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Donnerstag, 9. Juni 2016

Mehr Betreuung, mehr Kinder

Vorausgeschickt: Auch das neue Kinderbetreuungsgesetz wird noch nicht alle Probleme lösen, die es in der Kinderbetreuung gibt. Aber es ist doch ein wesentlicher Schritt nach vorne in Richtung mehr, bessere und bedarfsgerechtere Betreuung.

Im Juli-Landtag wird der Gesetzentwurf für eine Novelle zum Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz diskutiert werden. Er bringt eine Reihe wesentlicher Verbesserungen. Die Wichtigste voraus: 11 Millionen Euro mehr im Jahr für den Ausbau der Kinderbetreuung in Tirol. Damit fehlende Betreuung keinen Hindernisgrund für die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Beruf darstellt.

Die Inklusion im Kindergarten wird verstärkt. Die bisherigen heilpädagogischen Gruppen, das Pendant zur Sonderschule im Kindergarten wird abgeschafft. Inklusionsgruppen erhalten darüber hinaus Doppelbesetzung, das heißt dass die Betreuung dort besser wird. Das ist im Sinne der Kinder und der Betreuungspersonen.

Für die Gemeinden gibt es zukünftig Daumenschrauben, wenn diese keine ausreichende Kinderbetreuung anbieten. Es bleibt zwar weiterhin Aufgabe der Gemeinde, eine Bedarfserhebung durchzuführen. Wenn mehr Bedarf als Angebot festgestellt wird, ist dies jedoch dem Land zu übermitteln und gleichzeitig ein Entwicklungskonzept für die Kinderbetreuung vorzulegen. Das Land hat hier eine Einspruchsmöglichkeit wenn der Ausbau der Kinderbetreuung zu wenig ambitioniert vorwärts getrieben wird.

In Unternehmen ermöglichen wir in Zukunft sogenannte Betriebstageseltern. Das bedeutet, dass sich mehrere selbständige Tageseltern die Betreuungsräume in einem Betrieb teilen können und damit in Unternehmen erstmals bei Bedarf auch 24-Stunden-Kinderbetreuung möglich wird. Das heißt natürlich nicht, dass Kinder 24 Stunden am Tag dort sein sollen, sondern dass beispielsweise auch für die Nachtschicht eine Kinderbetreuung angeboten werden kann. Vor allem für große Betriebe kann das ein spannendes Modell sein, wie sie für ArbeitnehmerInnen attraktiver werden können. Für mich ist das eine der wichtigsten Innovationen im neuen Gesetz und ich hoffe, dass sie von Betrieben auch genutzt werden wird.

Für Stützkräfte aus Ländern wie beispielsweise Syrien, in denen Bürgerkrieg herrscht und deshalb Zeugnisse und sonstige Unterlagen nicht besorgt werden können gibt es Erleichterung. Das ist auch ein wichtiger Schritt für die Integration von Flüchtlingskindern in das Tiroler Bildungswesen.

Darüber hinaus gibt es auch eine bessere Förderung für Fort- und Weiterbildung, außerdem bessere Förderung für Ferienöffnung, verlängerte Öffnungszeiten, Organisation des Mittagstisches und die Betreuung von Kindern aus anderen Gemeinden als der Standortgemeinde.

Bei Antritt der schwarzgrünen Landesregierung haben wir versprochen, Tirol kinderfreundlicher zu machen - hier ist ein wichtiger Schritt dazu und ich freue mich schon auf die Diskussion im Landtag.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Gemeinsame Schule: da geht mehr

Von Regierungsklausuren sieht man am Ende immer schöne Fotos in der Zeitung. Die schauen in etwa so aus und das ist auch gut und richtig so, sie entstehen im Rahmen einer Pressekonferenz.


Die Realität der zwei Tage Regierungsklausur, die einer solchen Pressekonferenz vorhergeht schaut natürlich anders aus, nämlich in etwa so - randomly taken, ohne besondere Rücksicht darauf ob gerade jemand gut oder schlecht dabei ausschaut. Und das ist auch gut und richtig so, da passiert nämlich echte Arbeit. Und bei der muss man nicht gut ausschauen, sondern inhaltlich etwas weiterbringen.


Und wir haben etwas weiterbracht bei dieser Klausur. Was mich am meisten freut: Wir haben eine Steuerungsgruppe für die gemeinsame Schule in Tirol eingerichtet. Deren erstes Ziel ist es, den Gesetzentwurf im Bund für eine Bildungsreform so zu verändern, dass er dem Koalitionsprogramm der schwarzgrünen Landesregierung in Tirol entspricht. Und da braucht es noch große Bewegung im Bund, damit wir echte und sinnvolle Modellregionen für eine gemeinsame Schule in Tirol einrichten können. Und zum anderen werden wir die Vorarbeiten für die reale Einführung der gemeinsamen Schule in Tirol starten. Ich freue mich sehr, dass diese Steuerungsgruppe aus Landesrätin Beate Palfrader, Nationalrat Karlheinz Töchterle, Nationalrätin Sigi Maurer und meiner Wenigkeit besteht. Ich werde natürlich über Ergebnisse berichten, wenn wir die Arbeit richtig gestartet haben. Klar ist jedenfalls: bei der gemeinsamen Schule geht noch mehr als die Bildungsministerin bisher vorgelegt hat.

Die gemeinsame Schule war natürlich nicht das einzige Thema. Von ÄrztInnenausbildung über Elektromobilität bis zur Flüchtlingsunterbringung gingen die Diskussionen. Ich werde auch darüber bei Gelegenheit ein bisschen mehr schreiben.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Unterstützung bei der Kinderbetreuung: jetzt gerecht

Wer in Tirol Unterstützung bei der Kinderbetreuung braucht weil er/sie etwa berufstätig ist, ein Studium absolviert oder auf Arbeitssuche ist, kann finanzielle Unterstützung dafür erhalten. Die Sache nennt sich Kinderbetreuungszuschuss und das Land stellt dafür jährlich etwa 300.000 Euro zur Verfügung.

Um Kinderbetreuungszuschuss zu erhalten darf man bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten, die Sache soll ja sozial treffsicher sein. Alleinerziehende mit einem Kind etwa werden bis zu einem Nettoeinkommen von 1.570 Euro (2015) unterstützt, Paare mit einem Kind bis zu einem Nettoeinkommen von 2.000 Euro (2015). Bei mehreren Kindern darf das Einkommen entsprechend höher sein. Dann werden je nach Notwendigkeit 40-60% der Betreuungskosten (ohne Verpflegungskosten) vom Land unterstützt. Details und Antragsformulare dazu finden sich hier.

Bis gestern stand der Kinderbetreuungszuschuss nur ÖsterreicherInnen und EU-BürgerInnen zur Verfügung. Durch einen Regierungsbeschluss wurde nun die Richtlinie geändert und der Kinderbetreuungszuschuss steht allen TirolerInnen zur Verfügung, egal ob sie hier geboren sind oder erst im Laufe ihres Lebens nach Tirol gekommen sind. Damit ist die Unterstützung für die Kinderbetreuung nun gerechter: für jene, die sie brauchen.

Oh, und bevor ich es vergesse: grün wirkt.

Montag, 12. Januar 2015

Unterstützung für mehr Bildung

Die schwarzgrüne Landesregierung hat ihre Neujahrsklausur heuer im Stubai abgehalten, und zwar bewusst in einem Produktionsbetrieb. Wir waren in der Stubai Werkgenossenschaft zu Gast. Nicht nur wegen der tollen Produkte, die dort hergestellt werden oder wegen der genossenschaftlichen Organisationsform oder um zu zeigen, dass die Wertschöpfung im Stubai nicht aus Brückenschlägen kommt. Nein, vor allem auch um zu betonen, wie wichtig der Wert von Bildung und Ausbildung ist. Fulpmes kann ja mit der HTL und dem zugehörigen Internat eine tolle Ausbildungsstätte vorweisen. Aber auch das Land kann etwas Konkretes tun, und darüber haben wir diskutiert.

Ingrid Felipe vor dem Fallhammer in der Stubai KSHB
Beim Betriebsbesuch in der Stubai KSHB war ein Raunen unter den Regierungsmitgliedern und mitgereisten MitarbeiterInnen zu hören. So mancher hat wohl überlegt, ob er/sie einen Tag am Fallhammer überstehen würde. Bewunderung und Respekt für die harte Arbeit war zu spüren und auch die Freude darüber, dass in diesem Betrieb körperliche Arbeit und Produktionsinnovation Hand in Hand gehen. So konnten auch hochmoderne und vollautomatische Maschinen, etwa zur Härtung besichtigt werden.

Aber zurück zum Thema was die Landesregierung tun kann. Wir haben diskutiert wo wir besondere Problembereiche im Ausbildungsbereich in Tirol sehen. Und das Ergebnis ist eine besondere Unterstützung für mehr Bildung für Menschen mit niedrigen formellen Qualifikationen. Wir werden eine Ausbildungsbeihilfe von 200 Euro pro Monat schaffen, die man für eineinhalb Jahre bar auf die Hand bekommen kann, wenn man eine Ausbildung beginnt. Die Zielgruppe sind Jugendliche, die ein derartiges individuelles Programm für einen Fachabschluss gemeinsam mit dem AMS entwickeln, etwa eine Lehrabschlussprüfung im zweiten Bildungsweg. Wir gehen davon aus, dass ca. 500 junge TirolerInnen jährlich diese Art von Unterstützung erhalten können. Damit soll es eine Unterstützung zu den hohen Lebenshaltungskosten und den niedrigeren Verdiensten während einer Ausbildung geben. 1,6 Millionen Euro wird das Land Tirol dafür im Jahr an frischem Geld in die Hand nehmen.

Darüber hinaus werden wir zwei Lehren nach Tirol holen, die es bisher hier nicht gab: Tiefbauer / Tiefbauerin und Speditionskauffrau / Speditionskaufmann. Dadurch soll es auch leichter werden, diese Ausbildungen zu absolvieren.

Ich halte das für wichtige Impulse um Bildungsbeteiligung in allen Sektoren zu fördern und hoffe auf breite Anerkennung dieses Versuchs.


Freitag, 28. März 2014

Für die Schule: die besten Köpfe...

...und nicht die besten Kontakte.

Im Schulwesen in Tirol passiert gerade ein Schritt, von dem ich jahrelang kaum zu träumen gewagt habe: Eine Objektivierung in der Schulleiterbestellung.

Von 2003-2008 war ich Mitglied im Kollegium des Landesschulrates für Tirol und gut vernetzt in andere Bundesländer. Immer wenn es um das Thema Bestellung von DirektorInnen ging wurde es allerdings peinlich. Dann musste ich aus Tirol nämlich immer erzählen, dass die BewerberInnen ins Kollegium kommen, das proporzmäßig nach dem Landtagswahlergebnis zusammengesetzt ist. Dort bekommen sie einige Pseudo-Fragen gestellt und dann wird nach Parteien abgestimmt. Bei manchen Bewerbern fand sich irgendwo versteckt in der Bewerbung das Kürzel "FCG", und dann wusste man, dass sie es meistens werden würden.

Mit dieser Peinlichkeit ist nun Schluss. Im Kollegium des Landesschulrates wurde, entsprechend dem Arbeitsübereinkommen der schwarzgrünen Koalition, ein neues Modell für die Bestellung von SchuldirektorInnen ausgearbeitet. Mit 1. August werden wir dafür die Bezirksschulratskollegien abschaffen und das Modell gilt für alle DirektorInnen von Schulen in Landeszuständigkeit.

Wir richten nun eine Objektivierungskommission ein, die allen BewerberInnen faire Chancen gewährleisten soll. Die Objektivierungskommission soll die Fähigkeiten und Kompetenzen bewerten und aufbereiten. In dieser Objektivierungskommission sind nun nicht mehr Parteien vertreten, sondern ExpertInnen. Zum ersten Mal werden damit ein Schulpsychologe / eine Schulpsychologin und ein Mitglied des Zentrums für Führungspersonen im Schulbereich aus der pädagogischen Hochschule über zukünftige DirektorInnen mitentscheiden. Damit soll es eine fachliche und keine parteipolitische Auswahl geben.

Am Schluss schleicht sich die Politik natürlich nicht aus der Verantwortung und die Entscheidung kommt ins Landesschulratskollegium und in die Landesregierung. Aber diese Gremien werden sich gut überlegen müssen, ob sie die Empfehlung der ExpertInnen umstoßen. Das werden sie dann auch öffentlich begründen müssen. Wir schaffen damit Öffentlichkeit, wir schaffen faire Chance und fachliche Bewertungen. Und damit hoffentlich auch Anreize für engagierte Menschen, sich für DirektorInnenstellen auch wirklich zu bewerben. Es ist nämlich nicht mehr von vornherein ausgemacht, wer das wird. Und ich muss mich nicht mehr schämen, wenn ich in anderen Bundesländern von unserer DirektorInnenbestellung erzähle.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Landtag live

Heute tritt zum ersten Mal nach der für uns Grüne erfolgreichen Nationalratswahl der Landtag zusammen, und die Landespolitik kann sich wieder mehr auf Tirol konzentrieren. Das tun wir auch, indem wir etwa heute gleich über die "marxistische Gesamtschule" (Hans Lintner, VP) und Hans Lintner selbst diskutieren. Wir werden Anträge beschließen die mir sehr wichtig sind, etwa zur bleifreien Munition oder zum Thema Gewässerschutz. Wir werden aber auch Initiativen der Opposition annehmen, hinter denen gute Ideen stammen. Weil es nicht darauf ankommt, von wem die Idee kommt, sondern ob sie gut ist. Heute ab 10 Uhr, morgen ab 9 Uhr. Vorbeikommen im Landhaus oder einfach hier in den Live-Stream reinschauen:

 

Wenn der Live-Stream oben nicht geht gibt es hier und hier noch zwei weitere Möglichkeiten.

Update: In der Fragestunde konnten wir eine langjährige Forderung der Grünen aus der Opposition erfüllen: Wir haben mehrfach beantragt, die unnütze Position eines eigenen amtsführenden Landesschulratspräsidenten einzusparen, nicht nur wegen der jährlichen Kosten von 140.000 Euro. In der Opposition gefordert, in der Regierung umgesetzt: Der bisherige amtsführende Landesschulratspräsident Hans Lintner wird vom Kollegium des Landesschulrates nicht wiederbestellt werden, die schwarzgrüne Koalition hat sich darauf verständigt die Funktionen zusammenzuführen und zukünftig die Bildungslandesrätin die Aufgabe erfüllen zu lassen. Und dann haben wir gleich inhaltlich darüber diskutiert, wie wir die Modellregionen für eine gemeinsame Schule in Tirol umsetzen werden. Da geht was weiter, während anderswo immer noch blockiert wird.

Dienstag, 17. September 2013

Der marxistische Landeshauptmann

Tirol hat einen marxistischen Landeshauptmann. Zumindest wenn es nach Landesschulratspräsident Hans Lintner (ÖVP) geht. Die Gesamtschule sei eine marxistische Idee erklärt er im Rofan Kurier, und dass Landeshauptmann Günther Platter zu den Unterstützern einer gemeinsamen Schule gehört, dürfte sich bis zu ihm durchgesprochen haben. Im Koalitionsprogramm der schwarz-grünen Landesregierung haben wir festgelegt, dass wir im Laufe der Legislaturperiode im Zillertal und in Innsbruck Modellstandorte für eine gemeinsame Schule einrichten wollen.

Hans Lintner ist amtsführender Landesschulratspräsident. Der heißt deshalb "amtsführend", weil er das Amt für den Landesschulratspräsidenten führt. Der Landesschulratspräsident ist per Gesetz der Landeshauptmann. Man würde sich also erwarten, dass der amtsführende Landesschulratspräsident die Pläne des Landesschulratspräsidenten für eine gemeinsame Schule unterstützt.

Die Vorarbeiten für die beiden Modellstandorte sind jedenfalls trotzdem bereits in Gang, auch wenn das noch nicht alle wahrhaben wollen. Die Bildungsblockade zu überwinden ist eine der Qualitäten der schwarz-grünen Zusammenarbeit. Dort, wo die Grünen in Landesregierungen vertreten sind gibt es Bekenntnisse zu einer gemeinsamen Schule. Die Frage ist, welche Voraussetzungen eine gemeinsame Schule hat, nicht nur räumlicher Natur, welche Standorte teil des Modells sein sollen und nicht zuletzt auch, ob es Unterstützung seitens des Bundes dafür gibt: Ohne die Unterstützung der Bundesregierung geht nämlich auch bei Modellregionen der gemeinsamen Schule nicht viel. Und deshalb ist es nicht egal, wer am 29. September im Nationalrat gestärkt wird. Weil sonst kann es einem passieren, dass amtsführende Präsidenten oder gar Vorsitzende der Gewerkschaft öffentlicher Dienst das Sagen haben. Da ist die Stimme bei den Grünen jedenfalls sicherer für eine Bildungsreform.

Freitag, 5. Juli 2013

Die Schulachse ist eine grüne Achse

Als "Westachse" wird derzeit die Spaltung der ÖVP in Bildungsfragen diskutiert. Die ÖVP-Landeshauptleute von Vorarlberg, Tirol und Salzburg haben sich für die gemeinsame Schule ausgesprochen. In Tirol ist die gemeinsame Schule im Koalitionspapier vereinbart, in Salzburg kam der Schwenk des VP-Landeshauptmannes mit der Grünen Regierungsbeteiligung.

Wenn es uns gelingen würde, die Blockade in der Bildungspolitik in Österreich aufzubrechen, dann wäre das ein enormer Fortschritt. Ich sehe die Grünen hier derzeit als Motor. Die Bremser sitzen ganz eindeutig in der ÖVP-Bundespartei: Der Beton aus der ÖVP-dominierten Gewerkschaft öffentlicher Dienst bleibt hart wie immer, und auch der Vizekanzler verweigert sich jeder Diskussion. Irgendwann bleiben die beiden aber ganz allein übrig, es ist nur noch eine Frage der Zeit.

In Tirol soll die Modellregion Zillertal als erste starten: Hier ist die Kernfrage natürlich die Integration der Sonderschule. Ich freue mich auch hier schon darauf, die Umsetzung auf den Weg zu bringen.

Freitag, 8. März 2013

Die Lehrbefugnis der ÖVP

Nein, das sei kein politischer Missbrauch erklärte ÖVP-Landesrätin Beate Palfrader in der Tiroler Tageszeitung. Dass sie in Schulen politische Bildung unterrichte sei damit erklärbar, dass sie als ehemalige Direktorin die Lehrbefugnis besitze. Deshalb könne man nicht von Parteipolitik sprechen, wenn sie in Tiroler Schulen auftritt und "unterrichtet."

Nun, Frau Landesrätin: Was sagen Sie dann dazu?


Welche Befugnis hat dann in Ihrer Logik ÖVP-Landtagsabgeordneter Konrad Plautz? Laut Bezirksblatt gab es ja Unterricht durch ihn. Ist das jetzt politischer Missbrauch?

Die anderen Parteien halten sich übrigens im Wahlkampf streng daran, dass Einladungen in Schulen etwa über den überparteilichen Verein für politische Bildung erfolgen, der immer VertreterInnen aller Landtagsparteien zu Diskussionen einlädt.

Ich habe dabei kein Problem, wenn PolitikerInnen in Schulen präsent sind. Ich erinnere mich etwa noch selbst, wie die damalige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer bei uns im Paulinum war und mit dem Dienstwagen bis zur Eingangstür gefahren ist. Da wurde sogar ein Schüler abgestellt, der ihr den Schranken aufmachen musste, der sonst immer geschlossen war. Viele Sympathiepunkte hat ihr der Schulbesuch so jedenfalls nicht eingebracht. Aber ich habe ein Problem damit, wenn PolitikerInnen nicht erkennen, dass ihr Handeln in der Schule immer auch als latent parteipolitisch wahrgenommen wird, ob sie das wollen oder nicht. Und wenn jemand dann so patzig antwortet wie die Bildungslandesrätin, dann ist eine Antwort darauf fällig, wie sie das Handeln ihres ÖVP-Kollegen Plautz einschätzt.

Freitag, 30. März 2012

Ein Vertrag gegen die Bildung

VolksschülerInnen sind bei uns einem enormen Druck ausgesetzt, gute Noten für den Besuch eines Gymnasiums zu erarbeiten. In Telfs wird ihnen das noch einmal besonders schwer gemacht: Ein "Gut" im Volksschulzeugnis ist dort nämlich schon zu viel fürs Gymnasium, und das hat einen Grund: Ein sogenannter "Standortvertrag" soll SchülerInnen in der Hauptschule halten. Das hat allerdings keine bildungspolitischen Gründe, sondern finanzielle: Die Marktgemeinde Telfs will so die Finanzierung der Hauptschule sicherstellen.

Wenn SchülerInnen dazu da sind, Schul-Infrastruktur zu finanzieren und nicht umgekehrt die Schule dafür, SchülerInnen zu bilden, dann läuft etwas falsch. Wenn die freie Schulwahl eingeschränkt wird und Bürgermeister über die Schul-Zukunft von Kindern entscheiden, dann liegt im System ein Fehler.

Heuer soll in einer Ausnahmeregelung ermöglicht werden, dass mehr Kinder ins Gymnasium gehen, die das wünschen. Aber die Marktgemeinde hält am "Standortvertrag" genauso fest wie der Landesschulrat. Dass Kinder, trotz guter Schulleistungen dann nicht in ihre Wunschschule kommen, ist offenbar egal. Für mich ist das symptomatisch für unsere derzeitige Bildungspolitik: Die SchülerInnen sind nicht mehr im Zentrum der Bildungspolitik, sondern die äußeren Umstände. Und das ist schade.

Donnerstag, 3. November 2011

Unterschreiben für die Bildung



Georg Willi, Sonja Pitscheider, Gebi Mair
Vor den Innsbrucker Kindergärten haben wir heute versucht, Eltern davon zu überzeugen, das Bildungsvolksbegehren zu unterschreiben. Fast alle hatten schon davon gehört, und viele haben sich über die Erinnerung gefreut und versprochen, unterschreiben zu gehen. Das geht im Rathaus von heute bis zum 10.11. Noch viel mehr Infos zum Bildungsvolksbegehren gibt es übrigens hier.

Mittwoch, 27. April 2011

UMIT-Entwicklung ohne Plan

Die UMIT, Privatuniversität des Landes hat einen sogenannten "Entwicklungsplan" 2011-2020 vorgelegt. Mit der darin aufgezeigten Entwicklung zeigen die Verantwortlichen aber, allen voran Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg, dass sie hauptsächlich keinen Plan haben.

Die UMIT soll weiter expandieren, heißt es darin. Die Expansion auf 1.630 Studierende soll dabei hauptsächlich vom Land Tirol bezahlt werden, das seine Basisfinanzierung um 50% aufstocken soll. Und im Rückblick ist die UMIT recht zufrieden mit sich. Man habe zwar praktisch keines der selbstgesteckten Ziele erreicht, wolle sich aber weiterhin auf "Top-Qualität" konzentrieren.

Manchmal darf man sich über die Selbstwahrnehmung so mancher Verantwortlicher wirklich wundern und auch darüber, wie wenig sie aus dem wissenschaftlichen Desaster in Hall gelernt haben. Die UMIT selbst will nämlich auch noch weitere Gebäude errichten, nicht nur weitere Studien. Welche Studien es in Zukunft geben soll, das fehlt übrigens im Entwicklungsplan.

Der Entwicklungsplan im derzeitigen Stand zum Nachlesen hier.

Die Tiroler Tageszeitung berichtet über meine Forderung, dass der Landtag Korrekturen an diesem Entwicklungsplan vornehmen soll.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Live-Stream aus der Landtagssitzung

Heute von 10-19 Uhr und morgen von 9-open end findet wieder eine Sitzung des Tiroler Landtages statt. Hier gibts den Live-Stream dazu:

Update: Die angekündige Landtagssitzung ist vorbei. Den nächsten Live-Stream vom Landtag gibt es in der nächsten Sitzung am 16./17.3.2011

Thema wird unter anderem das Glücksspiel sein, die von uns Grünen abgelehnte Begnadigung der Südtirol-Terroristen, die in Zusammenhang mit Tötungsdelikten verurteilt wurden, das Tiroler PISA-Debakel sowie das Abfallwirtschaftsgesetz.

Bei Schwierigkeiten mit der Übertragung gibts den Livestream hier noch einmal.

ORF Tirol: Diskussion um Begnadigung der Südtirol-Aktivisten
Bezirksblatt:  Bildungsdebatte im Tiroler Landtags
Tiroler Tageszeitung: Bildungs-Fahrstuhl funktioniert nicht mehr
ORF Tirol: Unterschiedliche Positionen in Bildungsdebatte 
Tiroler Krone: Heftige Bildungsdebatte im Tiroler Landtag



Mittwoch, 2. Februar 2011

Wir Tiroler sind doch keine Trotteln

Nein, eh nicht. Aber halt auch nicht besser als die anderen. Im Jahr 2005 gab es Aufregung in Tirol, weil jemand behauptete, es gebe 30.000 Analphabeten im Land. Der damalige Landesschulratspräsident und spätere Bildungslandesrat Sebastian Mitterer (ÖVP) erklärte in einer Reaktion darauf, Tiroler seien doch keine Trottel.

Damals war die Aufregung darüber groß, ob man zu Analphabeten Trottel sagen darf. Darf man natürlich nicht, sind sie ja auch nicht. Aber die kollektive Reaktion auf die Analphabetenzahl war Ablehnung der Information selbst.

So ähnlich ging es Tirol lange mit der PISA-Studie. Ja, die Österreich-Ergebnisse mögen schon schlecht sein, aber Tiroler sind schließlich keine Trottel. Das dachten sich so manche verantwortliche PolitikerInnen, auch wenn sie es nicht sagten. Und deshalb hielten sie es für einen klugen Schachzug, eine eigene Tiroler Auswertung der PISA-Daten in Auftrag zu geben. Implizite Behauptung: Die Ausländer in Wien sind an den österreichischen Ergebnissen schuld.

Inzwischen liegt das Ergebnis schwarz auf weiß vor: Nein, wir Tiroler sind keine Trotteln. Aber wir liegen genau im österreichischen PISA-Schnitt, und zwar sowohl beim Lesen wie auch in der Mathematik und in den Naturwissenschaften. Auch die Zahl der Risiko-SchülerInnen liegt im Durchschnitt.

Nein, wir sind keine Trotteln, aber wir haben eben auch kein besseres Bildungssystem als der Rest des Landes. Die Mär, an den Landhauptschulen sei alles viel besser als sonstwo stimmt also offenbar doch nicht. Das Problem der Tiroler Hauptschulen ist genauso groß wie jenes der Hauptschulen der anderen Bundesländer. Und die Probleme der Gymnasien sind auch nicht kleiner.

Die zuständige Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) will jetzt übrigens mit einem Lesequiz auf die schlechten Tiroler PISA-Ergebnisse reagieren. Hmm. Ja. Eh. Und sonst? Tirol ist das schlechteste Bundesland Österreichs bei der schulischen Nachmittagsbetreuung zum Beispiel. Wie wäre es, wenn wir da ansetzen?

Die wichtigsten Tiroler PISA-Ergebnisse hier zum Download.

Samstag, 8. Januar 2011

ÖVP, hallo?

Ich will mich gar nicht über die Details des ÖVP-Bildungspapiers auslassen. Das meiste davon ist einen Kommentar wirklich nicht wert. Nach dem jahrelangen absoluten Stillstand in der ÖVP in Bildungsfragen wird nun aber schon jeder Millimeter Bewegung wie eine Revolution abgefeiert. Mir geht es um etwas Grundsätzliches. Das ist der Kernsatz des ÖVP-Papiers:

"Für Erziehung und Bildung sind hauptsächlich die Eltern verantwortlich. Die Schule unterstützt die Eltern bei der Begleitung und Förderung ihrer Kinder. Diese partnerschaftliche Lösung soll in einer Bildungsvereinbarung festgeschrieben werden."

Der Satz stellt offenbar nicht nur eine Zustandsbeschreibung dar, sondern einen Wunsch: So soll es sein, wenn es nach der ÖVP geht. Manchmal muss man sich echt wundern, in welcher Welt die ÖVP lebt. Vermutlich gibt es irgendwo eine ÖVP-Parallelgesellschaft, in der es weder geschiedene Eltern noch Unverheiratete oder Verwitwete gibt. Es gibt auch keine Eltern, wo beide Elternteile in Schichtarbeit arbeiten müssen. Es gibt auch keine Familien, wo die Eltern selber nicht ordentlich deutsch können.

Wenn in Zukunft die Eltern für die Bildung der Kinder hauptverantwortlich sein sollen, dann verabschiedet man sich damit von der ausgleichenden Wirkung der Schule.  Eigentlich sollte die Schule allen eine gute Ausbildung bieten können. Auch denen, wo die Eltern selbst nicht die Chance dazu hatten, ganz egal ob dies nun MigrantInnen aus Anatolien oder Hilfsarbeiter sind.

In der ÖVP verabschiedet man sich offenbar davon, dass es so etwas wie eine Gesellschaft überhaupt gibt, die bestimmte Aufgaben wahrnimmt, die die Familie nicht wahrnehmen kann oder soll. There is no such thing as a society wäre dann der nächste konsequente Schritt, der in der Entsolidarisierung und Vereinzelung mündet. Aber selbst den katholisch geprägten Wunsch, wonach es die nächste Generation einmal besser haben soll als man selbst ignoriert die ÖVP, wenn sie sich dagegen ausspricht, dass die Schule ausgleichend wirken soll. Das ist schon eine besondere Form der Arroganz und des Besitzstandswahrens der beati possedentes in der ÖVP: Wer hat, dem wird gegeben - das ist offenbar das neue Leitmotto der Volkspartei.

Montag, 28. Juni 2010

Schluiferers Erben

In Sepp Schluiferers "Fern von Europa" beschreibt der Prediger, wie das Übel in die Welt gekommen ist. Hauptsächlich war das durch das Lesen von Büchern. Wenn der Mensch nämlich nicht lesen wollte, dann lebten die Menschen immer noch im Paradies, und die Sonne drehte sich immer noch um die Erde und alle wären gute Christenmenschen. Aber weil die Menschen eben lesen wollten...

Ein bisschen ähnlich kommt mir die Diskussion vor, die der amtsführende Landesschulratspräsident heute medial losgetreten hat, und die recht gut zu seiner bisherigen Amtsführung passt. Er macht sich nämlich hauptsächlich Sorgen um den Religionsunterricht in der Schule. Dass ein Fünftel der SchülerInnen nicht sinnerfassend lesen kann, dass die Leistung in Naturwissenschaften hauptsächlich vom Einkommen der Eltern abhängt und noch vieles mehr scheint nicht so tragisch zu sein. Hauptsache gut katholisch! Oder, weil wir ja multikulturell sind: gut muslimisch!

Wenn ich Landesschulratspräsident wäre, dann würde ich mir derzeit wirklich andere Sorgen im Schulsystem machen: Wie kann ein gerechtes, inklusives Schulsystem ausschauen? Wie können wir dafür sorgen, dass mehr SonderpädagogInnen in den Klassen stehen? Da fehlen nämlich heuer in Tirol schon 108. Aber es sei niemandem vorgeschrieben, wo er seinen Schwerpunkt hinlegen will...


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Freitag, 25. Juni 2010

Wie man eine Umfrage fälscht

Die Landesregierung war sich wohl nicht ganz sicher, wie die Umfrage unter Tiroler LehrerInnen betreffend ihr Image ausgeht. Immerhin 146.000 Euro hatte die Landesregierung für die Imagekampagne ausgegeben und ohne Ausschreibung an die ÖVP-Firmen Hofherr und Prologo vergeben. Deshalb wurde die Umfrage offen ins Internet gestellt, damit sie nicht nur von LehrerInnen ausgefüllt werden konnte, sondern auch von der Bildungabteilung des Landes und der ÖVP-LehrerInnengewerkschaft. Und von mir - sonst wären die Ergebnisse für die Bildungspolitik der Landesregierung sicher noch schlechter gewesen. Aber hoppala! Diese Frage, die ich da ausgefüllt habe, die hat gar nie existiert. Na sowas...

Tiroler Tageszeitung: Ausbildung nicht mehr zeitgemäß
Presseaussendung: LehrerInnen-Studie: Manipuliert, gefälscht, missbraucht


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Mittwoch, 23. Juni 2010

Das MCI bekommt einen Dachgeschoßausbau

Kürzlich war Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) in Tirol. Dabei hat sie erklärt, dass es wichtig sei, dass weniger Menschen in die Massenfächer an den Unis strömen und mehr Menschen in technische Studien und an Fachhochschulen gehen. Jetzt kann man diesen Ansatz grundsätzlich kritisieren, spannend ist aber, dass offenbar nicht einmal die ÖVP-geführte Tiroler Landesregierung daran glaubt.

Wie sonst wäre es zu erklären, dass der Fachhochschule MCI in Innsbruck von der Landesregierung Geld gestrichen wird? 700.000 Euro allein heuer, die vom Bund eigentlich als Aufstockung des Budgets gedacht waren. Und dabei ist klar, dass das MCI aus allen Nähten platzt. Seine Standorte sind über die ganze Stadt verteilt; das sind lange Wege für die Studierenden und vor allem auch hohe Mietkosten für das MCI. Mittelfristig am billigsten wäre deshalb ein Neubau. Und ein Neubau wäre auch dringend notwendig, um die steigende Anzahl an MCI-Studierenden unterzubringen. Diejenigen Studierenden also, die sich an die ÖVP-Empfehlung halten zum Beispiel.

Ein Neubau des MCI hätte noch viele weitere Vorteile - Synergien mit der SOWI-Fakultät der Uni Innsbruck zum Beispiel. Und das MCI hat sogar ein Finanzierungsmodell für den Neubau vorgelegt, der für das Land ziemlich vorteilhaft wäre. Aber, die Landesregierung will nicht.

Es gibt keinen Neubau, sondern einen Ausbau des Dachgeschoßes des Standorts im Zukunftszentrum. Wenn in der Politik Handeln und Reden nicht immer so weit auseinander klaffen würden, dann wäre die Begeisterung der WählerInnen dafür vielleicht auch ein bisschen größer...

Tiroler Tageszeitung: MCI-Ausbau beschlossen


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Montag, 31. Mai 2010

Fälschen Sie Ihre eigene Umfrage

Wie es um das Image der LehrerInnen bestellt ist, weiß man nicht so genau. Eher weiß man da schon, wie es um das Image der Landesregierung bestellt ist. Schlecht nämlich. Und um die Imageoffensive der Landesregierung vulgo Hofherr-Kampagne für die Bildungslandesrätin steht es noch viel schlechter. Deshalb musste die Landesregierung vorsorgen.

Die Tiroler LehrerInnen sollen über alle möglichen Imagefragen befragt werden. Wenn man die LehrerInnen jeweils direkt befragen lässt, zum Beispiel mit einem direkt zugesandten Fragebogen oder mit einer Online-Umfrage mit Passwort, dann wird die Sache aber natürlich schwierig. Dann tut sich die Landesregierung nämlich schwerer, die Umfrage zu fälschen. Nur für den Fall, dass nicht das gewünschte Regierungs-Image herauskommen sollte.

Aber nicht nur die Regierung kann ihre eigene Umfrage fälschen. Auch Sie können das. Klicken Sie einfach hier, und schon bestimmen Sie das Ergebnis der Umfrage mit, egal ob Sie LehrerIn sind oder nicht: http://imageoffensive.imad.at/


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