Montag, 11. November 2013

Viele kleine Schritte

Ein neuer Umgang mit der Geschichte Tirols ist keine Frage einer Verordnung. Ein neuer Umgang mit der Geschichte Tirols ist eine Frage der Entwicklung, un diese Entwicklung geschieht diskursiv. Deshalb braucht es auch viele kleine Schritte für eine neue Erinnerungskultur. Einer dieser vielen kleinen Schritte sieht so aus:

Seit 1981 wird der Emil Berlanda-Preis für zeitgenössische Musik vergeben. Benannt ist der Preis nach Emil Berlanda, der Mitglied im der NS-Ideologie nahe stehenden "Arbeitskreis Tiroler Komponisten" war - so widmete er etwa 1938 ein Stück Adolf Hitler zum 49. Geburtstag und schickte dieses an die Reichskanzlei in Berlin. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben. 2011 war dies zuletzt der Fall.

Feinspitzen ist schon aufgefallen, dass 2013 kein Emil Berlanda-Preis mehr vergeben wurde. Vor einer neuerlichen Vergabe des Preises will Kulturlandesrätin Beate Palfrader die Landesregierung befassen, um die Namensfrage zu diskutieren. Die neue Landesregierung wird dann eine Umbenennung des Preises vorschlagen.

Ich glaube das ist einer jener kleinen vielen Schritte, die wir brauchen und die es in der Vergangenheit nicht gegeben hat. Und dass beide Regierungsparteien, wie in der Tiroler Tageszeitung vom vergangenen Samstag geschehen erklären, sie würden den dem NS-Gauleiter gewidmeten Standschützenmarsch nicht mehr spielen ist wohl ein weiterer kleiner Schritt. Mögen viele kleine und größere Schritte folgen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Beide Regierungsparteien werden den dem NS-Gauleiter gewidmeten Standschützenmarsch also nicht mehr spielen.
Sehr interessant. Ich wusste gar nicht,dass die Regierungsparteien bisher diesen Standschützenmarsch gespielt haben. Bildeten unsere Regierungsparteien denn eine Blasmusikkapelle? Welche Instrumente haben die Grünen darin gespielt?
Warum bitten die Regierungsparteien denn nicht die Musikkapellen des Landes, dass diese den Standschützenmarsch wenigstens bei offiziellen Anlässen nicht mehr spielen.

Gebi Mair hat gesagt…

Ich habe Schlagzeug gespielt - 10 Jahre in der Musikkapelle Fulpmes um die Frage ganz genau zu beantworten.

Anonym hat gesagt…

Sie haben die Fragen natürlich nicht ganz genau beantwortet. Offen sind die Fragen:

Bildeten unsere Regierungsparteien denn eine Blasmusikkapelle? (Nachdem Sie ja schreiben, dass die Regierungsparteien ...)

Warum bitten die Regierungsparteien denn nicht die Musikkapellen des Landes darum, den Standschützenmarsch wenigstens bei offiziellen Anlässen nicht mehr zu spielen?

unwählbar hat gesagt…

formulierungen waren noch nie wichtig, wircklich wichtig ist doch nur, dass der gebi recht hat und das immer!

Anonym hat gesagt…

Also Herr Mair, der Umstand, dass Sie 10 Jahre lang Schlagzeug bei der MK Fulpmes gespielt haben, ist relativ interessant.

Viel interessanter wären aber konkrete Antworten auf meine beiden anderen Fragen. Es ist vielsagend, wenn diese ausbleiben.

A-Ferner hat gesagt…

die "regierungsparteien" lassen im offiziellen verlautbarungsorgan TT verkünden:

die regierungsparteienkapelle spielt den standschützenmarsch und ähnliches nur
mehr im keller, es war einer der vielen kleinen schritte ins untergeschoß.

..und welche instrumente spielen die grünen in dieser band?
die kleine blockflöte (frei nach den neben der SED in der DDR existierenden parteien,
wie CDU, FDP, Bauernpartei, die blockflöten genannt wurden)
das gleichnis passt.

Anonym hat gesagt…

Hat der Herr Mair DIE Regierungspartei noch nicht erreicht, damit sie ihm sagt, was er schreiben soll? Schaut jedenfalls ganz danach aus.

Anonym hat gesagt…

Unsere Arbeitslosigkeit explodiert bald ins Unermessliche, es droht eine gewaltige Krise etc. Was aber tut die LR? Sie spielt einen bestimmten Marsch nicht mehr, der schon längst hätte nicht mehr gespielt werden sollen und verlautbart dies als Erfolg. Vor allem die grüne Seite. Aber: Werden die Grünen jetzt dann endlich auch einmal zu wirtschaftlichen und sozialen Fragen aktiv? Deren Lösung halte ich nämlich für die allerbeste Prävention, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Meine Großeltern wussten es noch: Hitler konnte nicht an die Macht kommen, weil er so ein toller Kerl war. Viele von damals wussten nämlich, dass er eine lächerliche und mithin absurde Figur war. Was sich die Leute erhofften von ihm, war jedoch dies: Arbeit und ein besseres Leben. Unter diesem Aspekt votierten viele für den Anschluss, wobei sie das Grauenhafte an dieser Diktatur ausblendeten, sofern sie davon wussten. Eine kurze Zeit ging es der Mehrheit dann tatsächlich besser. Dann kam das böse Erwachen. Auch viele in der Partei glaubten damals, sie würden den "Verrückten" schon unter Kontrolle haben, was sich jedoch letztendlich als fataler Irrtum erweisen sollte: der "Verrückte" hatte die hypnotisierten Massen unter Kontrolle. Diese folgten ihm z. T. in blindem Gehorsam... und z. T. auch aus Angst. Manche leisteten aktiven, einige passiven Widerstand. Meine Großmutter war z. B. eine Meisterin des passiven Widerstands. Sie ging in die Kirche, verpfiff niemanden und trat der Partei nicht bei. Sie sagte auch niemandem, was sie wußte. Ihr war relativ schnell klar, dass es bergab gehen musste. Mit den Juden hatte sie Mitleid. Heldin war sie jedoch keine. Dazu fehlte ihr der Mut. Sie war damals aber auch noch jung. Gegen Ende des Krieges wagte sie es aber, hier und dort eine böse Bemerkung über das Regime fallen zu lassen. Ihr war bewusst, dass sie sich damit in Gefahr brachte. Sie war übrigens nie ausländerfeindlich, homophob oder antisemitisch. Immerhin hatte sie einen jüdischen Chef, den sie schätzte und dessen plötzliches Verschwinden ihr bis ans Lebensende zu schaffen machte. Was hätte sie als junges Mädchen tun können oder sollen? Und noch einmal: Damit sich Geschichte nicht wiederholt bedarf es einer guten Wirtschafts- und Sozialpolitik. Oberflächenkosmetik alleine wird hier nicht helfen. Außerdem: eine berühmte Soziologin sah eine Kontinuität mit Brüchen in den Zeiten vor, während und nach dem bösartigen Regime, das dieses Land erleben musste und tw. wollte. Ebenso wie Hannah Arendt Überschneidungen zwischen Hitler und Stalin aufzuzeigen vermochte. Die derzeitige Politik der Grünen würden beide wohl als einfältig wenn nicht sogar dumm bezeichnen.

Anonym hat gesagt…

Übrigens: Dimitri Schostakowitsch komponierte damals auch für Stalin, um zu überleben. Ich betone: um zu überleben! Physisch und materiell. Nach der Aufführung der "Lady Macbeth von Mzensk" vor Stalin, der sie vernichtend kritisierte, lebte er in ständiger Angst bis zu Stalins Ableben. Wir sollten als Spätgeborene mit unseren Urteilen etwas vorsichtiger sein. Wir wissen nicht, ob wir den Mut hätten, welchen die Geschwister Scholl oder Alexander Schmorell aufbrachten. Und wenn ich jetzt den mangelnden Mut der Grünen in der LR sehe, brauche ich nicht viel Phantasie, um mir deren "Mut" in einem totalitären Regime vorzustellen. Man kann der VP ja vieles vorwerfen. Aber ein totalitäres Regime ist sie nicht. Sie ist lediglich eine alte demokratische Partei, die in ihren Strukturen und Denkweisen festgefahren ist. Warum also zeigen die Grünen dort nicht einen Ansatz jenen Mutes, den sie selbstherrlich von den Verängstigten damals - in unantastbar sicherer zeitlicher Entfernung! - verlangen? Mehr als Bruch der Koalition kann nicht passieren. Es sei denn, die Grünen hängen an der Macht um jeden Preis, was inzwischen ohnehin jeder vermutet.

Anonym hat gesagt…

Das "Wir spielen.... nicht mehr" verrät ja zweierlei: die unbewusste Hybris der Grünen und die Defizite in der deutschen Sprache des Herrn M. Beides ist sehr erhellend und entlarvend. Und symptomatisch gerade für diejenigen, die meinen, sie hätten "Bildunk". Ja, Bildun K (!) haben sie. Vor allen Dingen Du(ü)nk(el)!

Anonym hat gesagt…

Also etwas, wo man richtig "draufdreschen" kann? Das hilft Ihnen jetzt sicher bei der Arbeit. Vor allem wenn man auf die SP dreschen kann. Der Lärm, der dabei entsteht, übertönt so manchen Misston aus der ÖVP sowie die zweitrangige Besetzung in der LR.

Anonym hat gesagt…

Wer des sicheren Schrittes nicht fähig, macht eben viele kleine.

Anonym hat gesagt…

was regst dich denn auf? auch in der nazi-zeit gab es gute leute: ein hitler-kumpel war zb der alte joopie, Johannes Heesters, oder die mutter der hörbiger - die paula Wessely.
hitler führte für die arbeiter mehr rechte ein und war dfiesbezüglicher humaner als alle anderen (mit ausnahme der Sozialisten). was den krieg betrifft hat er 8x den wk 1 siegermächten erklärt, dass sie lt. Vereinbarung selbst auch abrüsten müssten. 8x. das Verhältnis an kriegsgerät war damals 97 zu 1 - 1 war Deutschland.
wenn dich ein Musikant so aufregt, nachdem sin 0815 preis benannt ist, dann frage ich dich wie der ss-ler obenfeldner die höchste Auszeichnung der Stadt Innsbruck bekommen konnte und warum der landhausplatz nach dem nsdap Mitglied wallnöfer benannt wurde?
auch hätte dann niemals der Volkswagen Volkswagen heißen dürfen - war eine hitler Idee...
wenn er gewonnen hätte, wärst du mit deinem Populismus und drang zur selbstbeweihräucherunmg sicher jetzt megascharf drauf ein goebbels zu werden...
Amerikaner - also die feinde - nennen, wenn sie nach der besten armee aller Zeiten gefragt werden, die deutsche armee im 2.
wk.
vielleicht sollten selbst die perfiden frösche mittlerweile in der Gegenwart angekommen sein.
ein mandl, das sich nimmer wehren kann zu beschädigen, ist für mich Leichenschändung.
ebenso hätte dir günni mit seinem gefolge auch einen scheißhaufen dir zuwerfen können...
ihr armen grünen narren.
die schwarzen lachen sich ja noch kaputt - so einen bescheuerten Partner hatten sie noch nie.

holt den willi zurück! hat gesagt…

wer immer nur kleine erfolge herzeigen muss, beweist, dass die großen probleme zu groß für einen sind! natürlich ist der sensible umgang mit unserer vergangenheit wichtig, was ist aber mit den aktuellen problemen? wollt ihr, dass die auf euch folgende regierung auch nur mit den fehlern der vergangenheit arbeiten muss? ich dachte, mit euch kommt ein neuer stil ins landhaus, aber der stillstand ist ja noch extremer als in den roten jahren davor. ich bin enttäuscht, aber so gehts sicher vielen...

Anonym hat gesagt…

und - das dürftest allerdings nicht wissen - der vater vom Präsident georg bush und opa vom präsidenten bush Junior förderte als Bankier die nazipartei mit riesengeldbeträgen...
vielleicht mit ein grund warum ausgerechnet unter bush den 1. deutschland wieder zur großmacht erblühte und die Vereinigung trotz wildester Proteste Großbritanniens "eiserner Lady" unter dach und fach gebracht wurde?
also alles auf den tisch - oder gar nix.
ihr braucht dringendst klügere Politiker an der spitze. sich personell an den övp-lh anzugleichen, der der schwächste landeshauptmann aller Zeiten ist, kann für die grünen (die ja viel mickriger sind)politisch tödlich enden...
nix für ungut. aber ist so.

Anonym hat gesagt…

Da fehlen noch ein paar Antworten, Herr Mair!

Bisher haben nur Palfrader und Sie gesagt, dass sie den Standschützenmarsch nicht spielen würden, bzw. DERZEIT nicht spielen würden (Palfrader).
Von den Regierungsparteien habe ich bisher keine solche Äusserung gelesen oder gehört. Das müssten doch deren Parteiobleute verkünden. Oder gibt es einen Regierungsbeschluss?

Dass zwei Funktionäre einer Partei (derzeit) den Marsch nicht spielen würden, ist zwar löblich, aber die zwei sind nicht die "Regierungsparteien".

Also, wo ist der Regierungsbeschluss bzw. wo sind die Beschlüsse der zuständigen parteigremien?

Anonym hat gesagt…

Herr Mair, haben Sie sich inzwischen den Unterschied zwischen "Parteifunktionär" und "Partei" erklären lassen?

Anonym hat gesagt…

Herr Mair,
kommen Sie heraus aus der Deckung!

Anonym hat gesagt…

der gebi ist doch zu feig zum antworten! jedes mal wieder eine enttäuschung!

voyance gratuite par mail hat gesagt…

Спасибо за хороший пост ... и улыбаются (без видимого предмета)!