Donnerstag, 22. September 2011

Wie macht die TIGEWOSI ihren Gewinn?

Die TIGEWOSI ist ein großer gemeinnütziger Bauträger im Besitz von Stadt Innsbruck und Land Tirol. Im gestrigen Finanzkontrollausschuss des Landtages gab es dazu ein spannendes Detail, wie die TIGEWOSI an ihren MieterInnen verdient: mit den Hausverwaltungskosten. Das läuft dann so:

Die gemeinnützigen Bauträger haben einen Pauschalbetrag, den sie höchstens für die Hausverwaltung verrechnen dürfen: 171,82 Euro.
Die gemeinnützigen Bauträger haben aber nicht nur einen Pauschalbetrag, sondern tatsächliche Kosten, die für sie entstehen, bei der TIGEWOSI:  118,03 Euro.
Und dann gibt es noch einen Betrag, der tatsächlich von der TIGEWOSI verrechnet wurde: 141,85 Euro.

Also:
Erlaubt: 171,82 Euro
Tatsächliche Kosten: 118,03 Euro
Verrechnet: 141,85 Euro

Was die TIGEWOSI macht, ist also nicht ungesetzlich. Aber unanständig. Pro Wohnung verdient die TIGEWOSI so an der Hausverwaltung 23,82 Euro an Überschuss im Jahr. In Summe kommt da auch einiges zusammen. Und weil das leider nicht der einzige Fall ist, wo man lieber ein paar Euro mehr verrechnet (von der Eigenmittelverzinsung bis zu den Auslaufannuitäten), kommt am Ende ein satter Gewinn heraus, den die MieterInnen bezahlen. Ob das gemeinnützig ist?

Kommentare:

Franz Gschnitzer hat gesagt…

Hallo Gebi,
ich stimme ja grundsätzlich mit vielen Punkten, die Du kritisierst überein, den Sachverhalt, den Du iZm der TIGEWOSI darstellst, finde ich aber schon sehr vereinfacht. Es ist ja nicht so, dass das Delta zwischen dem verrechnetem Preis für die Hausverwaltung und den Kosten, die der TIGEWOSI hiefür entstehen, eins zu eins in den Jahresüberschuss fließt. Wenn Du schon beklagst, dass die TIGEWOSI "Gewinn" mache, dann bitte sei doch so fair und informiere uns über die ganze GuV der TIGEWOSI. Derartig verkürzte Darstellungen führen leider dazu, dass uns ein Verständnis für wirtschaftliche Prozesse und langfristige - nachhaltige - Investitionen abgesprochen wird - zu recht?

Liebe Grüße

Franz Gschnitzer

Gebi Mair hat gesagt…

Wo fließt der Gewinn aus den Überschüssen der Hausverwaltung dann hin wenn nicht in den Jahresüberschuss der TIGEWOSI? Wenn der Gewinn irgendwo anders hin fließt, dann ist die Sache ja umso tragischer, oder?

Franz Gschnitzer hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Franz Gschnitzer hat gesagt…

Nein... Auch die TIGEWOSI wird - wie viele andere Unternehmen der öffentlichen Hand - MEHRERE Dienstleistungen erbringen. Die TIGEWOSI ist ja nicht nur Hausverwalterin, oder? (laut Website: Projektentwicklung - Baumanagement - Sanierung - Hausverwaltung) Die eine Dienstleistung erwirtschaftet isoliert betrachtet Überschüsse, die andere macht Verluste. Ohne dass Du uns die gesamte (Sparten-)GuV erläuterst, ist die von Dir gemachte Aussage UNSERIÖS! Nach meinem Dafürhalten ist nur eine Gesamtbetrachtung des Unternehmens zulässig. Alles andere ist unqualifizierte Polemik.
"Grün" zu sein heißt, sein Leben nach ganz bestimmten Werten auszurichten. Einer dieser Werte ist - für mich zumindest - Gerechtigkeit. Wenn Du Probleme betreffend die Geschäftsgebarung der TIGEWOSI zugetragen bekommst, dann decke sie auf, mach uns darauf aufmerksam. Oppositionelle Kontrolle ist ein zentrales Instrument der Demokratie. Lasse Deine Aussagen aber immer auch daran messen, ob Du - egal wer es ist, eine juristische Person wie die TIGEWOSI oder eine Erdenbürgerin oder ein Erdenbürger - die Betroffenen GERECHT behandelst. Beispiel durch Vorleben!
Beste Grüße
Franz

(habe das vorhergehende Post gelöscht, weil ich noch etwas ändern wollte)

Gebi Mair hat gesagt…

Die TIGEWOSI ist in erster Linie aber nicht nur ein öffentliches Unternehmen, sondern auch ein gemeinnütziger Bauträger, und als solcher unterliegt sie dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz. Als Gesetz über das "Volkswohnungswesen" hat das WGG dabei klare Intentionen, und die heißen: Nicht mehr (aber auch nicht weniger) als die tatsächlich entstehenden Kosten verrechnen.

Die Hausverwaltung ist einer der drei großen Gewinnposten der TIGEWOSI (allein daraus entstehen 500.000 Euro Gewinn im Jahr). Andere große Gewinnposten sind weiterverrechnete Auslaufannuitäten und erhöhte Eigenkapitalverzinsung.