Dienstag, 25. August 2015

Ein Rad-Verbot von gestern

Der Zirler Berg ist die kürzeste Verbindung zwischen dem Seefelder Plateau und dem Inntal. Seit 1991 gibt es hier ein großes Manko: das Fahrradfahren ist talwärts verboten. Damit fehlt ein wesentliches Teilstück im Umweltverbund und die gesamte Strecke wird für den Fahrradtourismus uninteressant.

Die wesentlichen Steigungen am Zirler Berg (B177 Seefelder Straße) liegen auf einer Strecke von 2,8 Kilometern, wobei bis zu 16% Gefälle zu überwinden sind. Bergwärts ist die Befahrung mit Fahrrädern erlaubt, obwohl man bekanntlich bergauf deutlich mehr schnaufen und muss somit langsamer ist. Bergab gilt ein Radfahrverbot, obwohl man abwärts gleich schnell wie die Kraftfahrzeuge ist. Talabwärts wurden zudem 5 Notwege für LKWs eingerichtet, deren Bremsen versagen können.

Die Ausweichrouten sind für RadfahrerInnen nicht besonders attraktiv: Die Umfahrung über die L36 Möserer Straße (Telfer Berg) hat 26,6 Kilometer, und es gibt einen Gefälleabschnitt über 5,8 Kilometer. Von Reith nach Seefeld gibt es zudem eine Mountainbikeroute, die zwar nur etwas länger als die Strecke am Zirler Berg ist, jedoch nicht asphaltiert und noch deutlich steiler. Vom Land Tirol wurde die Strecke als "schwierige Mountainbikeroute" eingestuft. Als dritte Alternative bietet sich die Zugverladung an. Dafür braucht es ein eigenes Ticket und ein frühzeitiges Aussteigen, etwa in Zirl ist nicht möglich weil die Mittenwaldbahn durch die Martinswand direkt nach Innsbruck fährt.

Talabwärts fuhren im Jahr 2010 über den Zirler Berg innerhalb von 24 Stunden 5.184 KfZ, darunter 168 LKWs, wovon 37 Sattelzüge waren, die jedoch hauptsächlich zwischen 4 und 5 Uhr in der Früh unterwegs waren. Für LKW über 7,5 Tonnen besteht ein Fahrverbot für den Transitverkehr sowie eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 20 km/h für jene LKWs, die fahren dürfen.

Fahrräder müssen eine vom Verkehrsministerium vorgeschriebene Bremsleistung erbringen. Die Überprüfung der Bremsleistung liegt im Verantwortungsbereich der RadfahrerInnen. Es gibt in Österreich jedoch Passstrecken, die wesentlich steiler und länger sind als der Zirler Berg, auf denen ein Befahren aber erlaubt ist: die Großglockner Hochalpenstraße, das Timmelsjoch, der Reschenpass, die Gerlosstraße... Man darf also davon ausgehen, dass Fahrräder technisch dazu in der Lage sind, ein derartiges Gefälle auch im Verkehr sicher zu überwinden. Am Zirler Berg besteht ein Überholverbot, von dem auch Fahrräder betroffen wären, auch ein Vorbeifahren rechts ist untersagt. Die Gefahr der Benutzung eines Notweges, bei dem ein Fahrrad geschnitten würde bestünde genauso für einspurige Motorräder oder Mofas - diesbezügliche Unfälle sind aber bisher nicht bekannt. Die Gefahr sollte aber sowieso beim Verursacher gesucht werden: Wenn LKWs zu gefährlich für RadfahrerInnen sind, dann sollte es vielleicht Einschränkungen für den LKW-Verkehr geben.

Eine Aufhebung des Radfahrverbots am Zirler Berg bringt mehrfachen Nutzen: Die gesamte Region wird für Fern-RadfahrerInnen attraktiver und damit auch für den Tourismus. Auch Tages-RadfahrerInnen können den Retourweg nach Innsbruck, etwa aus den Karwendeltälern dann selbst überwinden und sind nicht auf die Bahnverladung angewiesen. Und auch das Alltagsradeln wird gestärkt und damit sowohl Gesundheit wie auch Mobilität vor Ort. Nach 25 Jahren hat das Radfahrverbot am Zirler Berg ausgedient.

Der Landtag wird sich im Oktober mit dem Verbot beschäftigen, ich hoffe auf eine breite Zustimmung. Heute berichtet darüber auch die Tiroler Tageszeitung.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Der Verusacher? Der Bremsweg von Radfahrern ist bei V > 30km/h deutlich höher als bei LKW und PKW. Der Verursacher dürfte doch der Radfahrer sein.
Lieber wäre mir, wenn Ihr endlich mal den Radweg im Inntal fertig stellen würdet, oder bist du die Strecke schon mal mit einem Kinderanhänger gefahren? Es gibt Stellen, da hab ich Angst ob es nicht den Anhänger überschlägt, so schlecht ist der. Einfach mal ausprobieren!

PS: Kommentar zum Mader hab ich von dir (euch) auch noch nicht gehört.

Anonym hat gesagt…

Man sollte doch lieber endlich mal einen sinnvollen (!) Ausbau des Radwegenetzes in Tirol angehen, anstatt nur einzelne Strecken rauszupicken. Schau(t) doch mal nach Südtirol, Baden-Württemberg, Bregenzerwald, usw usw - SO geht Radweg!
Man kann ja nicht mal vom Mittelgebirge nach IBK fahren, ohne Angst zu bekommen, da es keinen einzigen Weg mit dem Rad gibt, bei dem man nicht von Autos geschnitten oder knapp überholt wird!
Der Zirler Berg wäre hier meines Erachtens sicher nicht der wichtigste Streckenabschnitt!

PS: schließe mich dem anderen PS an - Mader-Statement?

Anonym hat gesagt…

Natürlich ist der Ausbau der Radwege ein wichtiges Thema, das voran getrieben werden sollte. Ob hier der Zirler Berg oberste Priorität hat, sei dahin gestellt.
Was mich viel mehr stört ist die Optik einer Nebelgranate, die dieser Beitrag gerade hat. Die Nicht-Reaktion der Grünen auf die Causa Mader erweckt den unguten Eindruck, dass ihr - endlich am Futtertrog der Regierung - den Ball gaaaaanz flach halten wollt, unsichtbar in dieser Thematik bleiben möchtet. Um nicht eine eigene Verstrickung auffliegen zu lassen? Um nicht die Futterhand der ÖVP zu beißen? Bitte warum hört man dazu nicht von dir/euch????

Anonym hat gesagt…

Also die Frage, ob Sie jetzt - und darum wird es wohl wie immer bei Ihnen gehen - über den gottverfluchten Zirler Berg fahren dürfen, interessiert die meisten Menschen derzeit so viel wie ein umgefallenes Rad in Peking oder ein Schaß in der Bukovina. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Zahl der Flüchtlinge und die Preise ebenso. Was tun die Grünen? SIE KÜMMRN SICH UM RADFAHRER AM ZIRLER BERG. DAS IST ZYNISMUS PUR!

Anonym hat gesagt…

Hallo Gebi

Da gibt es viel bessere Radfahrthemen, die viel mehr Menschen hilft.
Z.B. sollten Radfahrer immer, also auch bei roter Ampel, rechts abbiegen dürfen. Natürlich hat der Querverkehr vorrang. Hier mal Wiki, damit du weißt, was ich meine.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rechts_abbiegen_für_Radfahrer_frei

Anonym hat gesagt…

Mair kümmert sich heute um bergab radelnde Fernradfahrer, morgen dann um die ständig in eine Richtung fahrenden Rolltreppenbenutzer. Mal rauf und dann wieder runter. Ein Phänomen, das in immer mehr Kaufhäusern beobachtet wird.

Daniel Kappeller hat gesagt…

Ich bin ein Radbegeisterter Mensch.
Bin die Woche 3-4 mal im Gebirge am Mountainbike, am Weg zur Arbeit kommt für mich auch nur das Rad in Frage und am Abend benutze ich auch meist nur mein Steyr Rad!
Ich fahre mein ganzes leben mit dem Fahrrad und will dieses auch weiterhin betreiben!
Aber einen Sinnloseren Beitrag als das öffnen des Zirlers ist mir echt selten untergekommen, der ist gleich Hirnlos wie die IVB Räder!

Ein Vorschlag!
Sie Treffen sich mit all ihren Abgeordneten, Stadt/Land, oder besser mit der ganzen Tiroler Grünen Partei und dem ORF Tirol in Leiten.
Anschließend steigt die ganze Partei auf ihre Mitgebrachten Fahrräder, keine Angst ich hätte welche zu verleihen falls wer kein Rad besitzt und fährt Medienwirksam den Zirler Berg Runter!
Unten angekommen sollte nochmal mittels Handzeichen abgestimmt werden ob dieser Vorschlag gut oder schlecht ist, oder ob es im Land Tirol nicht doch wichtigere Themen als ein durchaus sinnvolles Radfahrverbot am Zirler gibt!?

MFG
Daniel

Anonym hat gesagt…

Alle Themen in Tirol sind wichtiger. Nur für Hofnarr Mair ist der Zirler Berg das Ende seines Horizontes.

Anonym hat gesagt…

Absoluter Schwachsinn!
Schön, wenn wir eine eh schon nicht ungefährliche Strecke durch die Aufhebung des Rad-Verbots um 200% gefährlicher gestalten.
Radfahrer bremsen sehr langsam, schneiden kurzen (wie sollten diese sonst die Geschwindigkeit eines PKWs erreichen und dennoch um die kurzen kommen??) und ein langsamer Radfahrer wird nach der hälfte der Strecke keine Bremsen mehr am Rad haben.
Eröffnen die Grünen dann am Ende des Zirler Bergs einen Servicestand um so mehr Geld in die Kassa zu spülen?
Allgemein glaube ich, dass das Land Tirol auf die 10 verrückten Radtouristen verzichten kann, die sich über den Zirler Berg wagen, zumal nur 50% oder weniger davon unten heil ankommen.
Die Unfallstatistik am Zirler Berg ist bisher sehr gering, aber wenn die Grünen unbedingt das Leben anderer Autofahrer riskieren wollen für ein bisschen saubere Luft, dann ist das bestimmt legitim.
Radfahrer im Straßenverkehr sind leider nicht ungefährlich und sollten daher auch zu ihrer eigenen Sicherheit auf dafür ausgebauten Wegen fahren und sich nicht aufführen, als könnten sie es mit einem Auto aufnehmen.
Manche Menschen sind nunmal vom Auto abhängig, sei es zeitlich oder aufgrund der Entfernung zur Arbeit (ich selbst möchte auch nicht 30km jeden Tag in die Arbeit mit dem Rad, die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel ist zeitlich leider auch nicht zumutbar - 75 Min. mit den Öffentlichen gegen 20 Min. mit dem Auto pro Strecke - daher wäre es vielleicht sinnvoller hier anzusetzen um den Autoverkehr einzudämmen und für die Sicherheit aller zu sorgen anstatt sich um ein wahrscheinlich damals sinnvoll eingehobenes Verbot zu streiten!

Politik kotzt mich an!!!

Anonym hat gesagt…

Ma_der_was?

Anonym hat gesagt…

Wirklich unglaublich! Bekommt Mair monatlich seine 6000 Euro wirklich nur dafür, sich solche Dinge auszudenken? Wir wär's mal mit Konzepten zur Arbeitslosigkeit, die in Tirol sogar für österreichische Verhältnisse hoch ist. Wie wär's mit Lösungungsvorschlägen zur aktuellen Asylkatastrophe - und zwar Lösungen, die über "alle reinlassen" hinausgehen?

Anonym hat gesagt…

Nachdem kolportiert wird, dass in Nauders ein neuer Radweg mit 16% Steigung den Reschen rauf gebaut werden soll (ist das noch aktuell?) denke ich schon, dass auch das Öffnen des Zirlerbergs für Radfahrer vertretbar bergab ist (zumal dort die Radien und der Belag für schneller Fahren tauglicher als auf solchen Radwegen ist)
Natürlich wär mir lieber ein Radweg mit maximal 6% Steigung; denkbar wäre es, sich mal die Forstwege zwischen Auland und Pettnau anzusehen, vielleicht ist da was Brauchbares zu machen.
Das Problem derzeit ist ja, dass man beim Runterfahren von Seefeld nicht in Inzing sondern in Telfs landet und dann noch 30m auf den so tollen radwegen des Inntals dahinnaggln muss.
PRitoritär ist diese Projakt aber sicher nicht, die preiswerteste Version ist es voerst das Radverbotsschild am Zirlerberg abzunehmen.

Da ist noch was Interessantes zum Bremswegthema - sieht plausibel aus: http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/rad2pkw.htm
Wobei ich denke, dass ein LKW tortz höherer Bremskraft einen lägeren Bremsweg als ein PKW oder ein Fahrrad haben dürfte (siehe hier http://www.internetratgeber-recht.de/Verkehrsrecht/frameset.htm?http://www.internetratgeber-recht.de/Verkehrsrecht/Rechner/rechner-bremsweg.htm)

Bernd hat gesagt…

Hallo!
Das Verkehrsrecht ist leider nicht immer einfach. Gibt es denn eigentlich mittlerweile schon eine Lösung dieses Problems?
Gruß, Bernd

voyance en ligne gratuite hat gesagt…

Sie abgeschlossen dort einige schöne Punkte. Ich habe eine Suche in der Frage und fand die Mehrheit der Personen die gleiche Meinung mit Ihrem Blog haben.