Montag, 11. August 2014

Über Sexarbeit schreiben

Wenn es um Menschen in der Sexarbeit geht, dann wird es für Zeitungen immer schwierig. Wie schlüpfrig soll der Artikel sein? Wie verklemmt? Wie viele Andeutungen sollen unterkommen, wie viel Phantasie des Autors? Soll man merken, wenn der Speichel auf die Tastatur tropft oder soll man das besser verbergen?

Die heutige Tiroler Tageszeitung unternimmt den Versuch, und sie benötigt dafür unter anderem folgende Wörter:

Liebesdienerinnen
Rotlichtszene
Liebeslohn
Sex-Steuer
Prostituierte
Freier
Damen

Eine illustre Runde an Spezialausdrücken. Immerhin hat man sich bei der Tiroler Tageszeitung inzwischen vom "Schandlohn" verabschiedet, wie er noch vor Kurzem zu lesen war. Aus jeder Zeile ist aber herauszulesen, wie verschämt der Artikel geschrieben wurde.

Mehr noch aber ärgert mich der folgende Absatz: "Anders ausgedrückt: Die Neuregelung der Besteuerungsrichtlinien für Prostituierte sah vor, dass Bordellbetreiber die Prostituierten künftig anmelden und anstellen müssen. Für die Unternehmer vor allem auch ein organisatorisches Problem, da die Damen oft bereits nach wenigen Wochen, manchmal schon nach Tagen, den Arbeitgeber wechseln. Die Bordellchefs wären mit ständigen An- und Abmeldungen beschäftigt."

Die armen Bordellchefs! Müssen ihre Angestellten auch noch bei der Krankenkasse anmelden! Komisch, dass jeder Skischulbetreiber das problemlos schafft. Mir kommt eher vor, dass nicht nur die Tiroler Tageszeitung nicht in der Lage ist, Sexarbeit als Dienstleistung wie viele andere auch zu behandeln, sondern auch das Finanzamt nicht. Sogar beim Besteuern wird noch verschämt gelächelt. Oder handelt es sich doch eher um einen Gefallen der Finanz gegenüber den Bordellbetreibern - auf Kosten der SexarbeiterInnen?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es ist schon erstaunlich, dass hier gar nicht thematisiert wird, warum Frauen ihren Körper verkaufen müssen. Stattdessen wird hier so getan, als hätte die Mehrheit diese Form von Arbeit selbst gewählt. Ich hingegen bin davon überzeugt, dass fast niemand seinen Körper freiwillig "vermietet". Und zwar aus Selbstsorge. Frauen und Männer tun dies zumeist nicht aus reiner Freude. Da die Grünen jedoch keine richtige Sozialpolitik haben, ist es natürlich einfacher, so zu tun, als wäre Prostitution eine Arbeit wie jede andere auch. Ist sie aber nicht, weil sie so sehr ins Intime geht, dass man sie mit keiner anderen Tätigkeit vergleichen kann.

Anonym hat gesagt…

Dieses Posting zeigt nicht nur die Unfähigkeit der TT sondern den Zynismus der Grünen ebenso. Es ist zutiefst menschenverachtend, zu meinen, Sexarbeit sei eine frei gewählte Tätigkeit wie jede andere auch. Ist sie aber nicht.

Anonym hat gesagt…

Das gefällt den GrünInnen gar nicht, wenn in einem Zeitungsartikel nicht die Regeln der politisch korrekten Sprache eingehalten werden. Dabei haben die GrünInnen ja so schöne Wörter entwickelt, mit denen man angeblich diskriminierte Menschengruppen umschreiben kann. Bloß die Dinge nicht beim Namen nennen. Damit hat man in der Zuwanderungs- und Bildungspolitik doch lange die Leute für blöd verkaufen können.

Prostitution ist eine Dienstleistung wie jede andere auch. Niemand ist in Österreich verpflichtet, auf den Strich zu gehen. Wir leben in einem Land, in dem man - ohne je einen Finger gerührt zu habben - locker auf ein Einkommen von € 1.000,-- kommen kann, wenn man die ganzen Sozialtricks beherrscht.

Also hört mal wieder auf, auch als Anwälte vermeintlich Entrechteter aufzuspielen und kümmert euch lieber um jene Leute, die trotz anständiger Arbeit zu nichts kommen.

Anonym hat gesagt…

Anonym: Sie sind "überzeugt".

Sie irren sich.

Anonym hat gesagt…

Gebi lenk nicht immer von deinen eigenen Problemen ab:

Warum werfen sämtliche Umweltschutzorganisationen den Grünen bzgl der Naturschutzgesetzesnovelle das größte Verbrechen gegen die Natur seit 25 Jahren vor?

Helga Pregesbauer hat gesagt…

Danke für Ihren vernünftigen Kommentar, Herr Mair. An all die anonymen Posterinnen: redet mal mit einer Sexarbeiterin, bevor ihr sie so derartig bedauert! Und schreibt mal eine lange Liste mit all euren sexuellen Ängsten und fragt euch dann, warum sie mit euren Vorstellung von Sexarbeit so identisch sind.... Und wenn Sexarbeiterinnen ihren Körper verkaufen, warum haben sie dann einen? Solange man ihnen keine vernünftigen Rechte gibt, wird es auch weiterhin Ausbeutung geben - wie in jedem anderen Beruf auch, der berufsrechtlich unterprivilegiert wird!

Anonym hat gesagt…

...und Mair macht den Bordelldirektor.

Anonym hat gesagt…

Eine interessante Perspektive: The Economist - A Personal Choice
http://www.economist.com/news/leaders/21611063-internet-making-buying-and-selling-sex-easier-and-safer-governments-should-stop

Anonym hat gesagt…

speachless

Anonym hat gesagt…

Danke für den sexualpsychologischen Hinweis. Nur geht er völlig am Thema vorbei. Sie glauben also tatsächlich, dass jede Frau, die es tut, gerne auf den Strich geht? Dann fragen Sie einmal bei Frau Schwarzer nach. Und was Prostitution anlangt hat sie recht. Es geht hier nicht nur um Rechte wie Sozialversicherung sondern um die ganz banale Frage, ob es für Frauen am Strich nicht auch soziale Projekte für einen Ausstieg aus dem Gewerbe geben sollte. Nicht entweder oder sondern sowohl als auch. Haben Sie das verstanden? Und wenn Sie schon so sexuell aufgeklärt sind und es so toll finden, würde ich Ihnen raten, diesem Beruf nachzugehen.

Ferdl hat gesagt…

Hallo

Ich benütze schon seit über 20 Jahren Sexarbeiterinnen.

Bei mir haben durchwegs alle ihren Spass beim Sex.

Die machen das doch zumeist aus eigenem Vergnügen, weil sie ansonsten zu wenig Sex bekommen; so zumindest hat mir das eine Sexarbeiterin geschildert.

Vieleicht sollte man anstatt Freier lieber das Wort SEXUSER benützen. Es klingt einfach moderner!

Anonym hat gesagt…

Die ganze Diskussion ist lächerlich!

Den Grünen geht's doch nur darum, sich mal wieder als Anwalt für irgendwelche selbstdefinierten Opfergruppen aufzuspielen.

Wer auf den Strich gehen will, soll auf den Strich gehen. Nötig hat's niemand im Wohlfahrtsstaat Österreich mit seinen 50.000 Transfer- und Sozialleistungen.

Anonym hat gesagt…

du hast einen mortz dachschaden, gebi. gerade in der schlüpfrigen Szene, die dir offenbar sehr am - sagen wir mal - herzen liegt, solltest etwas besser intus sein.

huren und stricher - so nenn ich die Frauen und Männer - wie willst denn von denen bitte den lohn angeben? glaubst du, dass sich die freier in diesem Milieu in der regel registrieren lassen?
höchstens unverschämte Politiker, die vielleicht ihren liebeslohn auch noch abschreiben lassen möchten oder ob ihrer Großzügigkeit posten wollen!!
dann gibt's Urlaubsanspruch, Krankengeld bei verdienstentgang, wer prüft dann ob eine/r zurecht gekündight wird: die grünen? die Leistung dieser menschen ist doch guter sex. wie willst das prüfen? ab wann sind prostituierte und männliche escorts pensionsberechtigt? mit 40?
das Geschäft lebt doch im großen und ganzen von der Anonymität. i kenne auch keinen pädophilen, der sich freiwillig outen würde, das nur so allgemein gesagt.
wo bleibt denn dein hausverstand? mit deiner Idee rennst du vermutlich beim schwarzen Gesindel offener Türen ein. weil was würde so eine hirnrissige aktion bedeuten? aus für die - relativ - sicheren Bordelle, wo die lustdienerinnen und lustdiener zumindest gesundheitlich gecheckt werden und hin zum straßenstrich.
i hab noch nie auch nur annähernd so einen vertrottelten,
ohne den geringsten hausverstand agierenden Selbstdarsteller, o sry Politiker, erlebt wie dich.
denk doch mal nach bevor so einen Unfug in die welt setzt!

Anonym hat gesagt…

hast du eigentlich auch ein stutenticket, weil du schreibst doch an deiner Dissertation?

Meera Saif hat gesagt…

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