Montag, 28. März 2011

Was lehren uns die deutschen Grünen?

Die gestrigen Ergebnisse der Wahlen in Deutschland sind natürlich sensationell. Von 5 auf 15 Prozent und damit in den Landtag überhaupt erst eingezogen in Rheinland-Pfalz. Und unfassbare 25 Prozent in Baden-Württemberg und durch die glückliche Konstellation als zweitgrößte Partei auch noch den Ministerpräsidenten.

Die Frage ist nun natürlich: Was macht den Erfolg aus? Die Themenlage mit Atomkraft, nicht erst sei Fukushima sondern seit dem Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg trägt sicher einen großen Teil dazu bei. Die Medienlandschaft in Deutschland, die sich - insbesondere im Fernsehen - intensiver und abwechslungsreicher als in Österreich mit Politik beschäftigt tut sich auch das ihrige. Und dann natürlich noch die Grünen selbst mit Kampagnen wie dieser, die es verstanden haben, die Partei zu öffnen. Nur so kommt es zu Formulierungen wie gestern in der ARD, "das Internet" habe eine Kampagne gegen CDU-Ministerpräsident Mappus gefahren.

Was aber am Auffälligsten für mich ist: Die hohe Volatilität insgesamt, das heißt die außerordentlich großen WählerInnenwanderungen. Das zeigt die Bereitschaft der WählerInnen, einmal etwas anderes auszuprobieren. Und vor allem zeigt es auch, wie unzufrieden die Meschen mit den bisherigen Parteien sind. So manche ehemalige CDU-WählerInnen wählen wohl bei dieser Wahl alles, was nicht CDU heißt. Dass die Grünen da als glaubwürdige Alternative im Angebot stehen ist umso erfreulicher. Die hohen WählerInnenwanderungen bedeuten, dass das auch eine Protestwahl war. Der Status als Volkspartei, von dem manche Medien nun schreiben, fällt nämlich nicht einfach zu.

Themen aufgreifen, Protest kanalisieren, eine mobilisierungsfähige Partei, eine vielfältige Medienlandschaft, eine unfähige Regierung. Alles Dinge, an denen wir auch in Tirol arbeiten können.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Tiroler Grüninnen sind von den Grüninnen in BW Lichtjahre entfernt.
Das sind ganz normale denkende Leute und nicht so Vollkoffer wie du Gebi.

Anonym hat gesagt…

- in deutschland konnte man seit 1986 in bundesländern, seit 1998 sogar im bund erleben, dass rot-grün nicht automatisch eine katastrophe bedeutet. normalisierungseffekt. sogar in BaWü (und Bayern) gibt es grüne BürgermeisterInnen (weiß auf die schnelle nicht, ob es BmIn eigentlich gibt), die beweisen, dass grün auch pragmatisch regieren kann. das hat grün-ö leider nie bzw erst spät geschafft.
- Volatilität haben wir in Ö auch, aber die einzigen, die dieses wasser (ohne wirksamen grünen widerstand) auf ihre mühlen leiten können, sind blauorangebraun
- das reservoir für grüne personalrekrutierung ist allein in BaWÜ größer als in Gesamt-Ö, da ist weniger Gefahr, in einer Blase zu landen, die sich nur noch gegenseitig selbst der Genialität versichert.

allgemein: die soziale und politische geschichte Ds ist in bestimmten teilen ganz anders als die Ös (lager-koalitionen vs. GroKo; andere soziale bewegungen (frieden vs. neutralität). ein anti-atom-phänomen wird es in Ö/T nicht so spielen.
ausweg? weniger internes bauchbepinseln, überlegen, was Ös Frust- u WutbürgerInnen eigentlich bewegt und darauf die besten antworten finden.
prognose? im bund wird es auch mittelfristig nix, eigene kraft fehlt und auch ein koalitionspartner (rot-blau 2013). und in tirol? einbruch bei der wahlbeteiligung und absolute schwarz bei den nächsten wahlen, grün könnte evtl. punkten mit einer klaren vision, was tirol sein kann und soll.

Anonym hat gesagt…

Grüß Gott, Herr Mair.

In der BRD sind alle Parteien für die Atomkraft, eben außer den Grünen. Bei uns sieht es anders aus. Die Grünen, die FPÖ und die beiden Großparteien sind alle geschlossen gegen die Kernkraft. Deshalb können die Grünen in Tirol aufgrund der Kernenergiedebatte keine so großen Erfolge erzielen.

Gebi Mair hat gesagt…

Naja, Wolfgang Schüssel sitzt im Aufsichtsrat eines Atomkonzerns, die TIWAG handelt mit Zustimmung der ÖVP mit Atomstromerzeugern - so klar sehe ich die Ablehnung der Atomkraft in Österreich nicht.

Anonym hat gesagt…

die leut kennen sich nicht mehr aus. övp-rot-ja,sogar blau- ist mehr und minder ein und dasselbe.die spö ist leider längst alles andere als sozialistisch - die övp gottseidank
nicht mehr nur der reine empfehlsempfänge der kirche. und den blauen bleibt gar nix anderes über als etwas in die mitte zu rücken, wollen sie mitregieren.

auch wechseln sogar ältere leute die parteien. leute, die ein leben lang einer partei treu bleiben sind in der regel funktionäre dieser partei. früher gab es treue stammwähler, die ein leben lang eine bestimmte partei wählten.

ich finde es gut, wenn man sich die parteien anschaut und nach ihrem programm wählt - und nicht rein nach ihrer gesinnung, die ohnehin nicht mehr hält - sh. spö.

Anonym hat gesagt…

vielleicht sollten die tiroler grünen nicht nur gegen van staa und die schwarzen mander (und innen) schimpfen, dann würde vielleicht sogar einmal eine regierungsbeteiligung möglich sein. Rot-Grün in tirol halt ich nämlich für eine kindlich naive, weil absolut unmögliche, vorstellung. schwarz-grün jedoch für eine extrem spannende und gute idee!

Anonym hat gesagt…

Gebi!
Wie wirkt sich das Atomunglück in Japan auf die globale Landwirtschaft aus?
Magst Du Reisgerichte?
Danke!

Anonym hat gesagt…

i bin zwar nit der gebi, aber allein das meer dürfte immens belastet sein.
das manko, das die parteien haben ist, dass niemand aus angst vor wählern klartext redet. die grünen in deutschland haben in vielen bereichen klartext geredet. her van-der-bellen war viel zu besonnen um eine parteilinie vorzugeben - eigentlich ein fischer in grün.
ich glaub die parteien müssen zumindest einen schwerpunkt haben, damit man sie unterscheiden kann.#

die s hat sich vom sozialen gänzlich verabschiedet.

teile der schwarzen machen eine politik wie um 1900.

der f wird sich so bald nicht vom schreckgespenst adolf nit erholen.

und die grünen brauchen mehr engagement für inländer - die zuzugsmasche spielen die nämlich schon seit jahrzehnten.

die leut sind total verängstigt, wir gehen verdammt schweren zeit entgegen. das wirtschaftswachstum ist rein künstlich. da die banken davon nicht gut leben können, wird nun der zinssatz erhöht. das bedeutet für die kleinen sparer endlich zumindest wenn sie glück haben die inflationsabgeltung.
kredite werden aber auch dementsprechend teurer inkl. der staatsschulden...
wenn das nicht geschickt gemacht wird, könnte das durch die notwendigkeit ein großes sparpaket zu schnüren zu einem verteilungskampf kommen.

ich verstehe in keinster weise, warum man nicht auch zumindest vorsichtig in bestehende pensionen eingreift. diwe asvg-höchstpension soll das maß der dinge sein. die alten furzer waren nämlich vielleicht vor 30 jahren hohe senatsräte o.ä. dafür haben sie auch mega kassiert. als pensionisten sind sie aber keinen deut wertvoller als arbeiter.

ich bin zwar alt, aber alles kann unmöglich die jugend und die noch berufstätigen schultern.

der pensionsvertrag hat für mich spätestens dann ein ende, wenn für so ein altes gfrast mit megapension 10 junge arbeiten müssen.

das hat doch nicht mehr das geringste mit gerechtigkeit zu tun.


und die kreditzinsen höher.

Anonym hat gesagt…

Lese-Tipp
www.sueddeutsche.de/kultur/zum-siegeszug-der-gruenen-die-stunde-der-heuchler-1.1078968

Christoph hat gesagt…

Von den deutschen Grünen sind die tiroler Grünen noch Atmonkraftwerke voneinander enfernt..

Die deutschen Grünen machen Politik!
Was du momentan machst hat nichts mit Politik zu tun...

Die Innsäuberung war das positivste Zeichen was du bisher abgeliefert hast und nichtmal das hat was mit Politik zu tun...

Anonym hat gesagt…

@christoph: bitte um definition von politik bzw. genaueren angaben zu den unterschieden, warum die dt. grünen politik machen und gebi mair nicht.

bei aller distanz zu gebi mairs arbeit - einfach blöd bashen ist noch kein rationales argument

Anonym hat gesagt…

Gebi Mair gibt einfach keine Antwort auf ökologische Fragen.
Danke!

Anonym hat gesagt…

Gebi Mair gibt einfach keine Antwort auf ökologische Fragen.
Danke!

Muffl hat gesagt…

Anonym, 30. März 2011 15:40,
hat natürlich insofern recht, als keiner der Polit-Blogger auf heikle Fragen online Antwort gibt!
Das wäre auch verkehrt, würde sie sehr angreifbar machen und entspricht nicht dem teflon-rollenbild.

Die "Politiker_innen" machen ihre (tägliche) "presseaussendung", unterstreichen damit ihre kompetenz, ihren fachverstand und ihr internes "standing" - schau z.B. wie die "Frau Stadträtin und Vorsitzende" ihren blog-output mittlerweile angekurbelt hat.

Und, als besonderes basiswapplerzuckerl, darfst du hier posten - und das immerhin: die Grünen lassen hier, wenn auch manchmal "für die Luft", einen sehr freien Dialog/meinungsaustausch zu - alle anderen Parteien verweigern diese Nähe völlig.

Dass so eine Plattform trotzdem kein Beichtstuhl ist und "alle deine fragen" nur der Nikolaus beantworten kann, sollte auch dir "Anonym" klar sein - trotz aller abstriche finde ich das mair-portal spannend.

Gebi Mair hat gesagt…

Naja, ich antworte auf so ziemlich alles hier. Aber dass ich auf die Frage "Magst du Reisgerichte?" nicht antworte und die Schlussfolgerung daraus offenbar ist, dass ich ökologische Fragen nicht beantworte, das halte ich aus ;-)