Donnerstag, 26. September 2013

"Freiwillig" an BILLA zahlen

Wenn die Rechnung beim BILLA 9,90 ausmacht sag ich schon mal "passt schon". Mir tun die zehn Cent nicht weh und die Kassierin kann das Geld brauchen, denke ich mir dann. Ich habe selbst einmal einen Sommer beim Bäcker "Baguette" gearbeitet und mich immer gefreut, wenn ich mir ein bisschen etwas vom Retourgeld behalten konnte - das Gehalt war schließlich eher mickrig. Nun bin ich aber stutzig geworden. Das Geld bleibt nämlich nicht bei den KassierInnen.

"Freiwillig" würden MitarbeiterInnen beim BILLA bei ihrer Einstellung unterschreiben, dass das sogenannte "Mankogeld", also die paar Cent von den KundInnen nicht zurückgenommenes Retourgeld nicht bei ihnen selbst bleibt, sondern an BILLA geht. Das hat mir BILLA auf eine entsprechende Frage geantwortet. Meine Nachfrage, ob jemand der nicht "freiwillig" auf dieses Geld verzichten will dann nicht eingestellt wird blieb bisher unbeantwortet.

Ein starkes Stück finde ich. KassierInnen können das Geld gut gebrauchen und freuen sich über ein paar Euro extra im Monat denke ich mir. MitarbeiterInnen schon bei ihrer Einstellung dazu zu bringen, dieses Geld "freiwillig" weiterzugeben war bisher außerhalb meiner Vorstellungskraft. Was ist, wenn das Schule macht? Und KellnerInnen ihr Trinkgeld dann auch "freiwillig" an die Restaurantleitung abgeben müssen. Und FriseurmitarbeiterInnen ihr Trinkgeld auch nicht behalten dürfen? Ich glaube, das Prinzip ist erkennbar.

Ich finde, es würde auch BILLA gut anstehen, wenn sie diese paar Cent ihren MitarbeiterInnen gönnen würden. Oder gönnt man dort den MitarbeiterInnen gar nichts? Und was macht eigentlich die Gewerkschaft?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

So viel zum Hausverstand von Billa... Laut Werbung wird das aufgerundete Geld im Moment für einen guten Zweck gespendet. Ich hab mich schon gewundert, dass sich die KassiererInnen da nicht wehren...

Anonym hat gesagt…

Ja, mit diesem guten Zweck schafft sich BILLA (übrigens u.a. auch Penny Markt) eine gute Publicity (jö, schau, wie sozial die sind!), aber die Angestellten, die eh schon für einen Hungerlohn schuften, schauen durch die Finger. Erbärmlich!!!!!

Anonym hat gesagt…

Ist auch bei McDonalds so, zumindest hat mir das eine Angestellte so gesagt. Das "Mankogeld" muss in der Kasse bleiben und wird vom Unternehmer einkassiert.

Anonym hat gesagt…

Ach, da kommen Sie heute schon drauf, dass das so ist. Nicht nur bei Billa, auch bei anderen Unternehmen. Reden Sie denn so selten mit Verkäuferinnen und anderen kleinen Leuten?

Anonym hat gesagt…

Was macht die Gewerkschaft? Sobald sie Meldungen bekommt, kann sie dem nachgehen. Da aber niemand aus Angst um den Job eine Meldung macht, wird sie das vermutlich auch nicht wissen. Außerdem kann sie vor Gericht nur konkrete Fälle einklagen. Es sei denn, der Betriebsrat wendet sich an sie. Die Frage muss sinngemäß also lauten: Warum wendet sich der BR nicht an die Gewerkschaft? Da ich bei der Gewerkschaft bin, weiß ich, dass sie regelm. mit dem Handel im Clinch liegt. Es blockiert aber oftmals die Wirtschaft, die mit Deiner inzwischen geliebten ÖVP verbandelt ist. Legendär sind schon die jährlichen Theater im Sozialbereich. Der BAGS wird immer erst lange nach Beginn eines neuen Jahres abgeschlossen. Weil Sozial- und Frauenarbeit in unserer Gesellschaft wenig wert ist. Aufrufe diesbezüglich findest Du dann meistens bei ganz Linken im Internet. Von Grünen, die oft selbst auf besseren Posten in diversen Vereinen sitzen, hört man da eher wenig. Im Sozialbereich sind übrigens haufenweise Überstunden, burn-out und Dienste mit 24 und mehr Stunden an der Tagesordnung. Der ÖGB schreitet schon ein, wenn er davon Wind bekommt. Die Realität ist allerdings, dass die Menschen auch dort um ihren Job fürchten. Und oft schweigen. Viele Sozialbetriebe stufen mit Tricks auch falsch ein. Dann arbeitet eine klin. Psychologin plötzlich in Stufe 6-7 anstatt in Stufe 9. Inoffiziell wird ihre Ausbildung als Zugabe natürlich geschätzt. Solange sie unbezahlt bleibt. Auch in grün orientierten Vereinen. Ad KassiererInnen: die brauchen ein ordentkiches Gehalt und keine Almoosen alla Caritas und Co. Und eine leistbare Wohnung. Dein Posting zeigt uns aber wieder, dass auch die Grünen in puncto Soziales in einer Traumwelt leben. Fernab jeglicher Realität. Tja. Und deshalb sind sie in D auch wieder hinter der Linken. Du blamierst Dich mit solchen Postings nur. Weil sie an den wahren Problemen, die weit tiefer liegen, vorbei gehen. Nicht zuletzt deshalb wird die Kassiererin, je nach politischem Bewusstsein, rot oder blau wählen. Aber sicher nicht grün. Sie kann selbst, wenn sie die zehn Cent behalten darf, nicht auf die Mildtätigkeit eines/einer Grünen hoffen. Sie muss ihr Geld im Voraus einteilen. Und am 20. oft zum Sozialamt "betteln" gehen. Sofern dies aus Scham nicht unterlässt. Immerhin könnte ihr dann ja von Deiner ÖVP harsch vorgeworfen werden, sie lege sich faul in die "soziale Hängematte". Da ist es dann gleich besser, sie bekommt einen Nervenzusammenbruch und läßt sich in die Psychiatrie einweisen. Dann darf sie hoffen, dass dort ein Bett für sie frei ist. Und dass die Oma inzwischen netterweise die Kinder beaufsichtigt. Oh wie schön ist doch Tirol! Die wunderbare Natur, der Piz Val Gronda, Natura 2000, ein vollklimatisierter Bus nach Lienz, die beste Landesregierung aller Zeiten, Kulturwandel inkl. So schön, dass man es kaum erträgt und am liebsten den nächsten Zug oder den nächsten Flieger nehmen würde. Gehts uns nicht super?

Anonym hat gesagt…

Lieber Gebi,

Ich find es toll, dass du das recherchiert hast. Ein bisschen hab ich das schon vermutet, seit ich gehört hab, dass das bei McDonalds auch so ist. Den Nebensatz auf die Gewerkschaft hättest du dir aber wirklich sparen können. Denn die Betriebsrätinnen und Betriebsräte kämpfen tagtäglich hart um die Situation ihrer Kolleginnen und Kollegen zu verbessern. Aber ich bin mir sicher du hast auch mit ihnen gesprochen? ;-)

Anonym hat gesagt…

das mit dem Trinkgeld ist im öffentlichen dienst schon längst passe - z.b. "die mull sagt frohe weihnachten" aber auch jede geschenkannahme ist im öffentlichem dienst schon längst verboten. das könnt ihr grüne jetzt ja in Innsbruck wieder einführen.
hast halt vermutlich dem knackigen kassierer von der billa ecke erlerstraße, also wo du wohnst, ein Trinkgeld geben wollen.
sieht man das ganze unternehmerisch, dann muss man klar sagen dass eine gewisse "selbstständigkeit" im kassenbereich zu "selbstständigkeiten" verleitet. abgeschnittene haare kannst halt kaum klauen...
aber dass die löhne "unten" angehoben werden müssen und besonders bei den überbezahlten politikern wie du einer bist gestutzt, ist zumindest für mich so klar wie das amen deines Koalitionspartners.

Anonym hat gesagt…

Mair sorgt sich um das Trinkgeld der Billa-Kassiererin. Das sind jetzt die brisanten politischen Themen der Grünen. Die Baur sucht einen Parkplatz für Zigeuner. Und wenn Felipe jetzt noch die Bahnhofsmission reorganisiert, kommt endlich die Grüne Kompetenz voll zur Geltung.

Anonym hat gesagt…

Sozialpolitik alla Grüne Tirol: Betteln und Almoosen statt verbriefter sozialer Rechte! Kartons für Obdachlose und Massenspeisung anstatt warmer Unterkünfte! Kulturwandel alla grün in Tirol! Am Sonntag nicht doch lieber rot statt grün?????

Anonym hat gesagt…

Gibt es jetzt auch bei Bipa - scheint eine Rewe-Spezialität zu sein.

Anonym hat gesagt…

Warum wart ihr gegen die Erhöhung der Heizkostenzuschüsse für die vielen Nichtreichen Tiroler?

Anonym hat gesagt…

Ich selbst bin seit Jahren bei Billa Hauptkassier und es geschieht NICHT Frewillig dass wir das so genannte "Trinkgeld" an Billa weiter geben !

Das Mankogeld wird Monatlich von Billa mit dem Gehalt überwiesen und ist dafür da falls ein Minus in der Kasse ist das wir PRIVAT das mit den (bei mir) 14 Euro ausgleichen! Wir haben unsere Stammkunden und von denen lassen viele ein wenig Kleingeld bei uns mit der aussage "Passt scho" oder "der rest ist für sie/dich".
Ehrlich gesagt pfeiff ich auf die 14 Euro weil ich weitaus mehr Trinkgeld im Monat mach als 14 Euro ! ...

Wenn wir uns das "Trinkgeld" einbehalten droht uns sogar die Kündigung. Selbst kleine Presente wie ein Merci oder wie auch immer dürfen wir nicht annehmen aufgrund des Versuchs zu bestechen oder was weiss ich was. Wir haben nichteinmal die Option auf das Mankogeld zu verzichten und uns das Trinkgeld einzustecken ! ... Leider !