Freitag, 18. Januar 2013

Der ÖVP ist beim Militärdienst gar nichts peinlich

Der Tiroler ÖVP ist für den Erhalt des Militärdienstes gar nichts peinlich. Nicht einmal, mit Fehlinformationen zu werben. In der Parteizeitung warnt die ÖVP, bei einem Ende des Militärdienstes sei auch ein Aus für die Kaserne in Kufstein zu befürchten. Das Problem dabei: Diese Kaserne wurde schon 2007 geschlossen. Der verantwortliche Verteidigungsminister war übrigens ein gewisser Günther Platter.


Die Tiroler Tageszeitung berichtete heute darüber, Fotos vom Abriss inklusive. ÖVP-Geschäftsführer Malaun erklärte, das sei ihm besonders peinlich:


Die Geschichte ist der ÖVP aber nicht peinlich genug. Ein paar Seiten weiter gibt es nämlich in der selben Ausgabe der Tiroler Tageszeitung ein Inserat der ÖVP. Und was behauptet die Volkspartei darin?


Da wird munter weiter geschwindelt. Das scheint der ÖVP aber alles Recht zu sein. Nicht die einzige unlautere Methode übrigens. Hier ist ein besonders dreistes Beispiel, wie eine amtliche Mitteilung für die Propaganda missbraucht wurde. Der Bürgermeister von Birgitz schreibt auf Kosten der SteuerzahlerInnen an alle BürgerInnen und Betriebe:



Die Gemeinderatswahl in Fieberbrunn wurde übrigens schon einmal vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben, weil der Bürgermeister auf Gemeindepapier Wahlkampf betrieben hat. Offensichtlich handelt es sich hier um eine konzertierte Aktion der ÖVP Tirol, die alle ÖVP-Bürgermeister dazu aufgehusst hat. Dass sie die Bürgermeister damit in den Verdacht des Amtsmissbrauchs und der Untreue stürzt - beides Strafdelikte - scheint der Volkspartei ziemlich egal zu sein. Die Bürgermeister dürfen sich jedenfalls bei der ÖVP bedanken.

So schreibt der ÖVP-Landtagsabgeordnete Anton Mattle auch an die ÖVP-Bürgermeister: "Es tut mir leid, dass einige von euch, wegen des Versandes des Bürgermeisterbriefes in die Medien und vielleicht gar in Schwierigkeiten gekommen sind." Das ist der Nachweis, dass die Geschichte von der ÖVP gesteuert wurde. Anzeigen wegen Untreue und Amtsmissbrauch sind selbstverständlich, eine Überprüfung des Befragungsergebnisses durch den Verfassungsgerichtshof wird sein müssen. 

Apropos peinlich: Dass die ÖVP derzeit die Rettungsorganisationen am Krawattl durch das Land zieht und für den Militärdienst werben lässt ist wohl nur mit der vorgezogenen Pistole zu erklären: Die Tiroler Rettung steht vor einem vom Land verursachten Schuldendebakel, aus dem sie selbst nur schwer herauskommen wird. Kein Wunder, dass sie alles machen müssen, was der ehemalige Verteidigungsminister will. Und, Günther Platter: Die Antwort auf die Anfrage im Landtag, ob Grundwehrdiener für private Zwecke eingesetzt wurden ist noch offen.


Donnerstag, 17. Januar 2013

Wenn wir Dritte werden...

...deshalb wollen wir bei der Landtagswahl am 28. April auch Zweite werden. Denn der Zweite sagt die Farbe an. So ist das beim Watten und auch in der Politik. Mit dem Schlag allein kann man nicht gewinnen. Wirklich entscheidend ist die Farbe. Deshalb sagen wir in einer Pressekonferenz heute Grün an.

Gebi Mair, Ingrid Felipe, Christine Baur,
Georg Willi bei der Pressekonferenz
Morgen sind es noch 100 Tage bis zur Landtagswahl. Die Bedrohung namens ÖVP-SPÖ-Landesregierung hat jetzt ein Ablaufdatum. Und das ist gut für Tirol. Die Regierung Günther Platter kann nicht mehr länger Dinge kaputt machen, wie sie es bisher getan hat: Vom Lift-Erschließungswahn über die Zerstörung des Rettungswesens, die Attacke auf den Gewässerschutz, dem Angriff auf Demokratie und Transparenz durch Freunderlwirtschaft, dem Anschlag auf gesunde Luft in Tirol und noch vieles mehr.


Wir Grüne wollen die Schönheit Tirols erhalten und bewahren. Und dafür ist es gut, dass diese Regierung längstens bis 28. April haltbar ist. Denn die Spur der fahrlässigen Zerstörung von Günther Platter, Bernhard Tilg und Thomas Pupp zieht sich durch das Land.

Zu viel Polit-Sprech? Zugegeben, ein bisschen viel auf einmal. Aber wir werden in den kommenden 100 Tagen an konkreten Beispielen klar machen, wie sich das zeigt. Und wenn du mithelfen willst, Tirol vor dieser Landesregierung zu schützen, dann freuen wir uns über deine Mithilfe. Einfach hier melden, und wir finden eine gute Möglichkeit, wie du dich bei den Grünen für Tirol einsetzen kannst.


Mittwoch, 16. Januar 2013

More of the s(h)ame

Anna Hosp (Pfeil links) und Hans Lindenberger (rechts) in der ÖVP-Regierung Van Staa II
Anna Hosp und Hans Lindenberger also. Die beiden waren nicht nur gemeinsam in der Regierung Herwig Van Staa II vertreten, sondern treten nun auch gemeinsam zur Landtagswahl an. Heute haben sie ihre Liste präsentiert, das heißt: Eigentlich haben sie sie nicht präsentiert. Während andere Parteien nämlich nur kein Programm haben, haben sie kein Programm und auch keine KandidatInnen außer sich selbst.

Es lohnt sich deshalb, in Erinnerung zu rufen, wofür Anna Hosp und Hans Lindenberger standen, als sie in der Landesregierung waren:

Anna Hosp
- trat für die Erschließung des Piz Val Gronda ein
- ist verantwortlich für den "Notweg" am Pitztaler Gletscher
- ließ sich jene Wohnung, in der später der zurückgetretene Seilbahnlandesrat Christian Switak wohnte, 2007 vom Schultz-Clan abkaufen
- wurde von Alfons Mensdorff-Pouilly mehrfach zur Jagd eingeladen
- ihr darf nach den ungustiösen Ereignissen rund um den Innerreiter-Hof und den Landeskulturfonds gerichtlich bestätigt von Georg Willi "ÖVP-Machtmissbrauch" vorgeworfen werden

Hans Lindenberger
- ja wofür trat eigentlich Hans Lindenberger ein? Hauptsächlich kennt man ihn dafür, dass er nach zwei Jahren in der Regierung schon wieder entnervt das Handtuch warf. Oder kennt man ihn überhaupt?

Kurzum: Ich schätze Anna Hosp als Person. Inhaltlich steht die ehemalige ÖVP-Hauptgeschäftsführerin aber leider für das alte System der ÖVP. Für mich ist diese Liste deshalb einmal more of the same. Und angesichts der bisherigen Inhalte, die ich oben kurz aufgezählt habe, auch more of the shame. Für so eine umweltfeindliche Politik schäme ich mich nämlich.

Und seien wir ganz ehrlich - ist es nicht egal, ob die ÖVP in 5 oder in 7 Bünden zur Wahl antritt? Das ist halt ein bisschen mehr Industriellenvereinigung und ein bisschen weniger ÖAAB, aber ansonsten scheint mir das doch ziemlich ähnlich.

Montag, 14. Januar 2013

Energie als Zukunftsfrage des Skitourismus

Die Energiefrage wird immer mehr zur Zukunftsfrage des Lift-Skitourismus. Der steigende Energieverbrauch und die steigenden Energiekosten bringen eine Spirale in Gang, aus der kaum mehr auszubrechen ist: Mehr Energieverbrauch führt zur Notwendigkeit von höheren Preisen. Höhere Preise bedingen aber gleichzeitig mehr Gäste, weil überwiegend fixe Kosten und kaum variable Kosten anfallen. Mehr Gäste bedeutet die Notwendigkeit des Ausbaus der Infrastruktur. Das bedeutet nicht nur höhere Kosten für die Investitionen, sondern auch für die Erhaltung. Und der Kreislauf beginnt von vorne. So ein System kann natürlich nicht ewig weitergehen, ohne dass irgendjemand draufzahlt.

Deshalb hier der Vergleich unterschiedlicher Typen von Anlagen für künstliche Beschneiung, wie sie derzeit in Tirol installiert sind, ohne Pumpleistung. Der tatsächliche Energieverbrauch ist also noch wesentlich höher, aber hier einmal die Kenndaten für die Beschneiungsanlage allein:

Modell A: Propeller, 9,5 Liter / Sekunde, Leistung 25,7 kw, Schnee pro kWh: 3
Modell B: Propeller, 7,5 Liter / Sekunde, Leistung 19 kw, Schnee pro kWh: 3,4
Modell C: Lanze,  4,4 Liter / Sekunde, Leistung 4,3 kw, Schnee pro kWh: 8,8
Modell D: Lanze, 3,2 Liter / Sekunde, Leistung 0,8 kw, Schnee pro kWh: 35
Modell E: Lanze, 6,4 Liter / Sekunde, Leistung 0,8 kw, Schnee pro kWh: 70

Was man hier also sehr deutlich sieht: Auch bei den bestehenden Anlagen gibt es solche und solche. Typisch installierte Anlagen (hier zB Modell A) verbrauchen zum Teil zwanzig Mal mehr Energie als andere (hier Modell E).

Um den Vergleich deutlicher zu machen: Wenn es Autos mit einem Verbrauch von 6 Litern pro hundert Kilometer gibt, wer würde dann auf die Idee kommen, ein Auto mit einem Verbrauch von 120 Litern auf hundert Kilometer zu kaufen? Das passiert aber in unseren Skigebieten weiterhin.

Wenn ich mir manche alte Lifte anschauen, dann beschleicht mich auch das Gefühl, dass der Effizienzfaktor hier bei manchen Anlagen ähnlich sein könnte. Vorausgesetzt natürlich, bei neuen Liften wird dann nicht in unsinnige Dinge wie Sitzheizungen und Co investiert.

Die Frage ist nun, wie es gelingen kann, diese Effiziezfaktoren zu realisieren. Dazu wird es mit Sicherheit Contracting-Modelle brauchen, die einen Umstieg ohne massive Investitionskosten ermöglichen. Solche Contracting-Modelle erwarte ich mir etwa von der TIWAG. Und dann wird es aber auch gesetzliche Regelungen brauchen, die Standards vorschreiben.

Wie stehen ÖVP und SPÖ dazu, den Energieverbrauch zu deckeln? Ich warte auf konkrete Antworten, insbesondere vom Umweltlandesrat, wenn er sich nicht weiter als Naturzerstörer profilieren will.

Ich weiß, dass die Sache komplexer ist. Wir müssen uns nicht nur über Energie unterhalten. Wir müssen über Lärm reden, über Wasserumlagerung, über Verdunstung, über Baumaßnahmen im alpinen Gelände. Aber auch über Schneizeiten, über Wasserqualität und eingeatmete Kleinstpartikel durch Beschneiung. Und auch darüber, ob partielle Beschneiung Sinn machen kann, um den Boden zu schützen, ob auch bei starken Winden effiziente Beschneiung sichergestellt werden kann oder ob man dabei auf den Kunstschnee verzichten soll, ab welchen Temperaturen beschneit werden darf und noch vieles mehr. Aber der Dreh- und Angelpunkt für die gesamte Diskussion ist der Energieverbrauch.

Energieverbrauch, das ist übrigens noch mehr: An- und Abreise von TouristInnen beispielsweise. Deren Form ist nämlich auch nicht naturgegeben. Aber dazu demnächst mehr.

Freitag, 11. Januar 2013

Thomas Pupp als willfähriger Gehilfe der Seilbahnlobby

Thomas Pupp, Gehilfe der Seilbahnlobby

Als Thomas Pupp als Umweltlandesrat angelobt wurde, waren die Erwartungen an ihn hoch. Der ehemalige Präsident der Naturfreunde als Umweltlandesrat, das gab Grund für Hoffnungen. Doch leider hat er sie schnell enttäuscht. Ja, mehr noch. Thomas Pupp hat sich zum willfährigen Gehilfen der Seilbahnlobby gemacht.

Die EU-Kommission verlangt bekanntlich die Nominierung des Piz Val Gronda als Natura 2000-Gebiet. Anstatt nun eine Pause zu verlangen und nachzudenken, wie damit umgegangen wird, macht er Dampf für die lifttechnische Erschließung. Die EU sei falsch informiert, erklärte er etwa. Dabei ist er falsch informiert. Im Gutachten, das dem Schreiben der Kommission zugrunde liegt wird nämlich ganz besonders auf die Auswirkungen des Freeridens durch das Fimbatal eingegangen. Pupp hingegen tut so, als sei die Kommission schlecht über die Neutrassierung der Piste informiert.

Aber auch sonst hilft Pupp der Seilbahnlobby. Ich habe im Landtag eine schriftliche Anfrage an ihn gerichtet, die er gestern beantwortet hat. Ob er zu Schutzmaßnahmen rund um den Piz Val Gronda bereit wäre, wenn dieser erschlossen wird beispielsweise. Darauf antwortete er, dass nicht alles auch geschützt werden müsse, was schützenswert sei. Außerdem zweifelt er in seiner Antwort an, dass das Gebiet überhaupt schützenswert sei. Außerdem sei die Bevölkerung gegen den Schutz. Ist das eine Stellungnahme, wie man sie von einem Umweltlandesrat erwartet?

„Gehet hin und machet euch die Berge untertan“ scheint der neue passende Slogan für diese Landesregierung zu sein.

In Sachen Schneekanonen haben wir heute in einer Pressekonferenz auch neue Konzepte vorgeschlagen: Wie wäre es beispielsweise mit einer Deckelung der Summe des Energieverbrauchs für künstliche Beschneiung in Tirol? Damit müssten für neue Schneekanonen Effizienzpotentiale bei bestehenden Anlagen genutzt werden. Tatsächlich gibt es bereits jetzt Schneekanonen, bei denen der Effizienzfaktor 10 erzielt werden kann. Mit einer Kilowattstunde Strom kann dabei bis zu zehn mal so viel Kunstschnee erzeugt werden wie mit anderen Anlagen. Bei 10.000 Schneekanonen in Tirol könnte mit diesem Faktor die Leistung des Donaukraftwerks Melk eingespart werden.

Wir wünschen uns deshalb, dass Mindesstandards für Schneekanonen in Tirol vorgeschrieben werden. Ähnlich wie bei CO2-Verschmutzungsrechten soll ein Markt für den Energieverbrauch von Schneekanonen in Tirol geschaffen werden. Damit entsteht auch ein Preis für die Naturnutzung durch Schneekanonen und Energieeffizienz wird zu einem starken Steuerungshebel. Ich bin gespannt, ob Landesrat Pupp sich auch bei diesem Vorschlag wieder auf die Seite der Seilbahnlobby schlagen wird oder ob er dieses Mal auf Seiten der Tiroler Natur stehen wird.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Neue Hoffnung für den Piz Val Gronda

Der Piz Val Gronda in Ischgl ist ein ganz besonderes Fleckchen Tirol. Das wissen außer der Landesregierung eigentlich alle. Auch in Brüssel weiß man das. Und deshalb hat Österreich jetzt Post bekommen. Und die Post hat es in sich.


Mehr als 500 Seiten stark ist das Schreiben der EU-Kommission an die Republik Österreich. Darin droht die Kommission mit einem Vertragsverletzungsverfahren, wenn nicht endlich bestimmte Regionen in Österreich unter Naturschutz gestellt werden. Dazu gehört explizit der Piz Val Gronda. Die europäische Kommission will, dass der Piz Val Gronda für das Natura 2000-Netzwerk nominiert wird.

In Natura 2000-Gebiete darf natürlich kein Lift gebaut werden, wie die Ischgler Seilbahner wollen. Es gilt ein Verschlechterungsverbot. Daran ändert auch der bereits vorliegende naturschutzrechtliche Bescheid nichts, auf den sich SPÖ-Landesrat Thomas Pupp beruft. Er versucht derzeit mit Winkelzügen seine Fehlentscheidung zu rechtfertigen. Das ändert auch nichts daran, dass Pupp an vorderster Front der Naturzerstörer steht.

Für die lifttechnische Erschließung des Piz Val Gronda fehlt noch der eisenbahnrechtliche Bescheid. Dafür zuständig ist der Landeshauptmann. Günther Platter hat es nun also in der Hand. Gleichzeitig werden wir versuchen, eine vorläufige Unterschutzstellung des Gebietes zu erwirken. Die Androhung eines Vertragsverletzungsverfahrens der EU-Kommission an die Republik Österreich bildet dafür eine erste Grundlage.

Wenn es zu einem Vertragsverletzungsverfahren kommt und Österreich verurteilt wird, dann wird das übrigens teuer und kostet bis zu 60 Millionen Euro im Jahr. Wenn die Seilbahn gebaut wird und das Gebiet nicht unter Schutz gestellt werden kann - die Seilbahner also sozusagen die EU "legen" wollen - dann müssen die SteuerzahlerInnen dafür aufkommen. Das ist natürlich inakzeptabel. Ich habe deshalb die Silvretta Seilbahnen AG bereits aufgefordert, auf die weiteren Planungen zu verzichten und abzuwarten, wie das Verfahren ausgeht.

Das ist es, was das Projekt jetzt braucht: Eine Verschnaufpause, in der keine Fehler gemacht werden. Jetzt muss einmal abgewartet werden, damit die Tiroler Natur noch eine Chance bekommt.

Mittwoch, 9. Januar 2013

Lieber Billa,

ich mein: ernsthaft? Ich kaufe oft bei dir ein. Du bist der nächstgelegene Supermarkt. Du hast zwar nicht immer das, was ich gern hätte. Aber du bist am wenigsten kompliziert. Gestern aber habe ich mich gefragt: Muss das wirklich sein?


Am 8. Jänner gibt es bei dir Erdbeeren. Aus Spanien und Ägypten. Denen sieht man übrigens auch an, dass sie nicht schmecken können. Was man ihnen leider nicht ansieht ist das CO2, das für ihren Transport produziert wurde. Das wirkt sich aber sowieso in ärmeren Ländern dramatischer aus als bei uns, vielleicht ist es euch deshalb egal.

Mir ist es nicht egal. Diese Erdbeeren sind echte Klimafresser. Eure Kunden scheinen die Erdbeeren im Jänner ja auch nicht zu wollen. Sonst müsstet ihr nicht gleich eine 1+1-Gratis-Aktion daraus machen. Also bitte lieber Billa: Ich hätte es gerne möglichst saisonal. Und wenn regional und bio manchmal auch noch geht, dann wär mir das besonders recht. Und niemand muss Erdbeeren im Jänner essen. Die schmecken in ein paar Monaten, wenn sie aus Tirol kommen nämlich auch viel besser.

Update: 24 Stunden später sieht der selbe Korb so aus. Die spanischen und ägyptischen Jänner-Erdbeeren werden offensichtlich gekauft. Ein Argument mehr dafür, sie um diese Jahreszeit gar nicht erst anzubieten, sondern dann wenn sie Saison haben.


Dienstag, 8. Januar 2013

Müssen einem Seilbahner leid tun?

Die Seilbahnlobby tut derzeit so, als müsse sie einem direkt leid tun. Es sei praktisch unmöglich, Projekte zu verwirklichen. Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall. Wenn man sich anschaut, welche Projekte realisiert wurden und derzeit im Genehmigungsverfahren sind, dann muss man feststellen, dass sie dazu beitragen, Tirols Natur akut zu gefährden.

So wurde etwa mit diesem Lift auf das Daunjoch ein bisher unberührte Gebiet von 6 Quadratkilometern - die Glamergrube erschlossen. Auf dem Bild ist die Distanz zu sehen, die SkifahrerInnen dafür zu Fuß zurücklegen müssen. Das Bild ist direkt vom Joch aufgenommen. Diese paar Meter werden natürlich niemanden hindern. Freeride-Führer verweisen bereits auf die neue Abfahrtsmöglichkeit. Und trotz Seilbahngrundsätzen wurde damit ein neues Tal erschlossen. Und weitere Projekte im Skigebiet sind schon in Planung.


Aber zurück zur Frage, ob einem Seilbahner leid tun müssen. Hier die Zahlen aus den Jahren 2009-2011:
Die Seilbahnwirtschaft hat in diesem Zeitraum um 98 Pistenprojekte angesucht. Davon wurden 94 genehmigt, 4 abgelehnt.
Die Seilbahnwirtschaft hat um 90 Liftprojekte angesucht, davon wurden 88 genehmigt, 2 abgelehnt.
Die Seilbahnwirtschaft hat um 83 Projekte für künstliche Beschneiung angesucht, davon wurden 82 genehmigt, 1 abgelehnt.

Müssen einem Seilbahner leid tun? Wohl kaum. Aber muss man sich um die Tiroler Natur Sorgen machen? Und wie!

Montag, 7. Januar 2013

So soll es bleiben

Tirol ist ein schönes Land mit großartiger Natur. Und das soll es auch bleiben, zumindest wenn es nach mir geht. Deshalb freue ich mich auch jedes Jahr auf die Zeit rund um Weihnachten. Da habe ich dann nämlich immer Zeit, diese Natur auch zu genießen. Und das lässt sich auch immer wieder damit verbinden, vor Ort etwas über bedrohte Natur zu lernen.

Heuer war ich unter anderem am Brenner-Grenzkamm unterwegs um auch im Winter einen Eindruck zu bekommen, wie hier ein Windpark aussehen könnte:


Auch am Hinteren Daunkopf war nicht nur wie in den vergangenen Jahren zu sehen, wo die TIWAG Wasser aus Glamergrube und Sulztal ableiten will. Heuer waren auch die Auswirkungen von neuer Lifterschließung zu sehen, die der Stubaier Gletscher mit der Daunjochbahn bewirkt hat. Einsamkeit findet man weiterhin, man muss aber ein bisschen suchen.


Und dann habe ich über Weihnachten auch noch ein Quad-Rennen in der Leutasch gesehen. Bisher war ich der Meinung, es gäbe ein Motosport-Verbot in Tirol. Jedenfalls Anlass für mich, mich hier näher zu informieren.


Und, eine alljährliche Erfahrung, die ich mit vielen Menschen teile: Sport in der Tiroler Natur macht noch mehr Spaß, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln an- und abreisen kann. Das geht in manchen Regionen sehr gut, in anderen gibt es definitiv Verbesserungsbedarf. Ein Skitourenbus nach Lüsens etwa könnte jedes Wochenende Hunderte Autofahrten einsparen. Aber dazu und zu anderen Themen werde ich in den nächsten Wochen wieder Initiativen setzen. Ein paar Vorschläge für schöne Sportmöglichkeiten im Großraum Innsbruck mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es inzwischen hier.


Aja, und das Ganze macht auch noch Spaß. Das gibt's hier zu sehen:

Donnerstag, 3. Januar 2013

Weg mit der ÖVP

Das finde nicht ich, sondern offenbar die ÖVP selbst. Die Tiroler Volkspartei beginnt mit Hinblick auf die Landtagswahl mit Inseraten, die so aussehen:


Nach den Erfahrungen mit dem bisherigen Personal - Christian Switak, Bernhard Tilg, Patrizia Zoller-Frischauf - bleibt der ÖVP nur mehr eine Botschaft übrig: "Liebe Wählerinnen und Wähler, wir haben die Hälfte unserer Leute hinausgeworfen." Das war nämlich das Ziel der Geschäftsstelle, die Hälfte des Teams zu erneuern. Offenbar hat man sich in der vergangenen Periode zu viel für sie geschämt. Kein Wunder, ist die Performance der ÖVP doch ziemlich peinlich. Der Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft zu Korruption in der Tiroler Landesregierung liegt derzeit etwa im Justizministerium und wartet auf Bearbeitung.

Nun also das Inserat. "49 Neue" - nicht "49 Gute". Ihre einzige Qualifikation scheint zu sein, dass sie nicht die bisherigen sind. Auch auf der angegeben Homepage findet sich mit Stand heute zwar eine Fotogalerie, aber kein bisschen Text. Nichts, wofür diese neuen KandidatInnen stehen. Nichts, wofür sie sich einsetzen. Ja, nicht einmal Namen der KandidatInnen. Nur dass sie "neu" sind.

Das ist WählerInnentäuschung, wie sie im Buche steht. Allen sei versichert: In der ÖVP bleibt alles, wie es war. Dafür garantiert Günther Platter.

PS: Neu ist die ÖVP offenbar auch bei der Rechtschreibung: Wenn im Inserat von "KandidatInnen und Kanditaten" die Rede ist, dann muss eines der beiden Wörter falsch geschrieben sein. Vermutlich das mit dem weichen d. Die ÖVP ist nämlich die Partei der Täter, wie man etwa am Beispiel Piz Val Gronda sieht. Ein Date mit der ÖVP hingegen will keiner.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Waldarbeiter Limited

Manche Dinge verstehe ich nicht, ganz ehrlich. Zum Beispiel das hier: Warum braucht eine Firma, deren Erwerbszweck die Forstarbeit ist, und die offensichtlich in Telfs beheimatet ist als Unternehmensform eine Limited nach britischem Recht? "Waldarbeiter Limited" nämlich.

Gesehen im Amtsblatt zur Wiener Zeitung. Für Erklärungen bin ich dankbar.

Freitag, 21. Dezember 2012

Gelernt oder nicht gelernt?

Hat die Tiroler Landesregierung etwas gelernt? Oder hat sie nichts gelernt? Zum Beispiel, wenn der Rechnungshof Kritik übt.

Einmal im Jahr prüft der Rechnungshof nach, was eigentlich mit seinen Empfehlungen gemacht wurde, also ob sie umgesetzt oder ignoriert wurden. Und für Tirol muss man sagen: Es ist noch Potential nach oben.

Eine der ersten und wichtigsten Feststellungen des Rechnungshofes findet sich hier, wo er nämlich feststellt, dass im Rechnungswesen von Land Tirol und Gemeinden keine ausreichende Transparenz herrscht. Unter anderem, so der Rechnungshof, werden Vermögen und Schulden nicht nachvollziehbar dargestellt. Das ist aber nur einer von vielen Kritikpunkten am intransparenten Landesbudget. Und hier findet sich die Auflistung aller Empfehlungen aus dem vergangenen Jahr. Nicht umgesetzte Empfehlungen zu Kunstwerken, die seitens der Landesmuseen an PolitikerInnen und BeamtInnen "verliehen" wurden, sind nur ein Teil der Kritik.  Es geht auch um gemeinnützige Bauvereinigungen, Managerverträge und vieles mehr. Spannend zum Nachlesen für alle, die sich vertieft mit Tiroler Verwaltungshandeln auseinandersetzen.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Wir werden keinen Richter brauchen

Die Privatuniversität des Landes Tirol UMIT hat sich bekanntlich unter Beteiligung ihres damaligen Rektors und jetzigen Wissenschaftslandesrates Bernhard Tilg (ÖVP) in ein Debakel geritten, das zur Aberkennung der Akkreditierung für ihr Doktoratsstudium Gesundheitswissenschaften führte. Ein Gutachten zum Nachlesen dazu gibt es hier. Das hat Studierende natürlich in große Schwierigkeiten geführt, weil sie ihr Studium verloren haben und es nicht immer fortsetzen konnten.

Seitens der UMIT wollte man sich nicht darauf einlassen, die Angelegenheit gerichtlich zu klären. Deshalb gab es Vergleichsangebote an Studierende, die Schäden geltend gemacht haben. 10.000 Euro am Anfang zum Beispiel. Auch 17.000 wurden von der UMIT geboten, damit Studierende nicht klagen - das berichtete die Tiroler Tageszeitung. Mich hätte das durchaus interessiert, was bei einem Prozess herausgekommen wäre, aber die UMIT will Prozesse um jeden Preis vermeiden - wird werden keinen Richter brauchen.

Und was war die erste Reaktion der UMIT auf die journalistische Recherche? Sie hat den betroffenen Studierenden eine Vergleichsklausel geschickt, wonach Stillschweigen über den Vergleich gewahrt werden muss. Wir werden also nie erfahren, ob und wie viel Geld von der UMIT für das von ihr verursachte wissenschaftliche Debakel an die Studierenden bezahlt werden musste.

Damit man sich das auf der Zunge zergehen lassen kann: Die UMIT, eine Einrichtung des Landes Tirol muss an BürgerInnen Schadenersatz bezahlen für einen Schaden, den sie verursacht haben. Seitens des Landes gab es in Folge des Debakels auch zusätzliche Gelder für die Universität in Hall. Und das Hauptanliegen der UMIT ist, dass die Öffentlichkeit nichts davon weiß. Deshalb gibt es Vergleichsangebote und keinen Prozess - und jetzt auch eine Geheimaltungsklausel für die Betroffenen. Ist das die Transparenz, die man sich von einer Landeseinrichtung erwartet?

Montag, 17. Dezember 2012

Lech in Tirol

10.000 Schneekanonen haben wir inzwischen in Tirol, und sie verbrauchen so viel Strom wie Schwaz, Lienz, Imst und Landeck zusammen. Trotzdem hat mir der oberste Seilbahnlobbyist und ÖVP-Nationalrat Franz Hörl ausgerichtet, ich solle doch einmal nach Lech schauen. Dort verbrauche man für den Kunstschnee gerade so viel Strom wie für eine kleine Pension, in der Tiroler Tageszeitung nachzulesen.

Interessant ist nur: Das stimmt nicht.

Als erstes stimmt natürlich schon einmal nicht, dass Lech zu den 10.000 Tiroler Schneekanonen gezählt werden kann. Lech liegt nämlich in Vorarlberg.

Wichtiger ist aber: Die Angaben zum Stromverbraucht von Franz Hörl stimmen nicht. Nach den eigenen Angaben des Skigebiets Lech verbrauchte die Beschneiung bereits 2007 so viel Strom wie 3 Vier-Sterne-Hotels mit je 115 Betten. Richtig investiert wurde aber erst danach. Im Jahr 2010 waren in Lech bereits 340 Schneekanonen installiert. 53% der Pisten waren damit beschneibar, pro Stunde können 2,88 Millionen Liter (!) Wasser verschneit werden. Kostenpunkt für die Beschneiung im Jahr 2010 schon 6 Millionen Euro pro Jahr. Noch einmal 3,5 Millionen Euro gehen in die Pistenpräparierung. Alle Zahlen beruhen auf Eigenangaben der Skilifte in Lech. Auch in Vorarlberg hat die ÖVP-Landesregierung die Beschneiungsrichtlinien gelockert, dann musste die Skigebiete pflanzensoziologische Gutachten beibringen und können nun früher beschneien. Seither sind wieder 2 Jahre ins Land gezogen. Die seit damals neu installierte Schneikapazität ist deshalb hier noch gar nicht erfasst.

Der Vorarlberger Naturschutzanwalt hat übrigens mit Verweis auf Daten der Alpenkonvention errechnet, dass schon 2006 der Stromverbrauch der künstlichen Beschneiung in den Alpen dem Verbraucht von 130.000 Vierpersonenhaushalten entspricht. Diese und weitere interessante Zahlen zur künstlichen Beschneiung in Vorarlberg gibt es hier nachzulesen. Er verweist auch darauf, dass der Lärm einer Schneekanone mit 115 dB in etwa der eines startenden Flugzeugs entspricht.

Warum muss Seilbahnlobbyist Franz Hörl also mit falschen Zahlen und falschen Bundesländern hantieren? Ich fände es ja durchaus interessant, die Zahlen objektiv aufzulisten. Ich finde deshalb, die Seilbahnbetreiber sollten ihre installierten Schneikapazitäten und den Stromverbraucht jährlich an das Land melden, das die Liste dann veröffentlicht. Dann können wir eine gute Diskussion darüber führen.

Und Franz Hörl? Nun, er könnte beispielsweise einmal den Verbrauch für jenes Skigebiet veröffentlichen, an dem er beteiligt ist. 291 Hektar beschneite Fläche gibt es nämlich in der Zillertalarena. Weil, das muss man nach Hörls Zahlentricksereien auf gut Tirolerisch sagen: Dem Hörl schneibt's bei der künstlichen Beschneiung offensichtlich ordentlich einen herein.

Freitag, 14. Dezember 2012

Neuigkeiten vom Innsbrucker Wohnungsmarkt

Seilbahnkaiser Schultz hat sich in Innsbruck bekanntlich um leistbares Wohnen verdient gemacht. Insbesondere für den damaligen Seilbahn-Landesrat Christian Switak (ÖVP), der günstig in der Schultz-Wohnung in der Adamgasse wohnen konnte. Passend dazu auch ein Zitat von ÖVP-Klubobmann Josef Geisler im Tiroler Landtag zum Thema Schultz-Spenden an die ÖVP: "Erfolgreiche Unternehmer investieren halt auch in die ÖVP, ist ja nichts Schlimmes."

Switak musste irgendwann ausziehen, als die offensichtliche Beziehung zum Seilbahnkaiser doch zu einer zu großen Belastung für die ÖVP wurde. Obwohl Landeshauptmann Günther Platter natürlich dabei blieb, dass nichts falsch gemacht worden sei und nur die Optik schlecht.

Kurzum, Switak zog aus, und Schultz machte sich auf die Suche nach neuen MieterInnen. Die hat er auch gefunden. Dieses Mal sind es Privatpersonen, die mit dem Land nichts zu tun haben. Sie sollen sehr zufrieden mit der technisch tipptopp ausgestatteten Wohnung sein. Und siehe da: Der Mietpreis liegt monatlich mehrere hundert Euro über dem, was der Seilbahnlandesrat bezahlte und dürfte jetzt marktgängig sein. Wie kommt das nur?

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Aus dem Landtag

Heute gibt es eine Sitzung des Tiroler Landtages, aber nicht alles ist wie immer. Unser Kollege Bernhard Ernst ist uns von dieser Welt vorausgegangen und - wie es in seiner Todesanzeige in seinen eigenen Worten heißt - wartet auf einem Berggipfel, in den Sonnenaufgang schauend. Der Landtag beginnt heute deshalb mit einer Trauerstunde. Und, weil Bernhard es wohl auch so gewollt hätte: Danach gibt es inhaltliche Diskussionen wie auf der Tagesordnung geplant, unter anderem zum Thema künstliche Beschneiung in der Fragestunde. In der aktuellen Stunde morgen Donnerstag hat die ÖVP das Thema "Bundesheer" ausgesucht.

 

Montag, 10. Dezember 2012

Dem Himmel so nah

Gebi Mair, Bernhard Ernst +

Er sei dem Himmel so nah, schrieb Bernhard Ernst vor wenigen Tagen unter ein Foto von sich. Darauf war er vor verschneiten Tiroler Bergen zu sehen.

Bernhard war wortgewaltig und ideenreich. So bleibt er mir in Erinnerung. Ausgestattet mit einer Stimme, die große Räume bis in die letzten Winkel erfüllen konnte, und auch mit einem scharfen Intellekt. Bernhard war ein Mensch der politischen Präzision, der tiefen Beschäftigung mit einem Thema, und ich war immer wieder erstaunt, wo er seine Ideen und Strategien hernahm, und mit welcher Verve er sie präsentierte.

Er war aber auch ein verbundener Mensch. Verbunden mit seinen Mitmenschen und mit seiner Heimat, Tirol. Wie glücklich sah er aus, wenn er Fotos von sich in den Bergen herzeigte, wenn er erzählte, was er am Wochenende gemacht hatte. Ob Bergtour oder Lawinenkurs, Bernhard war begeistert und begeisternd.

"Bei den Besten gelernt", lachte er, wenn man ihn auf seine Vergangenheit bei den Grünen ansprach und darauf, dass er seine Fähigkeiten nun für die Liste Fritz einsetzte. Für ihn war das kein Widerspruch. Im Herzen war er immer auch ein Umweltpolitiker geblieben, setzte sich für Klein- und gegen Großwasserkraftwerke ein, kämpfte für die Energiewende und für nachhaltige Mobilität. Im Mittelpunkt stand dabei immer der Fokus auf den Menschen und seine Bedürfnisse: Wenn er von der Energiewende sprach, dann gab es das nie ohne den Hinweis, dass sich nur so Menschen langfristig das Heizen leisten würden können. Wenn er für den Erhalt des Rettungswesens in Tirol stritt, dann nicht aus Selbstzweck, sondern im Bewusstsein des Einsatzes Vieler. Wo er seine Kraft einsetzte war ihm dabei nicht so wichtig, und er war nicht neidisch auf die Erfolge anderer; wichtiger war ihm, dass die Richtung stimmte.

Wir sind nur Gast auf Erden, das war ihm wohl auch klar. Bernhard hatte es schon in den vergangenen Jahren gesundheitlich nicht immer einfach, aber das konnte seine innere Kraft und Verbundenheit nicht beeinträchtigen. Am Samstag hat sein Herz aufgehört zu schlagen. Es schlug für ein gutes Leben in einem schönen Land. Ich hoffe, das hat er nun auch für sich.

Freitag, 7. Dezember 2012

10.000 Schneekanonen und kein Ende

Im Jahr 2007 gab es in Tirol etwa 3.000 Schneekanonen zur technischen Beschneiung. Heute, 5 Jahre später gibt es so viele Schneekanonen allein im Bezirk Kitzbühel. Der Bezirk Kitzbühel hat heute so viele  Schneekanonen wie ganz Europa vor fünf Jahren, und in Tirol gibt es inzwischen 10.000 Stück dieser Energiefresser.

Eine Schneekanone hat durchschnittlich einen Verbrauch von 24 Kilowattstunden, ein Kubikmeter Schnee mit Pumpleistung verbraucht etwa 5 Kilowattstunden. Wenn man die beschneibaren 4.400 Hektar Pistenfläche in Tirol also einmal (!) mit 25 Zentimetern beschneien will, dann ist bei Kosten von 2,5-4,5 Euro pro Kubikmeter mit Betriebskosten von 28-50 Millionen Euro zu rechnen. Da ist aber nur einmal beschneit. Da darf nichts wegschmelzen, so wie heuer im Oktober, als bereits die ersten weißen Bänder in die grüne Landschaft beschneit wurden.

Laut Bescheid können in Tirol 14.388.000 Kubikmeter Wasser im Jahr verschneit werden, von denen bei der Beschneiung etwa 30% sofort verdunsten. Eine Liste der Speicherteiche für die Beschneiung findet sich hier.

Und weil wir schon beim Energieverbrauch sind: Die Präparierung eines Hektars Piste braucht durchschnittlich 1.420 Liter Diesel. Das bedeutet für Tirol einen Saisonverbraucht von 10.366.000 Litern Diesen für die Pistenpräparierung. Und jetzt haben wir noch nicht darüber gesprochen, wie hässlich die 10.000 überdimensionierten Vogelscheuchen von Schneekanonen im Sommer sind, die uns in der warmen Jahreszeit die Gäste vertreiben.


In Tirol tun wir manchmal so, als ob unser Handeln keine Folgen hätte. Die schlechte Nachricht ist: Das stimmt nicht.

Der Strom kommt eben nicht aus der Steckdose. Das wissen wir Grüne, aber die Seilbahnwirtschaft scheint es nicht zu wissen. Es ist nicht unerheblich, wo man Wasser verdunsten lässt, weil man es dem natürlichen Kreislauf entnimmt. Von der Präparierung unserer Pisten profitieren die Ölscheichs, und darunter leidet das Weltklima. Unser Handeln hat Folgen. Heute, morgen, immer. Deshalb ist die Frage: Wann ist genug?

Wenn wir die Frage stellen, wann genug ist, dann tun wir das aus einer Verantwortung für unser Land. Es geht um Energie, um Trinkwasser, um Öl – und schlussendlich auch ums Geld. Wo kommt das Geld für diese exorbitant steigenden Kosten her? Wie lange bleibt das bezahlbar? Ist die Saisonverlängerung das Grab, das wir uns selbst schaufeln? Führt die scheinbare Lösung für ein Problem geradewegs in das nächste Problem?

Nachhaltiges Denken sagt: Halt, Stopp. Irgendwann geht es nicht mehr. Ist bei 10.000 Schneekanonen Schluss? Oder bei 12.000? Oder bei 15.000? Und wenn dann eine neue errichtet werden soll, dann muss eine andere abgebaut werden, so stelle ich mir das vor. 

Ist bei 5.500 Pistenkilometern Schluss? Oder bei 6.000? Oder bei 10.000? Und wer eine neue Piste bauen will muss ein anderes Skigebiet überzeugen, eine Piste zu renaturieren, das fände ich ein spannendes Konzept. Unser Land ist nicht unendlich groß, unsere Umweltressourcen sind nicht unendlich erneuerbar. Ein Tiroler Skigebiet ist jetzt schon der größte Einzelkunde der TIWAG. Wie viele Kraftwerke können wir bauen, um die Industriegebiete zwischen Gipfeln aufrecht zu erhalten?

Der Piz Val Gronda hat uns hier in eine echte Teufelsmühle gebracht: Wenn ich die Projekte schon höre, die jetzt mit neuem Elan angegangen werden: Langtaufers. Dort gibt es derzeit nichts. Das ist die Errichtung eines völlig neuen Industriegebiets. Vom Kaunertal will man auf den Gepatschferner. In Schwaz will man sich freiwillig zum Parkplatz für das Zillertal machen. Vom Spieljoch geht’s durch ein Hochmoor nach Hochfügen. Am Stubaier Gletscher plant man einen „Bauhilfsweg“. Ich sage nur „Notweg“ Pitztal. Der „Bauhilfsweg“ dient nämlich dem gleichen Zweck, der Vorbereitung einer Talabfahrt von der Dresdner Hütte zur Mutterbergalm.

Wir müssen neu Maß nehmen. Ein neues Ziel ins Visier nehmen und schauen, wo wir eigentlich hin wollen. Wie können Mensch und Natur in Tirol so von einander profitieren, dass es uns allen gut geht?

Wir setzen deshalb im kommenden Landtag Initiativen für nachhaltiges regionales Wirtschaften und nachhaltigen Tourismus. In der Fragestunde werden wir die Grenzen der Beschneiung und der Lifterschließung thematisieren. Wir werden eine Initiative für ein Tourismusprodukt Skitouren setzen, an dem man auch Geld verdienen kann. Eine Initiative für Skitourenbusse, weil es nicht sein kann, dass der größte Parkplatz der Innsbrucker an Wintersonntagen in Lüsens ist. Eine Initiative dafür, dass die Hypo Landesbank regionale und ökologische Investmentchancen anbietet, weil die Landesbank versäumt, was die regionalen Genossenschaftsbanken in Deutschland verstanden haben: Dass sie, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung, der Motor der Energiewende sind.

Wir werden auch zum Piz Val Gronda nachfragen. Zur Abstimmung mit dem Kanton Graubünden und zur Wildruhezone nämlich. In dem Wissen, dass hier nicht das letzte Wort gesprochen ist. In dem Wissen nämlich, dass man in der EU-Kommission hellhörig geworden ist, was hier passiert und derzeit die Brüsseler Schreibmaschinen rauchen. Wenn sie fertig geschrieben haben, werden wir natürlich die Tiroler Öffentlichkeit rechtzeitig informieren.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, das ist klar. Landeshauptmann Wendelin Weingartner ging auch deshalb als Visionär in die Tiroler Geschichte ein, weil er die Zeit zum Nachdenken einforderte. Er forderte die Nachdenkpause für neue Skigebiete. Landeshauptmann Günther Platter hatte es bisher nicht besonders mit dem Nachdenken. Wir brauchen aber eine Nachdenkpause bei der technischen Beschneiung. Es kann nicht so weiter gehen wie bisher. Wir investieren uns um Kopf und Kragen. Herr Landeshauptmann, lassen Sie nachdenken!

Dienstag, 4. Dezember 2012

Wer ist das Team Stronach in Tirol?

Der nette, etwas skurrile Onkel aus Amerika kauft sich derzeit eine Partei samt entsprechendem Personal. Dabei muss er offenbar nehmen, was eben gerade kommt. Der aus der FPÖ ausgeschlossene ehemalige Nationalrat Werner Königshofer hat sich gleich angeboten, in Tirol für das Team Stronach zu stehen. Ihn zu nehmen hat sich Stronach offenbar nicht getraut, dafür aber Werner Königshofers Freundeskreis.

In Tirol besteht das kleine Team Stronach (Hans-Peter Mayr, Alois Wechselberger, Hans Moser, Gerhard Glatz, Fabio Gruber, Christian Warum, Richard Tautscher, Peter Prantl und einige andere) aus einer getarnten blauen Sturmabteilung. In ihr finden sich ausgeschlossene FPÖler, die sogar den Freiheitlichen zu hart waren. Da gibt es Agrargemeinschafts-Unterstützer, Veranstaltungs-Organisatoren mit Werner Königshofer, Revanchisten in Sachen Sudetendeutsche und Schlesier, radikale Abtreibungsgegner, Aktivisten für 'menschenwürdige Kunst statt vulgärer Aktionen', Menschen die auf Werner Königshofers Facebook-Seite zu Gewalt gegen Asylwerber hetzen, Mitglieder des radikalen 'freiheitlichen Förderzentrums', Mitglieder schlagender Landsmannschaften, Internet-Hetzer, ehemalige Betreiber einer Escort-Agentur und eine ganze Reihe ausgeschlossener und ehemaliger Freiheitlicher. Mehr Infos unter anderem hier.

Und wenn man sich durchliest, wer hier der Landesvorstand des Teams Stronach ist, dann verwundert es auch nicht mehr zu sehen, welches Bild kürzlich in der neu eröffneten Landesgeschäftsstelle des Team Stronach aufgehängt wurde. Ja. Seriously.

Aufnahme aus der Landesgeschäftsstelle des Team Stronach Tirol, Dezember 2012
Seitens des Team Stronach bemüht man sich mitzuteilen, dass der Landesvorstand nicht die Kandidatenliste für die Landtagswahl sei. Kandidieren würden andere, unproblematischere Personen. Ich würde meinen: Die Liste der echten Repräsentanten des Team Stronach Tirol sollte schnellstens präsentiert werden. Ansonsten könnte man doch wirklich glauben, diese getarnte blaue Sturmabteilung habe den netten Onkel aus Amerika hereingelegt.

Montag, 3. Dezember 2012

Ja zum Rad

Am Wochenende fand in Linz der Grüne Bundeskongress statt. Und neben einer neuen Bundesliste, unter anderem mit zwei Jungen, nämlich Sigrid Maurer und Julian Schmid habe ich auch eine kleine Erkenntnis mitgebracht. Nämlich: Das will ich auch! Eine kleine Maßnahme nur, aber eine sehr praktische. Und eine Maßnahme, die ein 'Ja zum Rad' signalisiert.

Mit einer Halterung muss man an der Ampel nicht vom Fahrrad absteigen, sondern kann sich daran festhalten, zumindest eineR. Das ist komfortabel für RadfahrerInnen. Von AufofahrerInnen verlangt man an der Ampel ja auch nicht, dass sie aussteigen und warten, bis es Grün wird. Und RadfahrerInnen bleiben vielleicht eher an der Ampel stehen, anstatt halt noch schnell drüberzuflitzen. Kurzum: Bittebittebitte!