren im Wesentlichen aus zwei Gründen.
1) Werbepräsenz durch Neueröffnungen, denn nur ein Schigebiet, das zumindest alle 2 Jahre Neuheiten anbieten kann, verschwindet im Buhlen um die Gunst des Gastes nicht.
2) Vermeiden von Gewinnen, die die Steuerlast heben.
Das Finanzamt hätte die Möglichkeit, die den Betriebsgewinn mindernden Ausgaben dahingehend zu prüfen ob sie erst durch Änderungen von Planungsgrundlagen möglich wurden, die zuvor eigentlich ein anderes öffentliches Interessen dokumentierten. – um nur Standardverbesserungen zu akzeptieren, wie s z.B. die eine Bahnanbindung des Schigebiets wäre.
Wenn man sich nun das Bsp. Stubaital ansieht, so wäre im Falle der Errichtung eines Zubringers (ob es nun einen Seilbahn oder einen Tram wäre) von Fulpmes zur Mutterbergalm u.U. teile der Anlage als Neuerschließung zu bewerten – obwohl sie einen positiven Nutzen für die Umwelt haben.
Es gibt verschieden Zubringer(seil)bahnprojekte (z.B. Pill-Fügenberg, Silz-Sellrain, Urgen-Fließ). Allen gemein ist leider, dass es keine Zubringerkorridore sind, sondern diese mit Schiabfahrten kombiniert werden sollen. Das ist das eigentliche Problem. Notwendig wäre es meiner Meinung nach, dass Talzubringerbahnen ohne begleitende Schiabfahrten (auch ohne „Sicherheits“abfahrten) nicht als Schigebietserweiterungen verstanden werden. Dann wäre zumindest schon ein landesgesetzlicher Rahmen geschaffen, der für solche Projekte förderlich ist. Wenn dann das Finanzamt noch dabei mitzieht und Investitionen in Ausbauten von Schiabfahrten die Änderungen vom Landesleitbild erforderten nicht mehr als zulässige Ausgaben akzeptiert, dann hätte man schon etwas sanften druck in die richtige Richtung geschaffen.
Toll wären natürlich Schibahnhöfe, die sie nun in Südtirol entstehen.

Gebi Mair hat gesagt…

Was sind Skibahnhöfe?

Gebi Mair hat gesagt…

Für eine Seilbahn stelle ich mir das ziemlich weit vor, außerdem kriegst du da meines Wissens nach die Geschwindigkeit nicht hin.

Glamergrube ist nichts genehmigt - nur die TIWAG will dort eine Pumpstation hart an der Grenze zum Landschaftsschutzgebiet bauen...