Montag, 29. Juni 2009

Ein Land für alle Generationen? Eher nicht.

Heute fand der von mir initiierte Sonderlandtag zur Jugendarbeitslosigkeit in Tirol statt. Wir haben 4.000 arbeitslose Jugendliche, um 1.000 mehr als im Vorjahr. Das sind 1.000 Jugendliche mehr mit Frustration, 1.000 Jugendliche mehr ohne Einkommen, 1.000 Jugendliche mehr mit enttäuschten Hoffnungen, 1.000 Jugendliche mehr ohne konkrete Perspektive.

Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass der Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit auch ÖVP und SPÖ ein Anliegen wäre. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Wirtschaftslandesrätin Zoller-Frischauf (ÖVP) erklärte, Tirol stehe im Vergleich mit dem Rest der Welt gut da. Landtagsabgeordneter Gurgiser (Ex-FRITZ) erklärte sogar, es geben überhaupt keine Jugendarbeitslosigkeit, sondern einen mangel an interessierten Jugendlichen. Und in diesem Ton ging es dann weiter. Die aktuelle Stunde im Landtag konnte die Regierung nicht verhindern. Dann aber wurden die 13 oppositionellen Dringlichkeitsanträge zum Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit einfach niedergestimmt, ohne eine Diskussion zuzulassen. Jugendarbeitslosigkeit? Kein Anliegen der Regierung. Ein Land für alle Generationen? Wohl eher nicht.

Hier der Fernsehbericht von ORF Tirol heute dazu.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe soeben auf www.ams.or.at eine Jobsuche gestartet.
Kriterien:
offene Lehrstellen in Tirol

Resultat nach Bezirken:
Imst: 67
Innsbruck: 181
Kitzbühel: 235
Kufstein: 84
Landeck: 124
Lienz: 56
Reutte: 46
Schwaz: 127

Macht fast 1000 freie Lehrstellen!!!! Und das zu einer Zeit, wo die Betriebe eigentlich schon längst Lehrlinge eingestellt haben.
Da muss aber auch noch etwas anderes falsch laufen, glaubst nicht?

Anonym hat gesagt…

klar läuft viel schief. die kinder werden in der regel auch in den schulen auf das spätere berufsleben falsch vorbereitet. berwerbungsschreiben sind gewöhnlich für den hugo, es heisst klinken putzen. die kinder müssten viel selbständiger aus der schule entlassen werden. meine meinung.

trotzdem ist die jugendarbeitslosigkeit nicht wegzuleugnen. besonders fies finde ich die bemerkung von herrn gurgisser, der 3 bezüge einstreift. auch kann man die lehrlingssuchenden nicht mit offenen stellen, die in der regel aus schwarzen schafen bestehen, gegenrechnen. ein lehrling muss die gesamte lehrzeit beschäftigt werden und nicht nur die probezeit.
jedenfalls waren noch nie soviel junge leute ohne job, das wird jeder zugeben. hier etwas schön zu reden ist unsinn.

ich finde, dass die derzeitige regierung die leute auf geradezu peinliche art für dumm verkaufen will. was wäre dabei wenn tirolweit eine lehrlingsoffensive, die den namen auch verdient, gestartet würde und unternehmen, die monatlich immer wieder lehrlinge vertschüssen und neue suchen sich entsprechend zu rechtfertigen hätten?

Anonym hat gesagt…

welche 3 bezüge hat der gurgiser denn? im übrigen könnte man meinen er stehe mittlerweile auf der gehaltsliste der övp, bei dem stuss, der der verbreitet.

Flo hat gesagt…

I glaub dass die offenen Lehrstellen zumeist im Tourismus sind - und der ist halt für viele (verständlicherweise) nicht sonderlich attraktiv.

Gebi, weil du den Herrn Gurgiser kritisierst, weil er meint, es gäbe einen Mangel an interessierten Jugendlichen. Dem muss ich leider beipflichten. Sicher kann man nicht alle in einen Topf werfen, aber ein Großteil der Jugendlichen, die keine Lehrstelle bekommen - sind schwer vermittelbar oder haben schon Lehren abgebrochen - klar dass ich die dann als Unternehmer nicht einstelle. Wieso auch?

Die guten und einigermaßen engagierten haben wohl auch in Zeiten wie diesen weniger Probleme, eine Lehrstelle zu finden.

Gebi Mair hat gesagt…

Ich glaub der Gurgiser hat nur 2 Bezüge, oder? Als Landtagsabgeordneter und als Prokurist von Stahlbau Fritz. Oder kriegt er vom Transitforum auch etwas?

Klar sind Lehrstellensuchende auch nicht immer einfach. Aber ich glaube dass man am Verständnis auch etwas ändern sollte: Ein Lehrling ist nicht einfach eine billige Arbeitskraft, eine Lehre ist vor allem eine Ausbildung. Und von der Schule schmeißt man schwieriger Leute auch nicht gleich, oder? Bei Lehrlingen scheint es hingegen normal zu sein, dass schwierigere Jugendliche überhaupt keine Ausbildung bekommen.

Gebi Mair hat gesagt…

Jetzt ist mir das dritte Gehalt vom Gurgiser eingefallen:

1. Landtag
2. Stahlbau Fritz
3. Kammerrat in der Arbeiterkammer

Also doch drei.

Anonym hat gesagt…

als lehrling übernimmt man aber auch schon verantwortung. nicht so wie in der schule, wo nichts passiert, wenn man nichts tut oder blödsinn macht.
stell dir mal vor, ein kfz-mechaniker lehrling erneuert deine bremsen. welch wunderbares gefühl, wenn auf diesen mitarbeiter kein verlass ist.
kleine firmen können es sich nicht leisten, dass einer ihrer mitarbeiter faul und unuverlässig ist.
ich arbeite in einem labor, welches chemische analysen durchführt. glaub mir, es ist verdammt scher jugendliche zu finden, die ordentlich rechnen können. beim kopfrechnen ist spätestens aus.
dann kommt noch dazu, dass es ab und zu auch richtige drecksarbeit ist.

das bildungsniveau (allgemeinbildung), benehmen und auftreten haben sich in den letzten jahren extrem verschlechtert.
schuld sind zum einerseits das aufweichen des schulsystems (aufsteigen mit 5ern, usw) und die erziehung der eltern. besser gesagt die nicht-erziehung.

Anonym hat gesagt…

wenn a lehrling koane bremsen einbauen kunn, so liegt wohl das in erster linie am ausbildner und nit in der schul, die er vorher besucht hat...

Anonym hat gesagt…

... dass die schulen nit unbedingt die leut aufs leben vorbereiten, stimmt. da muss i dir recht geben.

aber dass es arbeitslose gibt ist unbestritten. wurst, welle gründe. umso nötiger wäre eine lehrlingsoffensive des landes inkl. bildungsschub bei der lehrlings- UND ausbilder-bildung!

Anonym hat gesagt…

@anonym um 06:43:
stellst dich absichtlich dumm?
wie man bremsbeläge erneuert, ist eines der ersten sachen die man als lehrling selbstständig durchführen kann. jedoch MUSS die firma sich darauf verlassen können, dass der lehrling die arbeit sorgfältig und ordentlich ausführt!!!!!!

es ist echt bemerkenswert, dass immer die anderen die schuld bekommen. die schule bereitet nicht aufs leben vor (in der schule soll man bis 14 jahren auch nicht arbeiten lernen, sondern grundlagen wie lesen, schreiben, etwas englisch, usw), die ausbildner, die firmen, usw.

aber keinenfalls die jugendlichen selbst. und auch nicht deren erziehung. nein, das ist schon o.k., wenn man zwar mit 12 schon sauft und raucht, mit 14 die ganze klasse durchgevög... hat, mathematisches wissen eines 10-jährigen besitzt (keine ahnung wie man 10% von 100 Euro im Kopf ausrechnet), null respekt vor erwachsenen, ihr ganzes leben nie ein werkzeug in der hand gehabt (dafür aber super geschulot im umgang mit der spiele-konsole), am pc zwar jedes spiel können, aber keine tabelle im excell erstellen können,......
das alles ist nicht schuld.

Anonym hat gesagt…

Also die Sache mit den nicht interessierten Jugendlichen find ich super.
Habe ebenfalls mal im AMS nachgeschaut wie viele Techniker gesucht werden. Laut meiner Zählung waren es 27 in Tirol aber ohne Gewähr.
Im Moment sind auch die Maturas der HTL´s vorbei. Das sind Jenbach, Fulpmes, Imst, und 2x Innsbruck und jeweils die verschieden Zweige. Alle, die jetzt keinen Job als Techniker oder ähnliches bekommen, sind dann wohl desinteressiert.

Flo hat gesagt…

Zitat: Bei Lehrlingen scheint es hingegen normal zu sein, dass schwierigere Jugendliche überhaupt keine Ausbildung bekommen.


Ein Beispiel dazu: Die Enkelin einer Kollegin von mir hatte eine gute Lehrstelle bei einem Friseur. Nach der Probezeit musste sie gehen, schlecht im Geschäft, schlecht in der Schule (nur 5er). Ok - sie hat von einem anderen Friseur eine Chance bekommen, auch da wurde sie gegangen. Dann hat sie eine Zeit lang nichts gemacht (außer sich für Buben intressiert) - und vor kurzem hat sie beim Spar gehackelt - bis das erste verlängerte Wochenende kam - und sie sich krankgemeldet hat. Ich hab sie zu diesem Zeitpunkt mit ein paar Burschen in meinem Heimatort herumlungern sehen. Wer soll so eine noch anstellen??? (die noch dazu nicht einmal 50% von einem Wert ausrechnen kann im Kopf)

Auch in meiner eigenen Lehrzeit sind mir solche Lehrlinge in meinem Betrieb untergekommen (eine um der ich mich im 3. Lehrjahr gekümmert hab, ist zu meinem Chef und hat geweint, weil ich ihr Arbeit gegeben hab. Habs dann gelassen und mir des alles selbst gemacht). Des witzigste war überhaupt bei der Lehrabschlussprüfung, wo ich ein Gespräch von 2 Einzelhandelskauffrauen mitgehört hab, wo die eine nicht mehr wusste was brutto und was netto ist...

Traurig, aber solche Fälle sind weiß Gott nicht selten!

Anonym hat gesagt…

stimmt!

auch bei uns in der firma kriegen wir nur lehrlinge die von vornherein nicht wollen, nichts können und ein zeugnis mit lauter fünfer haben.

für die schule z´deppert und dann wird der werte sohnemann oder gnädiges töchterlein einfach in die lehre geschickt.

faul, frech, krankenstände ohne ende und von zuhause aus noch die unterstützung "mei der arme bub / es madl, so böse chefs"...

wir brauchen keine lehrfratzen mehr, a hilfsarbeiter kann mehr, machts besser und kommt aufs jahr gerechnet sogar oft billiger und vor allem nervenschonender.

also gebi, nit die politik ist dafür verantwortlich das keiner mehr lehrling will - sonder die assoziale gesellschaft selber!

Anonym hat gesagt…

klar müssen den lehrlingen die tätigkeiten laut berufsbild - und nit nur nach gusto - gezeigt werden. wenn eine friseuse lauter fleck hinlegt und auch praktisch unbeholfen ist, so hat - das ist nunmal so - der lehrherr zumindest kein gspür für leut.
lehrlinge sind keine putzer, sondern gehörten ausgebildet. und jeden vertrottelten gesellen kann man junge menschen auch nit anvertrauen.
es fehlt auch an gesprächen. den firmen muss doch klar sein, dass der lehrling null praxis hat und aus der schule kommt.

ein guter und motivierter lehrling ist für jede firma ein gewinn.

faule lehrlinge hat es immer gegeben - früher sogar mehr, weil viel stärkere geburtenjahrgänge waren. trotzdem explodiert jetzt die arbeitslosigkeit bei den jungen menschen.

da ghört was getan - und nit bloß weg gsehn.

Anonym hat gesagt…

Wer faul is, nix kann, miese Noten hat und damit erwartet nen Roten Teppich vor die Füße zu bekommen kann nix anderes erwarten.

Bei 1000 offenen Lehrstellen contra 4000 suchenden kanns nicht nur an den Angeboten liegen.
Deutscheo der Amerikaner sind 100 mal mobiler. Ostdeutsche sind zuhauf als Lehrlinge im Tourismus und anderen Branchen.

Und nur weil ein Kufsteiner zu faul ist nach Imst zu siedeln für seine Lehre, brauchts einen Sonderlandtag?

Anonym hat gesagt…

die 4000 sind ja auch nicht alles lehrstellensuchende....

Zangerl hat gesagt…

lassts bitte die deitschen aus'm spiel. wenn ich ostdeutsche schon hör. ich geh nicht mehr zum ruetz, seitdem dort so eine piefke-trulla brötchen verkauft. und sie sein überall.

zum anderen anonymen: "faule lehrlinge hats immer schon gegeben" - das stimmt - aber dazu kommt heute, dass das niveau der hauptschulen, v.a. in der stadt, eine katastrophe ist: viele beherrschen nach 4 jahre hauptschule noch nicht einmal die grundrechnungsarten, können kein formular ausfüllen und glauben, das geld kommt vom papa.
da ist eine generation von träumern am weg, der man alles vorkauen und am besten auch noch hineinschieben muss.