Im Jahr 2007 gab es in Tirol etwa 3.000 Schneekanonen zur technischen Beschneiung. Heute, 5 Jahre später gibt es so viele Schneekanonen allein im Bezirk Kitzbühel. Der Bezirk Kitzbühel hat heute so viele Schneekanonen wie ganz Europa vor fünf Jahren, und in Tirol gibt es inzwischen 10.000 Stück dieser Energiefresser.
Eine Schneekanone hat durchschnittlich einen Verbrauch von 24 Kilowattstunden, ein Kubikmeter Schnee mit Pumpleistung verbraucht etwa 5 Kilowattstunden. Wenn man die beschneibaren 4.400 Hektar Pistenfläche in Tirol also einmal (!) mit 25 Zentimetern beschneien will, dann ist bei Kosten von 2,5-4,5 Euro pro Kubikmeter mit Betriebskosten von 28-50 Millionen Euro zu rechnen. Da ist aber nur einmal beschneit. Da darf nichts wegschmelzen, so wie heuer im Oktober, als bereits die ersten weißen Bänder in die grüne Landschaft beschneit wurden.
Laut Bescheid können in Tirol 14.388.000 Kubikmeter Wasser im Jahr verschneit werden, von denen bei der Beschneiung etwa 30% sofort verdunsten. Eine Liste der Speicherteiche für die Beschneiung findet sich
hier.
Und weil wir schon beim Energieverbrauch sind: Die Präparierung eines Hektars Piste braucht durchschnittlich 1.420 Liter Diesel. Das bedeutet für Tirol einen Saisonverbraucht von 10.366.000 Litern Diesen für die Pistenpräparierung. Und jetzt haben wir noch nicht darüber gesprochen, wie hässlich die 10.000 überdimensionierten Vogelscheuchen von Schneekanonen im Sommer sind, die uns in der warmen Jahreszeit die Gäste vertreiben.
In Tirol tun wir manchmal so, als ob unser Handeln keine
Folgen hätte. Die schlechte Nachricht ist: Das stimmt nicht.
Der Strom kommt eben nicht aus der
Steckdose. Das wissen wir Grüne, aber die Seilbahnwirtschaft scheint
es nicht zu wissen. Es ist nicht unerheblich, wo man Wasser
verdunsten lässt, weil man es dem natürlichen Kreislauf entnimmt.
Von der Präparierung unserer Pisten profitieren die Ölscheichs, und
darunter leidet das Weltklima. Unser Handeln hat Folgen. Heute,
morgen, immer. Deshalb ist die Frage: Wann ist genug?
Wenn wir die Frage stellen, wann genug
ist, dann tun wir das aus einer Verantwortung für unser Land. Es
geht um Energie, um Trinkwasser, um Öl – und schlussendlich auch
ums Geld. Wo kommt das Geld für diese exorbitant steigenden Kosten
her? Wie lange bleibt das bezahlbar? Ist die Saisonverlängerung das
Grab, das wir uns selbst schaufeln? Führt die scheinbare Lösung für
ein Problem geradewegs in das nächste Problem?
Nachhaltiges Denken sagt: Halt, Stopp.
Irgendwann geht es nicht mehr. Ist bei 10.000 Schneekanonen Schluss? Oder bei 12.000? Oder bei 15.000? Und wenn dann eine neue errichtet werden soll, dann muss eine andere
abgebaut werden, so stelle ich mir das vor.
Ist bei 5.500 Pistenkilometern Schluss? Oder bei 6.000? Oder bei 10.000? Und wer eine
neue Piste bauen will muss ein anderes Skigebiet überzeugen, eine
Piste zu renaturieren, das fände ich ein spannendes Konzept. Unser Land ist nicht unendlich groß, unsere
Umweltressourcen sind nicht unendlich erneuerbar. Ein Tiroler Skigebiet ist
jetzt schon der größte Einzelkunde der TIWAG. Wie viele Kraftwerke
können wir bauen, um die Industriegebiete zwischen Gipfeln aufrecht
zu erhalten?
Der Piz Val Gronda hat uns hier in
eine echte Teufelsmühle gebracht: Wenn ich die Projekte schon höre,
die jetzt mit neuem Elan angegangen werden: Langtaufers. Dort gibt es
derzeit nichts. Das ist die Errichtung eines völlig neuen
Industriegebiets. Vom Kaunertal will man auf den Gepatschferner. In
Schwaz will man sich freiwillig zum Parkplatz für das Zillertal
machen. Vom Spieljoch geht’s durch ein Hochmoor nach Hochfügen. Am
Stubaier Gletscher plant man einen „Bauhilfsweg“. Ich sage nur
„Notweg“ Pitztal. Der „Bauhilfsweg“ dient nämlich dem
gleichen Zweck, der Vorbereitung einer Talabfahrt von der Dresdner
Hütte zur Mutterbergalm.
Wir müssen neu Maß nehmen. Ein neues
Ziel ins Visier nehmen und schauen, wo wir eigentlich hin wollen. Wie
können Mensch und Natur in Tirol so von einander profitieren, dass
es uns allen gut geht?
Wir setzen deshalb im kommenden Landtag
Initiativen für nachhaltiges regionales Wirtschaften und
nachhaltigen Tourismus. In der Fragestunde werden wir die Grenzen der Beschneiung und der Lifterschließung thematisieren. Wir werden eine Initiative für ein Tourismusprodukt
Skitouren setzen, an dem man auch Geld verdienen kann. Eine Initiative für
Skitourenbusse, weil es nicht sein kann, dass der größte Parkplatz
der Innsbrucker an Wintersonntagen in Lüsens ist. Eine Initiative
dafür, dass die Hypo Landesbank regionale und ökologische
Investmentchancen anbietet, weil die Landesbank versäumt, was die
regionalen Genossenschaftsbanken in Deutschland verstanden haben:
Dass sie, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung, der Motor der
Energiewende sind.
Wir werden auch zum Piz Val
Gronda nachfragen. Zur Abstimmung mit dem Kanton Graubünden und zur
Wildruhezone nämlich. In dem Wissen, dass hier nicht das letzte Wort
gesprochen ist. In dem Wissen nämlich, dass man in der EU-Kommission
hellhörig geworden ist, was hier passiert und derzeit die Brüsseler
Schreibmaschinen rauchen. Wenn sie fertig geschrieben haben, werden
wir natürlich die Tiroler Öffentlichkeit rechtzeitig informieren.
Wer zu spät kommt, den bestraft das
Leben, das ist klar. Landeshauptmann Wendelin Weingartner ging auch
deshalb als Visionär in die Tiroler Geschichte ein, weil er die Zeit
zum Nachdenken einforderte. Er forderte die Nachdenkpause für neue
Skigebiete. Landeshauptmann Günther Platter hatte es bisher nicht
besonders mit dem Nachdenken. Wir brauchen aber eine Nachdenkpause
bei der technischen Beschneiung. Es kann nicht so weiter gehen wie
bisher. Wir investieren uns um Kopf und Kragen. Herr Landeshauptmann,
lassen Sie nachdenken!