Mittwoch, 28. Dezember 2011

Gewinn und Verlust

Dass es der Hypo Tirol Bank schon länger nicht wahnsinnig gut geht, ist bekannt. Im Jahr 2009 wurde deshalb von Landeshauptmann Platter (VP) ein Modell vorgestellt, wo durch private Investitionen das Kernkapital der Bank gestärkt werden sollte. Bis zu 100 Millionen Euro konnten in Form von Partizipationsscheinen gezeichnet werden, und zwar nur von institutionellen Investoren. Gezeichnet wurden schließlich 55 Millionen Euro von Tiroler Unternehmen im ÖVP-Umfeld.

Ich hatte damals das Modell als sehr teuer kritisiert, und zwar deshalb: Den privaten Investoren wurde eine Sicherung durch Landeshaftung geboten, und darüber hinaus 5% Verzinsung, wenn die Hypo Tirol Gewinn macht. Das ist natürlich ein sensationelles Angebot: 5% ohne Risiko. Der Prospekt beschreibt dies auch so.

Es gab aber eine wichtige Auflage der EU-Kommission: Die 5% dürfen nur an die privaten Investoren ausgeschüttet werden, wenn die Bank Gewinne macht, und für diese Gewinne dürfen keine Rücklagen aufgelöst werden. Das heißt, für die Gewinne der privaten Investoren darf der Kern der Bank nicht angegriffen werden.

In den vergangenen zwei Jahren wurde gegen diese Bestimmung verstoßen. Der Gewinn für die privaten Teilhaber war nur möglich, indem auf Rücklagen zurückgegriffen wurde. Auch heuer, wo die großen Verluste der Bank vom Land getragen werden müssen, war dies der Plan. Sogar in der Finanzmarktaufsicht griff män sich auf den Kopf: "Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren", das sollte wohl das Prinzip der Landesbank sein, zu Gunsten ÖVP-naher Unternehmer.

Sogar das Bankwesengesetz ist hier nicht so frech: Nach § 23 des BWG sind Partizipationsscheine nämlich eigenkapitalähnliche Genussscheine, deren Inhaber sowohl an den Gewinnen wie auch an den Verlusten der Emittenten teilnimmt. Das heißt: Wenn die Bank einen Verlust macht, dann soll das auch die Partizipationsscheininhaber etwas kosten.

Nun ist auch der Landesbank aufgefallen, dass es heuer zu frech wäre, die privaten Investoren an den Gewinnen zu beteiligen und alle Verluste dem Land zu lassen. Gestern gab es deshalb die folgende Presseaussendung:

Innsbruck, 27.12.2011: Die zusätzlichen Kreditvorsorgen für die Kreditaltlasten in Italien in Höhe von 120 Mio. Euro verursachen einen Verlust in der Hypo Tirol Bank AG für das Jahr 2011.
Diese Vorkommnisse führen in weiterer Folge dazu, dass es der Hypo Tirol Bank – sowohl den gesetzlichen Vorgaben (Bankwesengesetz) als auch den Emissionsbedingungen entsprechend – nicht gestattet ist, Zinsen für Ergänzungskapitalanleihen im Jahr 2012 auszuschütten. Davon betroffen sind folgende Titel: ISIN: AT0000332598, AT0000A01VC5, AT0000333026, AT0000339601, AT0000A01U97, AT0000470174, AT0000332804, AT0000333117, AT0000339726

Das ist immerhin einmal ein Anfang. Ich frage mich aber: Sollten die Halter von Partizipationsscheinen nicht auch am Verlust der Bank beteiligt werden? Wie beteiligen sie sich an den enormen Abschreibungen der Hypo Tirol Bank? Muss nur das Land massiv Eigenkapital zuschießen, oder trifft es auch die ÖVP-nahen Investoren?

Günther Platter, wie schaut es mit der Gerechtigkeit in Tirol aus? Angesichts der schlechten Umfragewerte für den Landeshauptmann, die die Tiroler Tageszeitung heute veröffentlicht hat - zum Beispiel bei der Lösungskompetenz - wäre das hier eine Gelegenheit, Flagge zu zeigen. Zahlen nur die Steuerzahler oder zahlen auch die Unternehmen im ÖVP-Freundeskreis?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Kann eigendlich jeder tun was er will? Es gibt eine Auflage der EU Kommission und die Tiroler Hypo hält sich nicht daran. Wie kann soetwas sein? Warum muß der Bank mit Steuergeld geholfen werden wenn sie dann 5% von Gewinnen auszahlt die es gar nicht gibt? Warum ist in die Tirol die ÖVP so ein Sauhaufen geworden. Warum sind nur Unternehmer und Bauern etwas wert? Warum ist das so? Warum ist der Landeshauptmann nichts wert?

Anonym hat gesagt…

Ja, auch an der UMIT beispielsweise konnte und kann man tun was man will (und auch das kostet(e) nicht nur dem Steuerzahler viel Geld) - ohne Konsequenzen, das macht Schule.
Ein abgeschaffter Untersuchungsausschuss am Landtag wegen dem Entzug der Akkreditierung 2010 - das macht Schule.
Keine Konsequenzen!!

unwählbar hat gesagt…

für weitere entscheidungen fehlen die grundlagen, vorschnelle schlüsse soll man auch keine ziehen, aber der günther platter soll jetzt alles gleich sagen. vielleicht will er sich aber auch erst ein exaktes bild machen, bevor er vorschnelle schlüsse zieht, oder eine entscheidung ohne grundlage fällt. vielleicht tut er ja genau das, was du verlangst und tut dadurch genau das nicht, was du auch verlangst!?!
ich weiss, das ist konfus, aber du verlangst auch konfuse dinge.

ich denke, man sollte erst exakt nachforschen, wo und vor allem wer die ursache des hypodebakel ist und dann schlüsse ziehen und auch schuldige verurteilen. einfach gegen lh platter zu schiessen ist natürlich einfach, aber glaubst du wirklich, günther platter hat das modell, das er damals vorstellte, selbst ausgearbeitet?

Anonym hat gesagt…

Mit dem heutigen Artikel der Tageszeitung zu argumentieren, halte ich angesichts des katastrophalen Ergebnisses für die Grünen ziemlich gewagt...:-)
Angesichts dessen solltest du, lieber Gebi, dir evtl. auch mal die Frage stellen, ob dein populistisches Gezeter und deine mediale Schreierei wirklich so gut ankommen, wie du vielleicht glaubst...nur so als Denkanstoß!

Anonym hat gesagt…

Hallo Gebi!
Ist die Abwicklung der Beschaffung und Auslieferung der Luxus-Mercedes an die nordkoreanische Diktatur über dich gelaufen? Wieviel ist dabei für dich abgefallen?
Lt. deutschen Medien war wieder einmal das neutrale Österreich im Spiel.
Typisch!

Anonym hat gesagt…

Mein Beileid!

Anonym hat gesagt…

@unwählbar: ob er das modell selbst ausgearbeitet hat ist sicher eine gute frage. fakt ist aber, dass er das modell als geeignet und gut befunden hat, sonst hätte er es nicht vorgestellt und beschließen lassen.

unwählbar hat gesagt…

da hast du schon recht, allerdings sollten politiker nicht glauben, immer selbst die experten zu sein und manchmal werden sie sich wohl auf (vermeintliche) echte experten verlassen müssen. das birgt natürlich die gefahr, dass wenn der (vermeintlich) echte experte einen fehler macht, dann fällt es auf den politiker zurück.

zum beschließen gehören dann ja auch mehrere dazu als nur der platter, also haben sich wohl mehrere auf jemand anderen verlassen.

nur gehört das jetzt genau und lückenlos aufgeklärt und das wird halt auch seine zeit brauchen...

Anonym hat gesagt…

hi gebi!
Meiner Meinung nach haben sich einige leute ernstlich darum bemüht die hypo zu stabilisieren.
Ich habe beruflich (als kreditnehmer)mit der hypo zu tun und hatte immer das gfühl gut beraten zu werden.
Das italiendesaster haben gierige, größenwahnsinnige und unfähige banker verursacht. Die sollten zur verantwortung gezogen werden.
Den landeshauptmann oder die ganze övp einfach immer anzuschütten find ich eher primitiv und macht bei mir den eindruck, dass keine sachkompetenz vorhanden ist.
Ich bin sehr für eine kritische oposition, aber bitte mit einigermaßen niveau!
Gebi, ich möchte dir nur den rat geben: überlege dir wie das oftmals niveaulose gezeter auf kritische wähler wirkt!!
wäre schade, wenn du deine chance vergeben würdest!
Ich wünsche dir und deinen freunden einen guten rutsch und viel erfolg im neuen jahr!
Ein politisch interessierter bürger

Anonym hat gesagt…

dass die hypo schlecht geführt wird, weiß jeder der rechnen kann. die schlechten umfragewerte platters zu kritisieren, ist wohl pflicht der opposition. die "schlechten" umfragewerte sind aber jene im vergleich vorherige schwarzer kaiser in tirol und nicht etwa im bezug auf den fröschen. die grünen haben trotz bescheidenem ergebnis weiterhin verloren. warum schreibst denn auch das nicht, wenn schon so für offenheit bist?
der platter ist nicht der generaldirektor der hypo. sehr wohl kann er aber viel tun - da geb ich dir recht. z.b. die geradezu beamteten bankangestellten mit ihrem schneckentempo im schalterbereich reduzieren und durch arbeitswillige ersetzen. und den vorstand komplett erneuern...

übrigens war der große gewinner der meinungsumfrage, die dich offenbar trotz miese so freut, die fpö. vielleicht gehst ja mit dem ddr. königshofer aufgrund dieses erfolges vermutlich dank deiner werbung einen trinken?
das zeug zum blauen propagandaministers hättest auf jeden fall.

Anonym hat gesagt…

dein kommentar spricht für sich, da möcht i gar nix dazu sagen.
Nur deine unterstellung, daß i mit den blauen etwas zu tun habe ist total daneben! Dieser verstrittene haufen kotzt mich echt an!
Allerdings ähnelt der gebi mit verallgemeinerungen schon ziemlich dem blauen strache, offensichtlich gefällt dem gebi die art der opposition, wie sie strache betreibt, schade!!

unwählbar hat gesagt…

der hypo vorstand wurde bereits erneuert, nur wurde das getan, bevor der gebi laut aufgeschrien hat. Markus Jochum wurde im Jahr 2010 von der TiSpa abgeworben. Er war dor seit 1979(!) angestellt, also hat schon Bankenerfahrung gesammelt, da hats den Gebi noch gar nicht gegeben! Trotzdem hat er einen befristeten Vertrag bekommen, der bis 2015 gilt! So viel zu den Kompetenzen... Ich denke, dass sehr wohl schon länger gearbeitet wird und die Fehler der Vergangenheit Schritt für Schritt behoben werden. Dass der Gebi immerwieder etwas braucht, um auf den Platter loszugehen, das braucht man nicht mehr betonen. aber wer weiss, vielleicht versteht ja irgendwer bei den Grünen, dass das nicht das niveau ist, auf das sie hingehören, wenn die umfragewerte weiter fallen, ansonsten vielleicht nach der nächsten wahl...